Katharina Norpoth
Katharina Norpoth nimmt als Delegierte an Synodalversammlung teil

BDKJ-Chefin: Das erwartet die katholische Jugend vom Synodalen Weg

Die katholische Welt schaut auf Deutschland: Heute beginnt in Frankfurt die erste Synodalversammlung mit 230 Teilnehmern. Eine von ihnen ist Katharina Norpoth, die als BDKJ-Bundesvorsitzende die Interessen der jungen Gläubigen vertritt. Im katholisch.de-Interview erläutert sie, was ihr Wunschziel für den Synodalen Weg ist.

Von Roland Müller |  Düsseldorf - 30.01.2020

Heute beginnt die erste Synodalversammlung in Frankfurt am Main, und damit nimmt auch der gesamte Synodale Weg seine Fahrt auf. Die Beschlüsse des auf zwei Jahre angelegten Reformprozesses werden die deutsche Kirche im besten Fall für die kommenden Jahrzehnte prägen. Dennoch sind nur wenige Jugendliche und junge Erwachsene als Teilnehmer dabei – ein Umstand, den die BDKJ-Vorsitzende Katharina Norpoth im Interview mit katholisch.de beklagt.

Frage: Frau Norpoth, im Vorfeld des Synodalen Wegs hatte der BDKJ gefordert, dass mindestens ein Drittel der Teilnehmer unter 30 Jahren alt sein sollte. Das ist nicht umgesetzt worden. War das ein Fehler der Initiatoren des Synodalen Wegs?

Norpoth: Es ist schon wirklich schade, dass bei der Synodalversammlung so wenige junge Teilnehmende dabei sind. Aber es gibt immerhin 15 Synodale unter 30, die vom BDKJ ausgewählt wurden. Darüber hinaus gibt es unseres Wissens nur sechs weitere Personen in der Synodalversammlung, die 30 Jahre oder jünger sind. Das ist bedauerlich, denn wir jungen Menschen sind natürlich die Zukunft der Kirche, aber auch ihre Gegenwart. Deshalb ist es unverständlich und schade, dass die Jugend in der Versammlung unterrepräsentiert ist.

Frage: Worauf haben Sie bei der Auswahl der 15 jungen Teilnehmer geachtet?

Norpoth: Es gab ungefähr 230 Bewerbungen, da wir zuvor viel Werbung in den sozialen Netzwerken gemacht haben. Wir konnten leider nur 15 Teilnehmende benennen. Wir wollten mit der Auswahl eine möglichst große Vielfalt junger Menschen abbilden: Verbandlich und nicht-verbandlich engagierte Jugendliche, die aus unterschiedlichen Teilen Deutschlands stammen. Unter ihnen sind Schüler, Studierende und auch eine Person, die eine Ausbildung absolviert hat und jetzt schon voll im Beruf steht. Außerdem sollten es mindestens zehn weibliche Personen sein, weil wir festgestellt hatten, dass es einen Überhang an männlichen Teilnehmenden in der Synodalversammlung gibt. Ein Effekt der vielen Bischöfe und Priester, die an der Synodalversammlung teilnehmen. Kurzum: Wir wollten damit eine hohe Diversität gewährleisten.

Frage: Haben Sie bei der Auswahl auch darauf geachtet, ob sich die jungen Menschen einer bestimmten kirchenpolitischen Richtung zugehörig fühlen, also ob sie etwa für eine Lockerung des Zölibats oder für mehr Neuevangelisierung sind?

Norpoth: Nein, das war keine Priorität bei der Auswahl.

Frage: Ich frage, weil dem BDKJ öfters vorgeworfen wird, mit seinen Forderungen nach weitreichenden Reformen ausschließlich eine dieser Richtung zu bedienen.

Norpoth: Das stimmt, aber wir haben vom ZdK den Auftrag bekommen, 15 junge Menschen auszuwählen, die die unterschiedliche Lebenswirklichkeit von Jugendlichen in der Kirche widerspiegeln. Diese Personen sind zwar vom BDKJ ausgesucht worden, doch sie sind natürlich frei, ihre eigene Meinung in der Synodalversammlung zu vertreten. Wir sind auf ihre Beiträge sehr gespannt! Die tatsächliche Vertretung des BDKJ und seiner Interessen findet durch Thomas Andonie und mich als Bundesvorsitzende statt.

