Münsteraner Missbrauchsstudie habe ihn schockiert

Norpoth: Wenn Synodaler Weg scheitert, scheitert die Kirche

Aktualisiert am 14.06.2022  –  Lesedauer: 

Münster/Köln ‐ Die Einzelschicksale aus Missbrauchsstudien schockieren ihn immer wieder, sagt Betroffenensprecher Johannes Norpoth. Er fordert Veränderungen der Kirche beim Synodalen Weg – sonst habe sie nicht mehr lange Bestand.

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Der Sprecher des Betroffenenbeirats bei der Deutschen Bischofskonferenz, Johannes Norpoth, fordert deutliche Veränderungen der Kirche durch den Synodalen Weg. "Ich bin der festen Überzeugung, dass wenn dieser Synodalen Weg scheitert, scheitert die katholische Kirche in ihrer aktuellen Verfasstheit innerhalb weniger Jahre", sagte Norpoth, der als Gast an den Synodalversammlungen teilnimmt, in einem Interview dem Kölner Internetportal "domradio.de" (Dienstag). Die Fragen von Macht und Gewaltenteilung, Geschlechtergerechtigkeit, Sexualmoral und Missbrauch würden systemisch ineinander greifen.

Angesprochen auf das am Montag veröffentlichte Münsteraner Missbrauchsgutachten sagte Norpoth, dass die aufgedeckten Zahlen ihn schockiert hätten. "Jedes Einzelschicksal, jedes Opfer sexualisierter Gewalt in unserer Kirche schockiert mit dem jeweiligen individuellen Schicksal, mit dem individuellen Leid und den Problemen, die sich über Generationen und über Jahrzehnte hinweg für die Betroffenen darstellen", so der Betroffenenvertreter. "Das schockiert immer wieder und wird auch nie aufhören zu schockieren." Den soziologisch-historischen Ansatz der Studie bewertete er als sehr gut, da damit auch die Systeme und Strategien der Kirche bei der Vertuschung von Missbrauch aufgedeckt würden. "Das ist schon eine deutliche Weitung der bisherigen Studieninhalte und macht noch mal deutlich, wie die Problemlagen in unserer Kirche angesetzt sind und wo die Hebel für die Zukunft anzusetzen sind", so Norpoth.

"Da stumpft man schon auch als Betroffener ab"

Die Forderung nach personellen Konsequenzen könne er nachvollziehen. In den vergangenen zwölf Monaten hätten Betroffene aber feststellen müssen, dass Vergehen im Umgang mit Missbrauchsfällen und -betroffenen nicht zur Entlassung von Bischöfen geführt hätten und dass selbst eingereichte Rücktrittsgesuche nicht angenommen worden seien. "Da stumpft man schon auch als Betroffener ab, weil man einfach sagt, ja Gott, was sollen sie denn noch anstellen, bevor Rom reagiert?"

Wenn die deutschen Bischöfe in Gänze zurücktreten würden, wäre das sicherlich ein deutliches Zeichen, erklärte Norpoth. Dadurch würde sich die Kirche in den folgenden zwölf Monaten aber "keinen Millimeter bewegen", konstatierte der Betroffenensprecher. Damit sei Betroffenen überhaupt nicht geholfen. Ihm seien daher Menschen lieber, "die mit Reue und mit Tatkraft drangehen, um die Ursachen abzuschaffen, aber auch das Leid zu lindern", so Norpoth. "Es ist mir lieber als Menschen, die sich die sich zurückziehen und damit aus ihrer Gestaltungsmacht heraustreten." (cbr)