Traditionalistische Konferenz "Sacra Liturgia" in den USA

Meet and Greet: 50.000 US-Dollar für das "Kardinal-Pell-Paket"

Aktualisiert am 28.06.2022  –  Lesedauer: 
Kurienkardinal George Pell während der Weltbischofssynode zu Ehe und Familie am 6. Oktober 2014 im Vatikan.
Bild: © KNA

San Francisco ‐ Heute beginnt in San Francisco eine "besondere" Liturgiekonferenz. Als Sprecher treten dort auch die Kurienkardinäle Robert Sarah und George Pell auf. Und mehr als das: Anhänger können die beiden persönlich kennenlernen – mit dem nötigen Kleingeld.

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Meet-and-Greet-Treffen sind für nationale und internationale Stars quasi Alltagsgeschäft. Zahlreiche Fans sehnen sich danach, ihre Vorbilder von Angesicht zu Angesicht kennenzulernen, Fotos zu machen und ihnen einfach nahe zu sein. Gerne greifen sie dafür auch einmal tiefer in die Tasche und zahlen mitunter das Vielfache normaler Konzerttickets. Was aber für Sängerinnen und Schauspieler gilt, dürfte zumindest für katholische Kirchenvertreter noch Neuland sein. Fans des ehemaligen Präfekten der Liturgiekomission, Kardinal Robert Sarah, und des ehemaligen Präfekten des vatikanischen Wirtschafssekretariats, Kardinal George Pell, könnten bei der Konferenz "Sacra Liturgia" aber auf ihre Kosten kommen – wenn sie ein entsprechendes Paket buchen.

20.000 US-Dollar (umgerechnet rund 18.900 Euro) kostet etwa das "Kardinal Sarah Paket", das neben einer lobenden Erwähnung des Sponsors ein Meet and Greet mit dem guineischen Kurienkardinal vorsieht. Wer etwas tiefer in die Tasche greift, bekommt für 50.000 US-Dollar (umgerechnet etwa 47.236 Euro) das "Kardinal Pell Paket" – und damit neben einer lobenden Erwähnung die Chance, den Kardinal bei einem VIP-Dinner kennenzulernen und sogar zwei weitere Gäste mitzubringen.

Pakete zwischen 1.500 und 100.000 US-Dollar

Grundsätzlich ist die Kirche in Ländern wie den USA sehr viel mehr auf Spenden angewiesen, als dies etwa in Deutschland der Fall ist. Eine Sprecherin des Events sagte dem britischen Magazin "The Tablet" (Montag), dass nach Sponsoren gesucht würde, da die Teilnahmegebühren nur die Hälfte der Konferenzkosten decken würden. Neben den Meet-and-Greet-Paketen mit den beiden Kardinälen, gibt es daher eine Vielzahl an anderen Möglichkeiten, sich als Sponsor bei dem Event zu beteiligen. Die Palette reicht von 1.500 US-Dollar (etwa 1.417 Euro) für Seminaristen und Vollzeit-Studierende bis hin zu zum "Patron-der-Künste-Paket" für stolze 100.000 US-Dollar (94.472 Euro), das neben diversen VIP-Dinnern und Treffen unter anderem mit dem Erzbischof von San Francisco, Salvatore Cordileone, auch die Möglichkeit vorsieht, eine neu in Auftrag gegebene Messe sich selbst oder einem nahestehenden Menschen zu widmen.

Kardinal Robert Sarah mit dem Papst
Bild: ©picture alliance/Stefano Spaziani (Archivbild)

2016 forderte Kardinal Robert Sarah bei der "Sacra Liturgia", Priester sollten sich nach Möglichkeit bei der Messfeier nach Osten wenden. Papst Franziskus sieht das anders.

Erzbischof Cordileone, der Ende Mai damit auffiel, dass er die Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, aufgrund ihrer liberalen Haltung in der Abtreibungsfrage vom Empfang der Kommunion ausschloss, ist selbst Gastgeber der Konferenz "Sacra Liturgia", die am Dienstag in San Francisco beginnt und noch bis Freitag dauert. Bei der Konferenz, auf der Pell und Sarah auch als Sprecher auftreten, soll es laut der Veranstalter um liturgische Ausbildung und Feier gehen. Das Treffen werde "die intellektuelle Feuerkraft der Kirche zusammen mit der Kraft der sakralen Schönheit" darstellen, warb Erzbischof Cordileone vorab in einem Schreiben an mögliche Sponsoren. Doch tummeln sich dort vor allem Fans der vorkonziliaren Form der Liturgie.

Gegründet wurde die Tagung unter anderem vom australischen Priester Alcuin Reid, jenem Vorsteher der traditionalistischen benediktinischen Gemeinschaft "Monastère Saint-Benoît" im französischen Bistum Frejus-Toulon, die der dortige Bischof vor Kurzem aufgelöst hatte. Der französischen Zeitung "La Croix" zufolge hatte das Erzbistum Melbourne, aus dem Reid stammt, das Bistum Frejus-Toulon sogar vor der Aufnahme Reids gewarnt. Laut dem "Tablet" sagte eine Sprecherin, dass Reid "nicht mehr mit der Konferenz in Verbindung stehe", obwohl er offenbar sogar als Redner für das Treffen vorgesehen war.

Abschlussmesse am Gedenktag des heiligen Junipero Serra

Auch Kardinal Sarah ist bei der "Sacra Liturgia" kein Unbekannter. 2016 sorgte er für mediale Aufmerksamkeit, als er forderte, dass sich Priester – wann immer möglich – bei der Messfeier nach Osten wenden sollten. "Ich glaube, dass es ein wichtiger Schritt ist, um sicherzustellen, dass der Herr wirklich im Zentrum unserer Feiern ist", so der Kardinal. Papst Franziskus sah das anders und veröffentlichte vor knapp einem Jahr sein Motu Proprio "Traditionis Custodes", mit dem er die Feier der sogenannten Alten Messe einschränkte. In einem Begleitbrief an die Bischöfe begründete der Papst seine Entscheidung damals unter anderem damit, dass der Gebrauch der vorkonziliaren Form der Messe oft mit der Behauptung einhergehe, nur diese entspreche dem wahren Glauben der katholischen Kirche und dass auch andere Errungenschaften des Zweiten Vatikanischen Konzils abgelehnt würden.  

Die Tagung endet übrigens am Gedenktag des heiligen Junipero Serra, dessen Mission der indigenen Ureinwohner Amerikas mehr als umstritten ist und dessen Statuen während der "Black Lives Matter" Proteste auch in San Francisco vom Sockel gestürzt wurden. Erzbischof Cordileone wird die Abschlussmesse selbst zelebrieren. Natürlich in vorkonziliarer Form.

Von Christoph Brüwer