Das sind die deutschen Teilnehmer der Jugendsynode
Vier Bischöfe und vier Laien

Das sind die deutschen Teilnehmer der Jugendsynode

Ab heute tagt die Jugendsynode im Vatikan. Drei Wochen lang beraten Bischöfe und Laien darüber, wie die Kirche besser auf die Wünsche der Jugend eingehen kann. Unter den Teilnehmern sind auch acht Deutsche. Katholisch.de stellt sie vor.

Von Gabriele Höfling und Agathe Lukassek |  Bonn/Vatikanstadt - 03.10.2018

Heute beginnt die Jugendsynode im Vatikan. 409 Personen werden drei Wochen lang als Synodenväter, Gäste und Mitarbeiter bei dem Treffen von Bischöfen aus aller Welt dabei sein. Unter ihnen sind acht deutsche Teilnehmer. Katholisch.de stellt sie vor.

Frère Alois

Bild: © katholisch.de

Frère Alois Löser ist der Prior der Gemeinschaft von Taizé.

Ursprünglich stammt Frère Alois aus Deutschland, doch er lebt bereits seit mehr als 40 Jahren in Frankreich: Der Prior der ökumenischen Gemeinschaft von Taizé wurde am 11. Juni 1954 in Nördlingen im schwäbischen Landkreis Donau-Ries als Alois Löser geboren. Mit 19 Jahren trat er in die Gemeinschaft von Taizé ein. Der Ort zieht jedes Jahr Jugendliche aus ganz verschiedenen Nationen an. Um Silvester herum organisiert die Gemeinschaft regelmäßig ein großes europäisches Jugendtreffen, das immer an einem anderen Ort stattfindet. Berühmt sind auch die meditativen Taizé-Gesänge, von denen Alois einige selbst komponierte. Das Erfolgsgeheimnis der Gemeinschaft von Taizé sieht Frère Alois vor allem in der Einfachheit des gemeinsamen Gebets.

Thomas Andonie

Thomas Andonie ist seit Juli 2017 Bundesvorsitzender des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend.

Der Vorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) ist einer von 50 jugendlichen Gasthörern (Auditoren) auf der Synode. Auch schon bei der dreiwöchigen Vorsynode im Frühjahr war er dabei. Dass nur so wenige junge Menschen eingeladen sind, ärgert den 27-jährigen sehr. Der BDKJ hatte gefordert, dass die Hälfte der Synodenteilnehmer junge Leute sind. Aus Sicht des Jugendverbands sollte die Synode neben dem Thema Berufung auch über das Frauenbild und die Sexualmoral der Kirche sowie den Zölibat sprechen und die Frage beantworten, wie junge Menschen zu mehr Mitbestimmung in der Kirche kommen. Auch der Missbrauch als Thema dürfe nicht ausgespart werden, findet Andonie. Er ist seit 2001 Mitglied in der Kolping-Jugend und war vor seinem Amt als Bundesvorsitzender von 2011 bis 2016 BDKJ-Diözesanvorsitzender in Regensburg.

Julia Braband

Bild: © Albin Hillert

Julia Braband ist die Vertreterin des Lutherischen Weltbundes bei der Jugendsynode.

Julia Braband gehört zum Jugendkomitee der deutschen Abteilung des Lutherischen Weltbunds (LWB) und nimmt als ökumenischer Gast an der Synode teil. Sie ist Krankenschwester, Theologie-Studentin und in der Kirchenleitung der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) aktiv. Schon seit ihrer Zeit als Schülerin engagiert sich die 25-Jährige in verschiedenen Gremien der evangelischen Kirche. Sie will sich bei der Jugendsynode vor allem für eine bessere Beteiligung junger Leute an den kirchlichen Entscheidungen einsetzen, sagte sie im Interview mit katholisch.de. Um dieses Ziel zu erreichen, brauche sie allerdings "gute Nerven".

Bischof Felix Genn

Bild: © KNA

Felix Genn ist seit 2009 Bischof von Münster.