Logo zum "synodalen Weg"

Der Synodale Weg wurde bereits im Dezember offiziell eröffnet, doch mit der ersten Synodalversammlung nimmt er nun erst richtig Fahrt auf. BDKJ-Bundesvorsitzende Katharina Norpoth erwartet sich große Veränderungen von diesem Reformprozess.

Frage: Wie haben Sie sich im Vorfeld der Synodalversammlung aufgestellt? Gibt es strategische Überlegungen des BDKJ oder Verbündete in anderen Verbänden, mit denen Sie zusammenarbeiten?

Norpoth: Wir haben unsere Forderungen, die seit einem halben Jahr bekannt sind, und unsere allgemeinen Beschlusslagen. Diese bringen wir aktiv in die Synodalversammlung ein. Es wird zudem ein Vorbereitungstreffen der jungen Synodalen geben. Dann bin ich sicher, dass sich bei den Diskussionen innerhalb der Versammlung gleiche Interessen mit anderen Gruppen und Teilnehmende herauskristallisieren werden, sodass wir mit diesen Personen zusammenarbeiten können. Das kennen wir bereits aus anderen Gremien. Wir gehen mit einer großen Offenheit in die Synodalversammlung hinein und dürfen dabei nicht aus den Augen verlieren, dass wir im Diskurs stehen und zudem am Anfang eines Prozesses sind. Unser Ziel ist schließlich, die Kirche gemeinsam mit allen Gläubigen ein gutes Stück weiter voranzubringen.

Frage: Bei der ersten Synodalversammlung wird auch die Zusammensetzung der Foren beschlossen. Wie werden der BDKJ und die jungen Synodalen dort vertreten sein?

Norpoth: Die vier Foren sind besonders wesentlich für den Synodalen Weg, weil aus den Foren die Beratungsvorlagen in die Synodalversammlung eingehen. Als BDKJ wollen wir dort unsere Interessen möglichst breit vertreten. Im Vorfeld, auch im Zusammenhang mit den vorbereitenden Foren, gab es schon viele Gespräche. Aber die Wahl findet letztendlich auf der Versammlung statt.

Frage: In der Tagesordnung der Synodalversammlung ist nur eine Stunde für die Wahl der Foren-Teilnehmer vorgesehen. Reicht das oder werden die Teilnehmer mehr Zeit dafür benötigen?

Norpoth: Es gab ja schon die Möglichkeit, Vorschläge für die Besetzung der Foren einzubringen. Diese Chance haben auch wir genutzt. Aber im Zweifel werden sich die Teilnehmenden für Fragen wie diese den Raum und die Zeit nehmen, die sie brauchen.

Frage: Wenn wir jetzt auf die Inhalte der verschiedenen Foren schauen, etwa auf das Thema Frauen in der Kirche. Was fordert der BDKJ hierbei und wie realistisch sind diese Forderungen?

Norpoth: Unsere Forderung ist ganz klar: In der Kirche muss es Gleichstellung geben. In Deutschland sollten wir endlich damit anfangen, die Möglichkeiten, die wir diesbezüglich haben, auch zu nutzen. Dort, wo Frauen schon heute so wie Männer leitende Positionen bekleiden können, muss das passieren. Ein gutes Beispiel dafür ist das Erzbistum München und Freising, wo es neben dem Generalvikar auf Augenhöhe eine Frau an der Spitze des Ordinariates geben wird. Außerdem muss die Forderung nach mehr Rechten für Frauen in der Kirche als Votum der deutschen Kirche nach Rom zu übermittelt werden. Denn die Amazonas-Synode im vergangenen Jahr hat gezeigt, dass über verschiedene Lebensführungen in der Ämterausübung der Kirche auch in anderen Teilen der Weltkirche diskutiert wird.

