Synodaler Weg sei kein "deutscher Sonderweg"

Bischof Kohlgraf sieht Spaltung zwischen Gläubigen und Bischöfen

Aktualisiert am 20.09.2022  –  Lesedauer: 

Limburg ‐ Nach Ansicht von Bischof Peter Kohlgraf haben sich viele Menschen von der Kirche entfernt, weil sie das "Bodenpersonal" Gottes nicht mehr für glaubwürdig halten. Der Mainzer Oberhirte macht eine Spaltung in der Kirche aus.

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Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf sieht eine Spaltung zwischen Gläubigen und Bischöfen. "Deutlich tritt ein Spalt zwischen dem Volk Gottes und seinen Hirten zutage, der uns nicht gleichgültig sein darf", sagte Kohlgraf mit Blick auf seine Erfahrungen bei der vierten Synodalversammlung am Sonntag in einer Predigt anlässlich des Kreuzfestes im Limburger Dom. Der Synodale Weg habe seinen Grund darin, dass sich die kirchliche Praxis nach Ansicht vieler Gläubiger deutlich vom Vorbild des gekreuzigten Christus entfernt habe. "Menschen fühlen sich ausgestoßen, Themen und Lebensschicksale werden tabuisiert, einige erheben sich über die anderen, es gibt Verurteilungen und Verletzungen." Das lasse ihn als Bischof genauso wenig kalt wie viele andere Menschen innerhalb und außerhalb der Kirche, so Kohlgraf.

Die Kirche müsse sich verändern, "durch äußere Einflüsse, durch eine sich verändernde Gesellschaft, aber auch durch synodale Prozesse bei uns und weltweit", sagte Kohlgraf weiter. Die Rede von einem "deutschen Sonderweg" im Zusammenhang mit dem Reformprozess sei daher falsch. Mit Blick auf das Kreuz sagte der Bischof, es sei das Zeichen für eine Liebe, die alle an sich ziehen und umarmen wolle, niemand sei ausgeschlossen. Immer wieder sei es ein Symbol des Friedens zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft gewesen: "Es überwindet Feindschaft zwischen Juden und den Völkern, wie der Epheserbrief sagt." Es nehme die Christen in die Pflicht, den Kontakt zu anderen Menschen und zu Gott zu suchen.

Gleichzeitig sei das Kreuz auch ein Zeichen von Differenzen, sagte Kohlgraf. Aus dem Symbol der Hingabe, Liebe und Gewaltlosigkeit sei im Lauf der Geschichte ein Ansporn zu Spaltung, Gewalt, Ausgrenzung und Rechthaberei geworden. "Immer wieder war das Christentum nur dann gewaltlos und tolerant, sofern es nicht teilhatte an politischer Macht und den Interessen, die sich mit ihr verbanden." Das Kreuz sei deshalb eine Anfrage an die Machtgelüste und Eigeninteressen von Menschen gegenüber anderen, auch in der Kirche. Der Apostel Paulus habe das Kreuz als Ärgernis für die einen und Torheit für andere bezeichnet. Heute würden sich die Menschen mehr am "Bodenpersonal" Gottes reiben als am Kern des Evangeliums. Die Kirchenverantwortlichen würden nicht als menschenfreundlich, hinhörend, einladend und überzeugend erfahren, beklagte Kohlgraf. (rom)