Die Jugendsynode hat den Titel "Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsunterscheidung" – daher fährt als Vorsitzender der DBK-Kommission für Geistliche Berufe und Kirchliche Dienste auch Münsters Bischof Felix Genn nach Rom. Er ist sich allerdings bewusst, dass ein allzu eng gefasster Berufungsbegriff auf Jugendliche abschreckend wirken kann. Bei der Synode solle es folglich auch nicht ausschließlich um die Berufung zum Priester oder zum Ordensleben gehen, sagte der 68-Jährige vergangene Woche bei der Vollversammlung der deutschen Bischöfe in Fulda. Die Kirche wolle Jugendlichen vielmehr ganz allgemein dabei helfen, ihre Lebensaufgabe zu finden – und das könne auch ein "weltlicher" Beruf sein oder die Gründung einer Familie. Die Kirche müsse mit den Jugendlichen gemeinsam auf dem Weg sein, dürfe sie aber nicht bevormunden. Dafür müssten sich in Deutschland Jugend- und Berufungspastoral besser vernetzten.

Kardinal Reinhard Marx

Kardinal Reinhard Marx spricht in eine TV-Kamera.
Bild: © KNA

Kardinal Reinhard Marx ist Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz und Erzbischof von München-Freising.

Die Teilnahme von Kardinal Reinhard Marx an der Jugendsynode steht erst seit einigen Wochen fest. Eigentlich hatte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz keine Reise nach Italien geplant, wurde dann aber von Papst Franziskus persönlich dazu eingeladen. Höchstwahrscheinlich wird Marx diese Gelegenheit nutzen, die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals auch auf weltkirchlicher Ebene voranzubringen. Das kündigte er in der vergangenen Woche bei der Vollversammlung der deutschen Bischöfe in Fulda an.

Nach Ansicht des 65-Jährigen können Jugendliche ein Vorbild für die Kirche sein bei deren Versuch einer Erneuerung. Denn der "Willen zum Neuanfang" sei ein typischer Charakterzug von Jugendlichen. Viele in der Kirche hielten dagegen eher an der Vergangenheit fest, hatte er in diesem Jahr in seiner Predigt für Gründonnerstag gesagt. Damals wusch er 12 jungen Leuten die Füße, um auf ihre Bedürfnisse und die bevorstehende Jugendsynode aufmerksam zu machen.

Paul Metzlaff

Paul Metzlaff leitet das Referat Glaubensbildung bei der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz in Düsseldorf.

Paul Metzlaff arbeitet bei der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge (afj) der Deutschen Bischofskonferenz in Düsseldorf. Dort leitet der 30-Jährige das Referat Glaubensbildung und ist dort unter anderem für den Weltjugendtag zuständig. Bei der Jugendsynode wird er zu einem internationalen Helferstab gehören. Aus seiner Sicht könnten dort neben vielen anderen Themen auch traditionelle Formen der Liturgie und Frömmigkeit eine Rolle spielen – diese seien unter den Gläubigen in der Postmoderne wieder stärker gefragt. So hätten sich vor der Synode etwa Jugendliche aus den USA gewünscht, die Feier der Messe im außerordentlichen Ritus auf Latein wieder stärker zu berücksichtigen. Als Privatperson gehört Paul Metzlaff zu den Initiatoren des "Mission Manifest", das Anfang des Jahres ein "Comeback der Kirche" forderte und dabei vor allem auf Mission, Gebet und Rückbesinnung auf das Evangelium setzt. Veröffentlicht wurde es von einer Gruppe Katholiken um Johannes Hartl, den Gründer des Gebetshauses Augsburg.   

Bischof Stefan Oster

Jugendbischof Stefan Oster
Bild: © katholisch.de

Stefan Oster ist Bischof von Passau und Vorsitzender der Jugendkommission der Deutschen Bischofskonferenz.

Für Passaus Bischof Stefan Oster ist die Jugendarbeit einer der Hauptschwerpunkte – und das nicht erst seit er Vorsitzender der Jugendkommission der Deutschen Bischofskonferenz ist. Oster gehört seit 1995 dem Orden der Salesianer Don Boscos an, der sich die Jugendarbeit zur Aufgabe gemacht hat. Im Bistum Passau hat der 53-Jährige das Jugendprojekt "Believe and Pray" gegründet und trifft sich regelmäßig zu Austausch und Gebet mit jungen Leuten. Dennoch mussten sich der BDKJ und der in einem eher konservativen Ruf stehende Jugendbischof nach dessen Wahl 2016 erst aneinander gewöhnen. Zu Diskussionen hatte Osters Kritik geführt, der Jugendverband spreche zu wenig über das Evangelium.   

