Erinnerung an Verdienste des früheren Papstes bei Umgang mit Missbrauch

Vatikan äußert sich zu Münchner Gutachten – und lobt Benedikt XVI.

Aktualisiert am 26.01.2022  –  Lesedauer: 

Vatikanstadt ‐ Erstmals hat nun der Vatikan ausführlicher Stellung zum Münchner Gutachten und den Vorwürfen gegen Benedikt XVI. genommen. Tenor: Der frühere Papst habe vorbildlich Maßnahmen im Umgang mit Missbrauch umgesetzt.

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In einem ausführlichen Kommentar hat "Vatican News" zum Münchner Missbrauchsgutachten und der Kritik am früheren Papst Benedikt XVI. Stellung genommen. Chefredakteur Andrea Tornielli erinnerte in einem am Mittwoch veröffentlichten Beitrag an Maßnahmen gegen den Missbrauch, die Joseph Ratzinger sowohl als Präfekt der Glaubenskongregation wie danach als Papst ergriffen hatte. Die Stellungnahme Torniellis kann als eine offizielle Reaktion des Vatikan gelten.

Ratzinger sei der erste Papst gewesen, der auf seinen Apostolischen Reisen mehrmals mit Missbrauchsopfern zusammentraf. "Es war Benedikt XVI., der inmitten des Sturms der Skandale in Irland und Deutschland, auch gegen die Meinung vieler selbst ernannter 'Ratzingerianer', das Gesicht einer bußfertigen Kirche zeigte, die demütig um Vergebung bittet, die Bestürzung, Reue, Schmerz, Mitgefühl und Nähe empfindet", so Tornielli. Genau dieses Bild der Buße sei "der Kern der Botschaft Benedikts". Der frühere Papst sei den Fragen des Münchner Gutachtens nicht ausgewichen. Zugleich verwies Tornielli auf das weltweite Medienecho und "einige sehr scharfe Kommentare".

Der Missbrauch von Minderjährigen durch Kleriker sei ein oft "noch abscheulicheres Verbrechen", das unbedingt bekämpft gehöre. "Viel zu lange wurden missbrauchte Kinder und ihre Angehörigen auf Distanz gehalten, anstatt sie als verletzte Personen zu betrachten, die angenommen und auf dem Weg der Heilung begleitet werden müssen", heißt es in der Stellungnahme weiter. Leider seien sie oft "weggeschickt und sogar als 'Feinde' der Kirche und ihres guten Namens bezeichnet" worden.

Ausführlichere Stellungnahme Benedikts kommt

Tornielli bestätigte, dass der frühere Papst sich noch einmal ausführlicher zum Gutachten und den gegen ihn erhobenen Vorwürfen äußern wolle. Insgesamt dürfe man nicht vergessen, dass Benedikt XVI. "mit seinem konkreten Beispiel die Dringlichkeit des Mentalitätswandels" bezeugt habe, "der so wichtig ist, um das Phänomen des Missbrauchs zu bekämpfen: den Opfern zuzuhören, ihnen nahe zu sein und sie um Vergebung zu bitten."

In dem vergangene Woche veröffentlichten Gutachten der Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW) zu sexuellem Missbrauch im Erzbistum München und Freising werden auf 1.900 Seiten die Verfehlungen verschiedenster Würdenträger beleuchtet. Darunter sind auch der amtierende Erzbischof, Kardinal Reinhard Marx, und der ehemalige Erzbischof und emeritierte Papst. Letzterer hat sich aus Sicht der Gutachter als Münchner Erzbischof (1977-1982) in vier Fällen fehlerhaft verhalten. Zudem bekundeten die Gutachter erhebliche Zweifel an Aussagen von Benedikt XVI. zu einem besonders brisanten Fall eines Wiederholungstäters. Bei einer Ordinariatskonferenz im Januar 1980 ging es darum, diesen Priester aus der Diözese Essen in München aufzunehmen.

In seiner ersten Stellungnahme im Rahmen der Anhörung, die im WSW-Gutachten aufgenommen wurde, hatte Benedikt XVI. bestritten, an der Sitzung teilgenommen zu haben. Wenige Tage später korrigierte er diese Aussage. Der Fehler sei aber "nicht aus böser Absicht heraus geschehen", sondern "Folge eines Versehens bei der redaktionellen Bearbeitung seiner Stellungnahme". Dies tue ihm "sehr leid", und er bitte, dies zu entschuldigen. Zugleich betonte er, in der Sitzung sei nicht über einen seelsorgerlichen Einsatz des Priesters entschieden worden. (tmg/KNA)