Überkommenes kirchliches System stoße längst an Grenzen

Generalvikar Pfeffer: Sexualmoral hat viel Unheil angerichtet

Aktualisiert am 21.01.2022  –  Lesedauer: 

Essen ‐ Für den Essener Generalvikar Klaus Pfeffer drängt sich der Reformbedarf der Kirche auf. Gerade die Sexualmoral habe "unzählige Menschen verletzt". Der Synodale Weg sei eine große Chance, jetzt über alle Fragen zu sprechen.

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Der Essener Generalvikar Klaus Pfeffer hat die Sexualmoral der katholischen Kirche kritisiert und Reformen angemahnt. "Gerade die rigide Sexual- und Beziehungsmoral hat unzählige Menschen verletzt und viel Unheil angerichtet", sagte Pfeffer der Internetseite "ichbetefuerdich.de" im Interview (Freitag). Der Synodale Weg sei die große Chance, über alle damit verbundenen Fragen offen zu sprechen – "und dann hoffentlich auch Reformen auf den Weg zu bringen", so Pfeffer.

Der Reformbedarf dränge sich allein deshalb auf, weil "das überkommene kirchliche 'System' längst an Grenzen stößt". "Die Gläubigen laufen uns in Scharen davon, die nachwachsenden Generationen finden kaum noch Anknüpfungspunkte für das kirchlich geprägte Christentum und immer weniger Menschen sind bereit, einen kirchlichen Beruf zu ergreifen", mahnte der Generalvikar. Die Priesterzahlen würden derart absinken, dass die sakramentale Struktur der Kirche kaum mehr aufrecht zu erhalten sein werde. "Ich halte den Reformweg für dringend geboten, weil wir sonst nicht mehr in der Lage sein werden, einer größeren Zahl von Menschen den Zugang zu der Faszination des christlichen Glaubens zu ermöglichen."

Soziale und caritative Einrichtungen hätten "Großartiges geleistet"

Die Kritik, die Kirche sei während der Pandemie zu wenig präsent gewesen, sei aus seiner Sicht "etwas einseitig". Die sozialen und caritativen Einrichtungen hätten "Großartiges geleistet – viele Mitarbeitende gehen dort seit zwei Jahren oft an die Grenze ihrer Belastbarkeit, weil sie sich unermüdlich einsetzen", so Pfeffer. Dennoch gäbe es konkrete Enttäuschungen vor Ort. Auch ihm seien Gläubige begegnet, die in der Pandemie festgestellt hätten, dass sie den Sonntagsgottesdienst nicht so sehr vermisst hätten. "Das ist bemerkenswert – aber auch eine große Chance, dass wir ehrlich und schonungslos über die Qualität und Strahlkraft unserer Gottesdienste reden." Er erlebe aber durchaus gut besuchte Gottesdienste dort, wo sie von vielen Menschen mitgetragen und mitgestaltet würden und sich die Verantwortlichen um eine zeitgemäße und menschenfreundliche Qualität bemühten.

Angesprochen auf die Rolle des Gebets in seinem Leben sagte Pfeffer, dass dies eine zentrale Rolle spiele. "Gebet ist für mich – in Gott geborgen zu sein und aus einem tiefen inneren Vertrauen heraus zu leben", so der Generalvikar. Jährliche Exerzitien und regelmäßige Tage der Stille in einem Kloster gäben ihm den Halt, "damit ich in meinem oft sehr gefüllten beruflichen Alltag den Kontakt zu Gott nicht verliere". (cbr)