Nach Kritik an Instruktion: Ordensfrauen stärken deutsche Bischöfe
Oberhirten sollten weiterhin "für die Freiheit der Kinder Gottes" eintreten

Nach Kritik an Instruktion: Ordensfrauen stärken deutsche Bischöfe

Die Vatikan-Instruktion zu Pfarreien hat bei vielen deutschen Bischöfen Kritik ausgelöst. Nun erhalten sie Unterstützung: Die Gruppe "Ordensfrauen für Menschenwürde" springt den Oberhirten bei – und hat sich dafür eine Aktion ausgedacht.

München - 03.08.2020

Mit einer Briefaktion wollen die "Ordensfrauen für Menschenwürde" die deutschen Bischöfe unterstützen, die die Vatikan-Instruktion zu Pfarreien kritisiert haben. "Uns drängt sich der Eindruck auf, dass der Text zwar an die gesamte Weltkirche geht, er aber vor allem die deutsche Kirche zur Raison bringen und den Prozess des Synodalen Weges in eine bestimmte Richtung drängen will" heißt es in einer am Montag versendeten Stellungnahme, die katholisch.de vorliegt. Datiert ist das Schreiben der Gruppe auf den 31. Juli, den Festtag des Heiligen Ignatius von Loyola.

"Mit Bedauern stellen wir fest, dass nach den motivierenden Passagen im ersten Teil der Instruktion kirchenrechtliche Vorgaben wiederholt bzw. eingeschärft werden, die in keiner Weise auf die Nöte der Gläubigen und die konkrete Situation von Ortskirchen eingehen", heißt es weiter. Mit keinem Wort werde das Engagement der vielen Gläubigen gewürdigt, die sich "abmühen", ihren Glauben zu bezeugen und Menschen für das Evangelium zu gewinnen.

Die Instruktion zeichne ein überhöhtes und idealisiertes Priesterbild, das weder den Berufenen noch den Charismen in der Gemeinde gerecht werde. "Angesichts des Priestermangels und des Bewusstseins von der Würde des Einzelnen erscheinen manche Anweisungen vollkommen realitätsfern, bis hin zur Lächerlichkeit", so die Ordensfrauen.

Die Glaubwürdigkeit von Kirchenvertreterinnen und -vertretern sei durch die Erfahrungen von Missbrauch und Doppelmoral ohnehin auf einem Tiefpunkt angelangt. Bei engagierten Gläubigen, insbesondere bei Frauen, mache sich immer mehr Frustration und Resignation breit. Auch werde bei vielen die eigene Kirchenmitgliedschaft in Frage gestellt, "wenn Rom weiterhin die Augen vor der Realität verschließt und die Ortskirchen zu bloßen Befehlsempfängerinnen degradiert", schreibt die Gruppe.

"Wir bitten Sie daher, weiterhin mutig Stellung zu beziehen"

Mit der Briefaktion wollen die "Ordensfrauen für Menschenwürde" Gläubige dazu ermutigen, die Stellungnahme der Gruppe zu ergänzen und an die deutschen Bischöfe zu schicken, die sich öffentlich bereits kritisch zur Vatikan-Instruktion geäußert haben. "Wir bitten Sie daher, weiterhin mutig Stellung zu beziehen und für die Freiheit der Kinder Gottes einzutreten, damit die katholische Kirche in Deutschland auch in Zukunft ihre Sendung erfüllen und von den Menschen guten Willens ernst genommen werden kann", so die Ordensfrauen in Richtung der Bischöfe.

Im Herbst 2018 haben sich die "Ordensfrauen für Menschenwürde" in München gegründet. Das erste Anliegen der Gruppe war der Einsatz für Flüchtlinge. Mit der Zeit kamen auch das Engagement gegen Missbrauch, der Einsatz für Frauen und die Bewahrung der Schöpfung als Themen dazu. Die Mitglieder der Gruppe sind zehn Ordensfrauen verschiedener Gemeinschaften aus dem Großraum München.

Am 20. Juli hatte der Vatikan seine Instruktion "Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde im Dienst an der missionarischen Sendung der Kirche" veröffentlicht. Die große Mehrheit der deutschen Bischöfe hat mit Kritik auf das im Vatikan-Papier reagiert und die Instruktion unter anderem als realitätsfern und rückwärtsgewandt bezeichnet. Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode etwa sieht in dem Papier eine "Umkehr zur Klerikalisierung". Einige Oberhirten kündigten an, trotz der Instruktion an ihren Plänen zu Pfarreienreformen festzuhalten. Auch aus dem deutschsprachigen Ausland kam Kritik: Am Mittwoch kritisierte der Basler Bischof und Präsident der Schweizer Bischofskonferenz, Felix Gmür, die Instruktion und verteidigte das Schweizer Leitungsmodell. Es gab jedoch auch zustimmende Äußerungen. So verteidigten der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki und zuletzt der Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt das Schreiben. (cbr)