Dogmatiker glaubt an Scheitern des Synodalen Wegs

Sander hält Kirche für nicht reformierbar – Bischof Jung widerspricht

Aktualisiert am 24.05.2022  –  Lesedauer: 

Würzburg ‐ Wird der Synodale Weg in Deutschland nicht erfolgreich sein? Das glaubt zumindest der Salzburger Dogmatiker Hans-Joachim Sander – und hält es sogar für bedeutsam. Der Würzburger Bischof Franz Jung sieht die Sache etwas anders.

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Nach Meinung des Salzburger Dogmatikers Hans-Joachim Sander wird der Synodale Weg nicht erfolgreich sein. Doch gerade sein Scheitern sei bedeutsam, "denn dann wird die Absurdität der Nicht-Reformierbarkeit der Kirche umso deutlicher", sagte Sander am Montagabend bei einer Akademieveranstaltung zum Thema "Macht und Verantwortung" in Würzburg. Er glaube jedoch, dass der katholische Glaube revoltiert werden könne, so der Dogmatiker.

Würzburgs Bischof Franz Jung widersprach Sander. Er halte die Kirche durchaus für reformierbar. Gleichzeitig betonte er die Bedeutung des Austauschs mit den Betroffenen von sexuellem Missbrauch. "Sie lehren uns, dass diese Organisation, die angetreten ist wie der Barmherzige Samariter, auch Opfer produziert." Sie hülfen, die Komplexität des Themas zu begreifen. Zugleich warb der Bischof dafür, das Thema geistlicher Missbrauch verstärkt in den Blick zu nehmen. Gerade die bestehenden asymmetrischen Verhältnisse in der Seelsorge seien ein Einfallstor für Missbrauch, so Jung. Dieses Thema sei auch wichtig für Aus- und Fortbildung sowie Personalführung.

Sander sprach im Zusammenhang von Missbrauch und seiner Macht von einem Glaubensproblem. So könne es etwa kein Ja zum Glauben mehr geben, wenn nicht vorher die Frage der Betroffenen, ob man ihnen glaube, mit Ja beantwortet werde, sagte Sander. Sonst hingen Glaubensinhalte in der Luft. Außerdem sprach sich der Theologe dafür aus, ein "Lehramt der Betroffenen" anzuerkennen. Den Vorwürfen, die Betroffenen würden so verzweckt, hielt Sander entgegen, dass dieses Lehramt der Betroffenen außerhalb des normalen Lehramts stünde.

Zollner: Kirche fehlt Kultur der Verantwortlichkeit

Der katholische Kinderschutzexperte Hans Zollner sieht in der Kirche eine Kultur des Abschiebens von Verantwortung und Verantwortlichkeit. Dies sei eines "der Elemente der katholischen Selbstbehauptung", sagte Zollner. Es sei ein System zu einer gewissen Perfektion gebracht worden, bei der am Ende niemand mehr wisse, wer für was verantwortlich gewesen sei. "Accountability ist kein katholisches Wort."

Missbrauch begünstigende Strukturen in der Kirche müssten geändert werden, sagte Zollner. Diese Notwendigkeit sähen durchaus einige bis hinauf in Leitungsfunktionen. Es gebe dabei aber eine "fast undurchdringbare Schicht". Nur wenige Bischöfe stellten sich erkennbar der Schwere der Verantwortung bei dem Thema. Gerade bei den obersten Leitungsämtern müsse viel Überzeugungsarbeit geleistet werden. (tmg/KNA)