Zehn junge Frauen halten sich an der Hand.
Kardinäle und Bischöfe fordern Umdenken in der Kirche

Vatikan-Kommission will Synode zum Thema Frauen

Die Würde der Frau zählt in der katholischen Kirche auch heute bisweilen nicht viel, beklagt die Päpstliche Kommission für Lateinamerika. Damit sich das ändert, schlägt sie eine Weltbischofssynode vor.

Vatikan - 12.04.2018

Die Päpstliche Kommission für Lateinamerika hat eine Weltbischofssynode zum Thema Frauen vorgeschlagen. "Die katholische Kirche, die dem Beispiel Jesu folgt, muss frei sein von jeglichen Vorurteilen, Stereotypen und Diskriminierungen gegenüber Frauen", heißt es in einer Erklärung der Kommission, die der "Osservatore Romano" am Donnerstag veröffentlichte. Die christlichen Gemeinschaften müssten um Verzeihung für alle Situationen bitten, in denen "sie Komplizen von Anschlägen auf die Würde der Frau waren und sind", heißt es darin weiter.

Die 24 zumeist lateinamerikanischen Kardinäle und Bischöfe der Kommission sind in dieser Woche zu ihrer Vollversammlung im Vatikan zusammengekommen. Erstmals waren auch 14 Frauen eingeladen. Aus Deutschland nahm der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck an der Vollversammlung teil. Overbeck ist innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz für das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat zuständig.

Es wäre das erste Mal seit der Gründung der Weltbischofssynode im Jahr 1965, dass das Thema Frauen in einer solchen Versammlung von Bischöfen aus aller Welt im Mittelpunkt steht. Die nächste Weltbischofssynode im Oktober beschäftigt sich mit Jugendlichen. Im Herbst 2019 ist im Vatikan zudem eine regionale Bischofssynode zum Amazonasgebiet geplant.

Franz-Josef Overbeck, Bischof von Essen

Franz-Josef Overbeck ist Bischof von Essen für das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat zuständig.

Eine vatikanische Befragung der Bischofskonferenzen hatte 2015 ergeben, dass die meist gewünschten Themen in dieser Reihenfolge Jugend, Priesterausbildung sowie Interreligiöser Dialog und Frieden sind. Welche Erfolgschancen der Vorschlag der Lateinamerika-Kommission hat, ist daher fraglich.

Mehr Hilfe für afroamerikanische Frauen und mehr Wertschätzung für Ordensfrauen 

In der Erklärung der Lateinamerika-Kommission heißt es weiter, die epochalen Veränderungen, denen sich die Kirche gegenüber sehe, verlangten eine neue missionarische Dynamik und einen Bewusstseinswandel, ähnlich wie er bereits durch die beiden Bischofssynoden über Ehe und Familie und das päpstliche Schreiben "Amoris laetitia" erfolgt sei. Daher rege die Kommission an, "eine Bischofssynode der Weltkirche über Frauen im Leben und der Mission der Kirche" abzuhalten.

Im Mittelpunkt der Erklärung steht die Lage der Frauen in Lateinamerika in Gesellschaft und Kirche. Besonders benachteiligt, diskriminiert und gefährdet seien arme, indigene und afroamerikanische Frauen. Mit Blick auf innerkirchliche Verhältnisse mahnt die Kommission eine größere Wertschätzung für das Wirken von Ordensfrauen an. Die Lateinamerika-Kommission wendet sich zugleich gegen eine "kulturelle und ideologische Kolonisation" durch den Westen im Namen eines angeblichen Feminismus, die Ehe und Familie untergrabe.

Die Päpstliche Lateinamerika-Kommission wurde 1958 von Papst Pius XII. als dauerhafte vatikanische Einrichtung ins Leben. Sie soll die Arbeit der Kirche in der Region unterstützen. Ihr Präsident ist derzeit deer kanadische Kurienkardinal Marc Ouellet, Präfekt der vatikanischen Kongregation für die Bischöfe. (tja/KNA)