Kämpfe um sogenannte Alte Messe seien eine "Tragödie"

Liturgiepräfekt: Messform darf keine persönliche Entscheidung sein

Aktualisiert am 17.06.2022  –  Lesedauer: 

Vatikanstadt ‐ Papst Franziskus hatte die Feier der Alten Messe stark eingeschränkt. Liturgiepräfekt Arthur Roche verteidigt diesen Schritt erneut: Weil es nur ein liturgisches Gesetz der Kirche gebe, könne die Wahl der Messform keine persönliche Entscheidung sein.

  • Teilen:

Nach Ansicht des Präfekten des vatikanischen Liturgiedikasteriums, Arthur Roche, darf die Form der Messfeier keine Frage der persönlichen Entscheidung sein. Eine der Herausforderungen der heutigen Zeit sei die Zunahme an Individualismus, sagte der britische Kurienerzbischof am Donnerstag in einem Interview mit dem Portal "Vatikan News". Dieser Individualismus dürfe nicht auf den Bereich der Liturgie übergreifen, denn es gebe nur ein liturgisches Gesetz für die ganze Kirche. "Wir feiern als Gemeinschaft, da die gesamte Kirche und die Kirche durch die Jahrhunderte hindurch immer die Form der Liturgie geregelt hat, die sie für eine bestimmte Zeit für angemessener hielt", so Roche.

Der Liturgiepräfekt bezog sich mit seinen Aussagen auf Auseinandersetzungen um die sogenannte Alte Messe, also die Feier der Eucharistie gemäß den vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil gültigen Büchern. Die "Kämpfe" seien eine "Tragödie", da die Eucharistie "ihrem Wesen nach" das Sakrament sei, "das die ganze Kirche eint". Den Widerstand konservativer Kreise gegen eine fortschreitende Entwicklung der Liturgie bezeichnete Roche als "eine sehr ernste Angelegenheit, auf die der Papst in seinem Dokument über die Liturgie, Traditionis custodes, hingewiesen hat". Auseinandersetzungen um die Liturgie habe es in der Geschichte immer wieder gegeben, "aber es gab nie eine Kontroverse über die Liturgie in der Art, wie wir sie heute erleben, zum Teil weil es nie zuvor zwei Versionen des Römischen Messbuchs gab", so der Erzbischof. Mit seinem Motu proprio "Traditionis custodes" hatte Papst Franziskus die Feier der Alten Messe im Sommer vergangenen Jahres stark eingeschränkt, was für teils heftige Kritik, aber auch breite Zustimmung sorgte.

Ständige Diakone kein Mittel gegen fehlende Priesterberufungen

Mit Blick auf die Amazonasgebiete betonte Roche außerdem die Bedeutung des geweihten Priestertums für die Kirche. Es sei "der Schlüssel zur Vollendung dessen, was das Herzstück der Kirche ist, nämlich die Eucharistie". Aus diesem Grund dürfe eine Fokussierung auf die Weihe verheirateter Diakone nicht als Mittel gegen den Rückgang der Priesterberufungen betrachtet werden. Der ständige Diakonat sei gut akzeptiert und "ein Segen für sehr viele Teile der Welt". Würde man zukünftig, "den Priester durch den Diakon ersetzen, werden wir zu einer diakonischen Kirche und nicht zu einer priesterlichen Kirche. Aber unsere Identität in der Taufe ist eine priesterliche Identität".

Arthur Roche leitet seit einem Jahr das Dikasterium für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, wie die frühere Kongregation seit der Kurienreform durch Papst Franziskus heißt. Zuvor war Roche neun Jahre lang Sekretär der Behörde. Von 2004 bis 2012 war der gebürtige Brite Bischof von Leeds. Roche gilt als moderat und hatte Franziskus' Motu proprio zur Alten Messe mehrfach verteidigt. Im Mai gab der Papst bekannt, Roche gemeinsam mit 20 weiteren Männern in den Kardinalsrang zu erheben; die offizielle Ernennung soll Anfang August stattfinden. (mfi)