Als Schlüssel für eine erfolgreiche Jugendarbeit nennt Oster immer wieder das Stichwort "Authentizität": Wenn junge Leute in der Kirche Menschen begegneten, die ihren Glauben überzeugend lebten, sei das der beste Weg, um auch den Nachwuchs für Kirche zu begeistern. Wenn Jugendliche zu einer echten Begegnung mit Jesus gelangten, dann verändere das ihr Leben, so Osters Credo.     

Weihbischof Johannes Wübbe

Bischof Bode hatte Wübbe zuvor zum neuen Weihbischof für das Bistum Osnabrück geweiht. Wübbe ist Nachfolger von Weihbischof Kettmann, der vor eineinhalb Jahren in den Ruhestand gegangen ist

Johannes Wübbe ist Weihbischof im Bistum Osnabrück.

Der Osnabrücker Weihbischof Johannes Wübbe fährt als Mitglied der Jugendkommission der Deutschen Bischofskonferenz mit nach Rom. Dem 52-Jährigen ist es besonders wichtig, dass auf der Synode so viel wie möglich mit den Jugendlichen gesprochen wird statt nur über sie. Die jungen Leute erwarteten zu Recht, dass ihre Anliegen bei den Beratungen gehört und berücksichtigt würden, mahnte er bei der Vollversammlung der Bischöfe an. Auch strittige Themen müssten offen diskutiert werden. Erfahrung in der kirchlichen Jugendarbeit hat Wübbe reichlich: So war er Stadtjugendseelsorger in Osnabrück, später über viele Jahre Diözesanjugendseelsorger und Präses des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) im Bistum Osnabrück. Auf der Synode versteht er sich als Sprachrohr der jungen Leute und will den Kontakt mit den jungen Gasthörern suchen. 

Pater Clemens Blattert SJ

Erst kurz nachdem der Vatikan die offizielle Teilnehmerliste bekannt gegeben hatte berief das Generalsekretariat der Bischofssynode Pater Clemens Blattert. Der 40-jährige Jesuit zeigte sich überrascht darüber, dass er nun zu den 23 Experten (Periti) der Jugendsynode gehört. Die Deutsche Bischofskonferenz hatte den Leiter der Frankfurter "Zukunftswerkstatt SJ" vorgeschlagen – laut Blattert mit folgender Begründung: "Man höre so viel von der Zukunftswerkstatt und Sie scheinen mit dieser Arbeit einen Nerv bei jungen Menschen zu treffen. Und außerdem trauen wir den Jesuiten."

Blattert stammt aus Bonndorf im Südschwarzwald. Nach seinem Theologiestudium in Freiburg trat er im Jahr 2003 in den Jesuitenorden ein und wurde 2009 zum Priester geweiht. Im Anschluss war er sechs Jahre Studentenpfarrer in Leipzig. Seit 2015 ist Blattert für die Berufungspastoral des Jesuitenordens verantwortlich und leitet die Zukunftswerkstatt, die nach eigener Aussage junge Entscheidungssucher zwischen 18 und 30 Jahren begleitet. Es geht bei dem Projekt darum, die eigene Berufung zu entdecken. Zum Beginn der Weltbischofssynode zeigte sich Blattert überzeugt, dass die Auseinandersetzung mit der Lebenswelt und den Anliegen junger Menschen die Bischöfe, die Gemeinschaften und Gemeinden beweglicher mache, "dass sie Lust und Mut auf Veränderung finden. Freiräume zu riskieren, in denen das als gut Erkannte umzusetzen und auszuprobieren ist". Der Pater erhofft sich von der Synode "ein vertieftes Verständnis des Begriffs Berufung. Und daraus eine neue Dynamik und Freude am Glaubensweg für den Einzelnen." Er hoffe darauf, dass das Angebot der Kirche, "nämlich die Botschaft von einem Leben in Fülle, junge Leute neu entdecken und schätzen können", fügte er hinzu.

Von Gabriele Höfling und Agathe Lukassek

4. Oktober: Ergänzt um Pater Blattert

Themenseite: Jugendsynode

Was beschäftigt junge Menschen heute? Woran glauben sie? Und wie kann die Kirche sie bei einem gelingenden (Glaubens-)Leben unterstützen? Darüber diskutieren die Bischöfe bei ihrerer weltweiten Synode vom 3. bis 28. Oktober 2018 im Vatikan.