Frage: Welche anderen Reformen muss der Synodale Weg mit Blick auf die Themen der weiteren Foren voranbringen?

Norpoth: Natürlich sollte die öffentliche Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren endlich möglich gemacht werden. Auch müssen Macht und Verantwortung in der Kirche zwischen Klerikern und Laien gleichermaßen verteilt werden. Denn die MHG-Studie hat gezeigt, dass sexualisierte Gewalt immer mit Machtmissbrauch zusammenhängt. Als Konsequenz muss die Macht und Verantwortung umverteilt werden. Schließlich müssen Strukturen geschaffen werden, damit Priesteramtskandidaten nicht nur unter sich bleiben, sondern leichter Kontakte außerhalb eines klerikalen Umfelds pflegen können. Männerbündische Zirkel können auf diese Weise aufgebrochen werden.

Kirche muss aus den Ergebnissen der MHG-Studie lernen und Konsequenzen ziehen, um zukunftsfähig zu werden und ich glaube, sie ist jetzt dazu bereit.

Zitat: Katharina Norpoth

Frage: Viele dieser Themen und weiterer "heißer Eisen" werden schon seit Jahrzehnten in der Kirche diskutiert, ohne eine Veränderung bewirkt zu haben. Warum sollte gerade jetzt ein guter Zeitpunkt sein, um Reformen beschließen zu können?

Norpoth: In den vergangenen Jahren wurde sehr viel miteinander gesprochen und alle Argumente und alle Meinungen liegen auf dem Tisch. Jetzt muss es aber darum gehen, die Glaubwürdigkeit der Kirche wieder zu stärken und den Worten Taten folgen zu lassen. Kirche muss aus den Ergebnissen der MHG-Studie lernen und Konsequenzen ziehen, um zukunftsfähig zu werden und ich glaube, sie ist jetzt dazu bereit.

Frage: Im Zusammenhang mit dem Synodalen Weg wurde von verschiedenen Seiten die Gefahr einer Kirchenspaltung durch den Reformprozess angesprochen. Teilen Sie diese Befürchtung?

Norpoth: Der Synodale Weg dient dazu, innerhalb der Kirche untereinander im Gespräch zu bleiben. Das schweißt uns zusammen und motiviert, das Bestmögliche für die gesamte Kirche dabei herauszuholen. Wir als BDKJ haben diesbezüglich eine andere Vorstellung als Gläubige, die Altes bewahren wollen. Aber in der Diskussion müssen wir abwägen, was wir umsetzen können und einen Konsens finden, der von einer Mehrheit getragen wird. Denn Beschlüsse der Synodalversammlung sind demokratisch getroffene Entscheidungen.

Frage: Was ist Ihr Wunschziel für die Ergebnisse des Synodalen Wegs?

Norpoth: Wir brauchen auf jeden Fall eine Verbindlichkeit für die Dinge, die wir in der Synodalversammlung beschließen. Was eine Mehrheit beschließt, muss auch umgesetzt werden. Der Synodale Weg darf kein reiner Gesprächsprozess sein, sondern muss Veränderungen nach sich ziehen.

Frage: Vor kurzem hat Kardinal Marx noch davor gewarnt, zu schnelle Ergebnisse vom Synodalen Weg zu erwarten. Doch hat die Kirche diese Zeit überhaupt noch?

Norpoth: Die zuvor angesprochenen Themen brennen uns schon sehr lange unter den Nägeln und von uns aus gäbe es lieber heute als morgen eine Reform. Aber es ist eben ein Weg, auf den wir uns machen und der uns viel Geduld abverlangen wird.

Frage: Wird man sich in 50 Jahren noch an den Synodalen Weg erinnern?

Norpoth: Ich denke schon, dass der Synodale Weg im Gedächtnis bleiben wird. Meine eigentliche Hoffnung besteht jedoch darin, dass sich die Kirche auch darüber hinaus stetig weiterentwickelt und die jeweiligen Zeichen der Zeit erkennt, also lebensnah und an den Menschen orientiert ist – ohne zu vergessen, was die Kirche im Kern ausmacht.

Von Roland Müller