Messe an Gründonnerstag
Polen, Frankreich und Co.: Zwischen Lockerung und strikten Verboten

Corona: So werden in unseren Nachbarländern Gottesdienste gefeiert

In einigen deutschen Bundesländern werden schon jetzt wieder öffentliche Gottesdienste gefeiert. Bei vielen unserer europäischen Nachbarn sind Heilige Messen mit anwesenden Gläubigen noch verboten – wenn auch nicht überall. Ein Überblick.

Von Roland Müller |  Bonn - 22.04.2020

Ende vergangener Woche haben viele Gläubige in Deutschland vermutlich aufgeatmet: In einigen Bundesländern werden ab Anfang Mai wieder Gottesdienste gefeiert – wenn auch mit wenigen Teilnehmern. Den Anfang machte der Freistaat Sachsen, wo seit dieser Woche bereits die Feier von Gottesdiensten mit maximal 15 Personen erlaubt ist. Doch wie ist die Situation in anderen europäischen Ländern? Katholisch.de hat zusammengestellt, wie Deutschlands Nachbarn mit dem Thema öffentliche Gottesdienste in der Corona-Krise umgehen.

Polen

Polen ist wohl das "katholischste" der deutschen Nachbarländer: Mehr als 85 Prozent der Bevölkerung gibt an, zur katholischen Kirche zu gehören. Zunächst fielen die Beschränkungen für die Feier von Gottesdiensten milde aus. Mitte März waren noch Messen mit bis zu 50 Gläubigen erlaubt. Wenig später wurden die Maßnahmen jedoch verschärft: Maximal fünf Gläubige durften an den Gottesdiensten teilnehmen, sonst drohte die Gefahr, dass eine Eucharistiefeier als unerlaubte Versammlung aufgelöst wurde. Seit Montag sind die Beschränkungen wieder gelockert worden. Aktuell ist erlaubt, dass sich eine Person pro 15 Quadratmetern in einer Kirche aufhalten darf. Die Maskenpflicht in Polens Öffentlichkeit gilt jedoch auch für Gläubige in Kirchen.

Tschechien

In Tschechien sind derzeit öffentliche Gottesdienste zum Schutz vor Corona-Ansteckungen verboten. Einige Kirchengemeinden bieten jedoch Livestreams von Heiligen Messen an, damit die Gläubigen von Zuhause aus mitfeiern können. Bald dürfen jedoch wieder Personen zu Gottesdiensten in die Kirchen kommen. Die tschechische Regierung hat angekündigt, religiöse Versammlungen ab Montag wieder zu erlauben. Es dürfen jedoch maximal 15 Personen anwesend sein, die einen Mindestabstand zueinander einhalten müssen. Die Zahl der erlaubten Teilnehmer soll in den kommenden Wochen steigen. Medienberichten zufolge sollen ab 1. Mai bis zu 30 Personen und ab 25. Mai bis zu 50 Personen an den Gottesdiensten teilnehmen dürfen. Ab spätestens 8. Juni sollen die Kirchen wieder vollständig offen sein. Die angekündigte Lockerung der strengen Corona-Maßnahmen hatte Gottesdienste zunächst ausgelassen. Auf Bitte des Prager Kardinals Dominik Duka fügte die Regierung sie jedoch hinzu.

Kardinal Dominik Duka soll sich bei der tschechischen Regierung für eine Lockerung des Gottesdienstverbots eingesetzt haben.

Österreich

Ab 15. Mai sollen in Österreich wieder öffentliche Gottesdienste möglich sein. Das hat der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz am Dienstag angekündigt. Allerdings sollen bei den Eucharistiefeiern umfangreiche Sicherheitsvorschriften eingehalten werden, wie etwa ausreichender Abstand zwischen den Gläubigen. Die Bischöfe hatten sich zuvor zu Beratungen in einer Video-Konferenz versammelt, in der sie an einem Stufenplan gearbeitet haben, wie das kirchliche Leben langsam wieder hochgefahren werden kann. Zum Osterfest hatte die Regierung den Bischöfen für "die sehr gute Zusammenarbeit in dieser schwierigen Phase" gedankt. Die Kirche habe die Corona-Maßnahmen "vorbildlich mitgetragen", so Kurz.

