Standpunkt

Der Katholikentag braucht ein kompakteres Format

Aktualisiert am 27.05.2022  –  Lesedauer: 
Schachfigur
Bild: © Fotolia.com/Roma

Bonn ‐ Diejenigen, die sich im Laufe der Corona-Pandemie den Kirchgang abgewöhnt haben, kommen nicht mehr wieder, kommentiert Benjamin Leven. Das habe auch Konsequenzen für kirchliche Großveranstaltungen wie den Katholikentag.

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9.000 Menschen haben gestern den Gottesdienst zu Christi Himmelfahrt beim Katholikentag in Stuttgart mitgefeiert. Die Organisatoren haben 19.000 Dauerteilnehmer registriert; davon sind allerdings 7.000 Mitwirkende. Inklusive Tagesgäste werden insgesamt 25.000 Teilnehmer erwartet. Am Donnerstagnachmittag waren manche Veranstaltungsorte nur spärlich besetzt. Beim letzten Katholikentag 2018 in Münster hatte man noch 90.000 Personen, davon 50.000 Dauergäste, gezählt. Ungefähr 10 Millionen Euro, größtenteils aus öffentlichen Mitteln, wird der Katholikentag kosten. Genauso viel hatte der Katholikentag in Münster gekostet, nur hatte der fast viermal so viele Teilnehmer.  

Das Mobilisierungspotenzial des deutschen Katholizismus ist in den letzten Jahren offenbar stark geschrumpft. Erstmals seit den Sechzigerjahren bleibt ein Katholikentag unter der Marke von 20.000 Dauergästen. Die Zahlen bewegen sich damit inzwischen in den gleichen Dimensionen wie das evangelikale Jugendtreffen "Christival", das gerade mit 13.000 Teilnehmern in Erfurt stattfindet, oder die katholisch-charismatische Mehr-Konferenz, die zuletzt 2020 12.000 junge Menschen nach Augsburg lockte. Der Unterschied zum Katholikentag: Die Mehr-Konferenz kommt ohne Kirchensteuermittel und staatliche Zuschüsse aus.

Mit Blick auf den nächsten Katholikentag 2024 in Erfurt sollte das veranstaltende Zentralkomitee der deutschen Katholiken über ein kompakteres Format nachdenken. Es ergibt wenig Sinn, unzählige Veranstaltungen parallel anzubieten, die dann nur von wenigen Gästen aufgesucht werden. Man sollte auch nicht darauf vertrauen, dass wieder mehr Menschen kommen, wenn die Corona-Pandemie endgültig vorbei ist. Die Zahl der regelmäßigen Kirchenbesucher hat sich im Zuge der Pandemie ungefähr halbiert. Diejenigen, die sich in den letzten zwei Jahren den Kirchgang abgewöhnt haben, kommen nicht mehr wieder. Und sie sind wohl auch als mögliche Teilnehmer kirchlicher Großveranstaltungen verloren.

Von Benjamin Leven

Der Autor

Benjamin Leven ist Redakteur der "Herder Korrespondenz".

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.