Kirche und Benedikt XVI. bei Missbrauch nur "Sündenbock"

Voderholzer: Gutachten "Akt der Instrumentalisierung des Missbrauchs"?

Aktualisiert am 24.01.2022  –  Lesedauer: 

Regensburg ‐ Bischof Rudolf Voderholzer sieht in der Empörung über Missbrauch "das Feuer, auf dem die Suppe des Synodalen Weges gekocht wird". Dabei gehe unter, dass die Kirche viel weiter bei Aufarbeitung und Prävention sei als andere Teile der Gesellschaft.

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Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer sieht die Kirche und insbesondere den früheren Papst Benedikt XVI. als "Sündenbock für ein gesamtgesellschaftliches Problem", auf das alles abgeladen werde, damit man sich sonst nicht damit befassen müsse. In seiner Predigt in der Vesper anlässlich seines Weihejubiläums am Sonntag sagte Voderholzer mit Blick auf das Münchner Missbrauchsgutachten, es falle ihm schwer, "hinter dem Zeitpunkt der Veröffentlichung, der medialen Vorbereitung und der inhaltlichen Ausrichtung nicht einen weiteren Akt der Instrumentalisierung des Missbrauchs zu sehen". Die Empörung über den Missbrauch sei "das Feuer, auf dem die Suppe des Synodalen Weges gekocht wird".

Der Bischof rief angesichts der Kriminalitätsstatistik dazu auf, Missbrauch als gesamtgesellschaftliches Problem zu erkennen. Diese Zahlen würden die Kirche zwar nicht freisprechen, machten aber deutlich, dass sich der Aufschrei nicht nur an "Bischöfen, Kardinälen und Päpsten" entzünden dürfe. Er habe auch nichts gegen eine Aufarbeitung durch den Staat: "Nur wenn es dazu kommt, wird deutlich werden, dass dort die Hausaufgaben noch lange nicht gemacht sind. Wo sind denn die Maßnahmen zur Aufarbeitung dieses Problems etwa im schulischen Bereich oder beim Sport?", so Voderholzer weiter. Sowohl bei der Höhe der Entschädigungszahlungen wie bei Prävention, Aufklärung und Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs habe es die "von alten zölibatären Männern geleitete Kirche" von allen Institutionen am weitesten gebracht, das werde aber "übersehen oder bewusst verschwiegen". Immer noch fehle es an einem Institutionenvergleich, "der die von den Protagonisten des Synodalen Weges in Deutschland vertretenen Problemanalysen und Lösungsvorschläge im Blick auf die katholische Kirche wirklich stichhaltig begründen würde".

Voderholzer verwies auf eine Umfrage des Instituts Allensbach, derzufolge der Mitgliederschwund der Kirche nicht in Skandalen, sondern in einer Erosion des Glaubens begründet liege. "Nicht die vermeintlichen Skandale oder die Unzulänglichkeit des Bodenpersonals sind die Gründe für die Abkehr von der Kirche, sondern das Nicht-mehr-Glauben-Können oder Nicht-mehr-Glauben-Wollen", betonte der Bischof. Daher könne er auch nicht sehen, dass eine Änderung der Haltung der Kirche in strittigen Fragen eine Trendumkehr mit sich bringen würde: "Die Situation der protestantischen Kirchen zeigt uns, dass es nicht zu einer tieferen Glaubensbindung oder gar zur Erneuerung der Kirche führt, wenn den Forderungen des Zeitgeistes Folge geleistet wird." Vielmehr werde das Profil immer weiter abgeschliffen, so dass sich die Grundlage für gesellschaftliche Relevanz verflüchtige. (fxn)