Schweiz

In der Schweiz wird es frühestens ab dem 8. Juni öffentliche Gottesdienste geben. Die Schweizer Bischöfe hatten die Regierung für diese strenge Entscheidung kritisiert, da es zuvor in anderen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens bereits Lockerungen gegeben hatte – für religiöse Veranstaltungen jedoch nicht. "Leider hat der Bundesrat die Kirchen mit ihren über fünf Millionen Mitgliedern vergessen", sagte der Baseler Bischof Felix Gmür, der Vorsitzende der Schweizer Bischofskonferenz. Eine Änderung gibt es ab Ende April jedoch auch im liturgischen Bereich: Beerdigungen sollen nicht mehr nur im "engen Familienkreis" möglich sein, sondern auch anderen Familienmitgliedern offenstehen. Freunde und Bekannte dürfen aber weiterhin nicht an Beisetzungen teilnehmen.

Linktipp: Die Kirche während der Corona-Krise

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Frankreich

Auf unbestimmte Zeit verboten bleiben öffentliche Gottesdienste auch in Frankreich. Die Corona-Maßnahmen von Präsident Emmanuel Macron dauern mindestens bis zum 11. Mai an. Erst dann werde eine "neue Phase" des Kampfes gegen das Coronavirus beginnen, die auch Lockerungen beim Gottesdienstverbot mit sich bringen könnte. Die französischen Bischöfe unterstützen die Pläne der Regierung, arbeiten jedoch wie ihre Amtsbrüder in vielen anderen europäischen Staaten an einer Sicherheitsstrategie für den Fall der Wiederaufnahme von öffentlichen Gottesdiensten. Vor Ostern hatte es daher mit französischer Beteiligung Gespräche zwischen Vorsitzenden verschiedener Bischofskonferenzen gegeben, an denen auch der deutsche Vorsitzende Bischof Georg Bätzing teilgenommen hatte.

Luxemburg

In Deutschlands kleinstem Nachbarland Luxemburg sind öffentliche Liturgien mindestens bis zum 10. Mai untersagt. Bis zu diesem Datum soll eine Auswertung der Regierung vorliegen, ob die aktuellen Schutzmaßnahmen gegen Corona Wirkung gezeigt hätten. Eine schrittweise Wiederaufnahme von Gottesdiensten könne nur "im Rahmen einer allgemein positiven Entwicklung der Corona-Bekämpfung" erfolgen, teilte das Erzbistum Luxemburg mit. Auch die berühmte Echternacher Springprozession, die Anfang Juni stattfinden sollte, wurde abgesagt. Die Organisatoren wollen aber für eine mediale Präsenz der Veranstaltung sorgen.

Die Teilnehmer der Springprozession in Echternach springen zu Polkamelodien in Reihen durch die Straßen der Stadt.

Die berühmte Springprozession in Echternach fällt in diesem Jahr aus.

Belgien

In Belgien wird es bis zum 3. Mai keine öffentlichen Gottesdienste geben. Ausnahmen gibt es jedoch für Beerdigungen, an denen maximal 15 Personen teilnehmen können, sowie Hochzeiten, an denen nur das Brautpaar, die Trauzeugen und der Geistliche, der die Trauung vornimmt, teilnehmen dürfen. Hierbei müssen jedoch die hygienischen und sicherheitstechnischen Vorgaben beachtet werden. Wegen der Aussetzung der öffentlichen Gottesdienste wurde das Kirchenprogramm des deutschsprachigen Belgischen Rundfunks ausgeweitet. Statt wie bisher einmal pro Woche gibt es dort nun jeden Tag religiöse Inhalte.

Niederlande

Bis einschließlich Pfingsten gibt es in den Niederlanden keine öffentlichen Gottesdienste. Das hat die Niederländische Bischofskonferenz bereits im März beschlossen und sich dabei an einem allgemeinen Versammlungsverbot orientiert, das die Regierung bis zum 1. Juni verlängert hatte. Auch bei Liturgien, die im Internet gestreamt werden, sind nach Anordnung der Bischöfe keine Gläubigen zur Unterstützung der Kleriker zugelassen. Die Kirchengebäude sind jedoch für das persönliche Gebet geöffnet – wie in vielen anderen europäischen Ländern auch.

Dänemark

Auch in Dänemark sind die Kirchen für öffentliche Gottesdienste geschlossen. Die dänische Regierung soll Medienberichten zufolge ab dem 10. Mai Versammlungen mit bis zu 500 Personen wieder erlauben. Ob Gottesdienste auch darunterfallen, ist noch nicht bekannt. Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen dürfen schon jetzt begangen werden, jedoch mit einer begrenzten Teilnehmerzahl von zehn Personen. Die evangelische Staatskirche Dänemarks hat alle Konfirmationen auf die Zeit nach Pfingsten verschoben.

Von Roland Müller

22.4.2020, 11:15 Uhr: ergänzt um weitere Informationen zu den Regelungen in Tschechien. /rom