Franziskus-Dementi zu Rücktritt sei gutes Signal

Vatikanexperte: "Kirche verträgt kein Altersheim von Päpsten"

Aktualisiert am 23.06.2022  –  Lesedauer: 

Köln ‐ Papst Franziskus selbst hat Gerüchte über seinen bevorstehenden Rücktritt zurückgewiesen. Vatikanexperte Ulrich Nersinger sieht das als gutes Signal – und sagt, warum Benedikts Entscheidung zum Rücktritt "nicht die klügste war".

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Der Vatikanexperte Ulrich Nersinger hält das Rücktritts-Dementi von Papst Franziskus für ein gutes Signal. "Die Kirche verträgt kein Altersheim von Päpsten im Vatikan", sagte er dem kirchlichen Kölner Internetportal "domradio.de" (Donnerstag) mit Blick auf den 2013 emeritierten Papst Benedikt XVI., der in einem Kloster in den vatikanischen Gärten lebt. "Ich denke, auch wenn ein Papst gesundheitliche Schwierigkeiten wie der jetzige Heilige Vater hat, gibt es viele Möglichkeiten, das Amt voll auszufüllen, zu leben und wirklich zu wirken. Ein Rollstuhl hindert ja den Papst nicht daran zu wirken", betonte Nersinger. So könne der Papst auch bei feierlichen Messen anwesend sein, die aber ein Kardinal zelebriere.

Der 2013 zurückgetretene Benedikt XVI. habe als Souverän zwar frei entscheiden können, fügte Nersinger hinzu. "Aber ich denke, es hat sich in den letzten Jahren gezeigt, dass die Entscheidung nicht die klügste war. Denn wir haben jetzt immer die Rede von zwei Päpsten." In den katholischen Medien gebe es "sehr starke Kräfte", die davon redeten, dass der Stuhl Petri leer oder der Papst zum Rücktritt gezwungen worden und das wahre Kirchenoberhaupt Benedikt XVI. sei.

Am Dienstag hatten brasilianische Bischöfe nach einem Besuch bei Papst Franziskus übereinstimmend berichtet, dieser habe Medienspekulationen über einen bevorstehenden Rücktritt zurückgewiesen. Auf die Frage nach seinem Gesundheitszustand habe der Papst geantwortet, dass ihm ein Rücktritt trotz einiger Probleme "nicht in den Sinn" komme. "Ich will meine Mission solange leben, wie Gott es zulässt", zitierte ihn Roque Paloschi, Erzbischof von Porto Velho. Franziskus ist wegen Knieproblemen seit einigen Wochen auf einen Rollstuhl angewiesen. Auch Papstvertraute wie der honduranische Kardinal Oscar Andres Rodriguez Maradiaga und der ehemalige Sprecher von Franziskus aus dessen Zeit als Erzbischof von Buenos Aires, Guillermo Marco, hatten die Medienspekulationen zurückgewiesen. Am Montag sagte der US-amerikanische Kardinal Kevin Joseph Farrell, auch der zuletzt häufig verwendete Rollstuhl sei für den Papst keine Einschränkung seiner Arbeit. (tmg/KNA)