Zusammenlegung hätte Signalwirkung in Gesellschaft und Kirche

Generalvikar Pfeffer für Fusion von Katholikentag und Kirchentag

Aktualisiert am 30.05.2022  –  Lesedauer: 

Essen ‐ Ist es angesichts sinkender Teilnehmerzahlen noch sinnvoll, Katholikentage und Evangelische Kirchentage getrennt zu veranstalten? Generalvikar Klaus Pfeffer hat eine eindeutige Meinung zu dieser Frage: Er spricht sich für eine Zusammenlegung aus.

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Der Essener Generalvikar Klaus Pfeffer hat sich dafür ausgesprochen, die beiden kirchlichen Großveranstaltungen Katholikentag und Evangelischer Kirchentag zusammenzulegen. Er wünsche sich, "dass wir in Deutschland bald nur noch gemeinsame Kirchentage der evangelischen und katholischen Kirche feiern", schrieb Pfeffer am Sonntag in einem Beitrag auf seinem Facebook-Profil. Eine Zusammenlegung der bislang konfessionell getrennten Großevents hätte "eine starke Signalwirkung in die breite Öffentlichkeit hinein, aber auch in unsere Kirchen", so der Generalvikar des Bistums Essen. Die Christen in Deutschland "müssen endlich raus aus der innerkirchlichen Selbstbeschäftigung, aus den gegenseitigen Abgrenzungen und Konkurrenzen". Sie hätten die gemeinsame Verantwortung, "zu bezeugen, was wir von Jesus Christus verstanden haben und um diese Welt zum Besseren zu gestalten".

Als weiteren Grund für Änderungen am Format des Katholikentags nannte Pfeffer die geringe Teilnehmerzahl beim am Sonntag zu Ende gegangenen Treffen in Stuttgart. "Der Aufwand eines solchen Events scheint in dieser Form in keinem Verhältnis mehr zu seinem Ertrag zu stehen." Das spiegele sich auch in einem äußerst kritischen medialen Echo wider. Mit rund 27.000 lag die Teilnehmerzahl in der baden-württembergischen Landeshauptstadt deutlich geringer als beim Katholikentag 2018, zu dem knapp 90.000 Teilnehmer nach Münster kamen. Gleichzeitig würdigte Pfeffer die persönlichen Begegnungen beim Katholikentag in Stuttgart: Es sei "einfach auch schön, so viele engagierte und zutiefst überzeugte Christinnen und Christen zu treffen, viele Weggefährtinnen und -gefährten aus ganz Deutschland wiederzusehen oder neu kennenzulernen".

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Am Samstag hatten sich der ehemalige Bundestagspräsident Norbert Lammert und die Präsidentin des Bundesgerichtshofs, Bettina Limperg, bereits für eine Zusammenlegung von Katholiken- und Kirchentagen ausgesprochen. Dieser Schritt könnte ein "wichtiges Signal in die Gesellschaft hinein sein", sagte Limperg bei einem Podium des Katholikentags zur Gewaltenteilung in der Kirche. Die protestantische Juristin hatte im Vorjahr das Amt der evangelischen Präsidentin des dritten Ökumenischen Kirchentags in Frankfurt inne. Man habe "nicht mehr alle beieinander", beide Großveranstaltungen weiter getrennt durchzuführen, sagte der Katholik Lammert, der seit 2018 die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung leitet.

Auch die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) wünscht sich für künftige Christentreffen von Anfang an einen deutlichen ökumenischen Akzent. Beim Katholikentag in Stuttgart sei erfahrbar gewesen, dass die Ökumene eine enorme Ressource für die christlichen Kirchen darstelle, betonte der Vorsitzende der ACK, Erzpriester Radu Constantin Miron von der Griechisch-Orthodoxen Metropolie in Deutschland, am Montag. Die Kooperation der Konfessionen könne als Entlastung für alle Kirchen betrachtet werden und sei zukunftsweisend für das Christentum in Mitteleuropa, so Miron. Der Katholikentag in Stuttgart sei ökumenischer als seine Vorgänger gewesen, aber das Grundanliegen einer stärkeren Beteiligung aller christlichen Kirchen lasse sich noch weiter steigern. "Da ist noch Luft nach oben", sagte Miron. Es sei vorstellbar, dass künftig gemeinsame "ChristInnentage" unter Beteiligung aller Konfessionen abgehalten würden. (rom)