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Standpunkt

Der Papst will sehr wohl eine synodale Kirche

Nach der Ankündigung der Bischofssynode 2022 wird noch mehr Interesse auf dem Synodalen Weg liegen, kommentiert Stefan Orth. Er meint, dass in beiden Fällen der Weg zu einer neuen Debattenkultur innerhalb der Kirche ein wichtiges Ziel ist.

Von Stefan Orth |  Bonn - 11.03.2020

Dr. Stefan Orth ist stellv. Chefredakteur der Herder Korrespondenz

Ist das Glas halbleer oder halbvoll? Wie in vielen Fällen ist die Bewertung des Themas der nächsten Bischofssynode im Jahr 2022 eine Frage der Perspektive. Man kann sich mit gutem Recht darüber beklagen, dass nach den letzten Synoden mit hohen Reformerwartungen und nur mageren Ergebnissen die Bischofssynode jetzt um sich selbst kreist. Ist es nicht wenig kreativ, wenn ihr demnächst mit Synodalität die eigene Arbeitsweise zum Thema vorgegeben wird, nachdem es bei den inhaltlich gewichtigen Fragen zu wenig vorangegangen ist?

Umgekehrt spricht manches dafür, dass mit Blick auf ein Reformprogramm des Papstes, wie es in vielen Schreiben und Ansprachen aufleuchtet, tatsächlich noch einmal etwas weiter ausgeholt werden muss. Offensichtlich müssen angesichts der Widerstände erst einmal die Grundprinzipien stärker in der Weltkirche verankert werden. Es ist hier Größe und Grenze des Pontifikats, die Debattenkultur innerhalb der katholischen Kirche zu verändern – darüber gleichwohl bisher auch nicht wesentlich hinaus zu kommen.

Zu diesem Reformprogramm gehört deshalb mit gutem Grund neben dem Stichwort Synodalität auch das Schlagwort Dezentralisierung. Wie wollte man den Hinweis, dass mit dem postsynodalen Schreiben das Abschlussdokument der Bischofssynode in Gänze empfohlen wird, anders deuten. Der Papst setzt hier wieder einmal stärker auf die Ortskirchen, als diese es manches Mal wahrhaben wollen.

Mit umso mehr Interesse wird da nach der Ankündigung der nächsten Bischofssynode jetzt in den kommenden beiden Jahren die Weltkirche auf Deutschland schauen, wo im Synodalen Weg um konkrete Fragen der Veränderung kirchlicher Praxis gerungen wird. Das wird man dann sicher auch auf der Bischofssynode 2022 reflektieren. Auch wenn es nicht dabei bleiben darf: In beiden Fällen wird dadurch auch der Weg zu einem wichtigen Ziel. Hat sich doch wieder gezeigt, dass Synodalität noch viel stärker strukturprägend werden müsste.

Von Stefan Orth

Der Autor

Dr. Stefan Orth ist stellvertretender Chefredakteur der Herder Korrespondenz.

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