Mitgrund für hohe Zahl der Kirchenaustritte im Erzbistum

Kölner Laienvertreter: "Hängepartie" um Kardinal Woelki frustriert

Aktualisiert am 28.06.2022  –  Lesedauer: 

Köln ‐ In keiner anderen deutschen Diözese traten 2021 mehr Menschen aus der katholischen Kirche aus als im Erzbistum Köln. Der Diözesanratsvorsitzende Tim Kurzbach sieht einen Mitgrund in der offenen Situation um Kardinal Rainer Maria Woelki.

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Die Laienvertretung im Erzbistum Köln sieht einen Mitgrund für die hohe Zahl der Kirchenaustritte in der Diskussion um das Rücktrittsangebot Kardinal Rainer Maria Woelkis. Papst Franziskus und der Kölner Erzbischof setzten sich öffentlich darüber auseinander, "ob jemand in die Auszeit gegangen ist oder seinen Rücktritt angeboten hat", sagte der Vorsitzende des Diözesanrats der Katholiken im Erzbistum Köln, Tim Kurzbach, am Dienstag dem Portal "domradio.de". Die Situation sei "nur noch fürchterlich".

Franziskus hatte kürzlich in einem Interview gesagt, im Zuge der Vertrauenskrise im Erzbistum Köln habe er Woelki gebeten, eine Auszeit zu nehmen und seinen Rücktritt anzubieten. Vorherige Darstellungen des Erzbistums hatten nahegelegt, dass der Kardinal die Auszeit und den Rücktritt von sich aus angeboten hatte. Die Erzdiözese erklärte nach dem Interview, dass die Äußerungen des Papstes und die eigenen Darstellungen vereinbar seien. Über Woelkis Rücktrittsangebot hat Franziskus noch nicht entschieden. "In der Tat frustriert diese Hängepartie auch sehr", so Kurzbach weiter. Menschen aus dem "innersten Bereich der Pfarrgemeinden" würden die Kirche nun verlassen.

Allgemeine Gründe für die Rekord-Kirchenaustritte sieht Kurzbach in fehlenden Reformen sowie dem Umgang mit dem Missbrauchsskandal. Seit mehr als zehn Jahren arbeite die katholische Kirche in Deutschland sexuellen Missbrauch auf, "ohne dass irgendjemand überhaupt einmal wahrhaftig dafür Verantwortung übernommen hätte". Zudem werde seit langem über Modernisierung geredet. "Auch da passiert nicht wirklich etwas. Das frustriert die Menschen zutiefst."

So viele Austritte wie in keinem anderen deutschen Bistum

Das Erzbistum Köln, das Deutschlands mitgliederstärkste Diözese ist, verzeichnet für das vergangene Jahr fast 41.000 Austritte. Das sind in absoluten Zahlen so viele wie in keinem anderen deutschen Bistum und so viele wie nie zuvor. Der Anteil der Austritte an den Gesamtmitgliedern liegt bei 2,18 Prozent und damit noch unter denen der Erzbistümer München und Freising (2,19 Prozent), Hamburg (2,53 Prozent) und Berlin (2,72 Prozent).

Der scheidende Kölner Generalvikar Markus Hofmann erklärte nach Veröffentlichung der Zahlen, das Erzbistum müsse anerkennen, "dass der schmerzvolle Weg der Aufarbeitung und andere Krisen das Vertrauen vieler Menschen in die Kirche heftig erschüttert haben". Weiter sagte er: "Wir müssen alles daransetzen, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen."

Bundesweit kehrten laut der am Montag veröffentlichten Statistik der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) für das Jahr 2021 rund 359.000 Menschen der katholischen Kirche den Rücken – ebenfalls ein neuer Höchststand. Im Schnitt verloren die Bistümer 1,59 Prozent ihrer Mitglieder. (tmg/KNA)