Verfehlungen im Münchner Gutachten hätten "entsetzt, erschreckt und empört"

Ordensfrauen: Zweifeln an Reformbereitschaft der Bischöfe

Aktualisiert am 03.02.2022  –  Lesedauer: 

München ‐ Zum Start der dritten Synodalversammlung bitten die "Ordensfrauen für Menschenwürde" die deutschen Bischöfe eindringlich um deren Unterstützung für Reformanliegen. Mit Blick auf die Weltsynode sind sie pessimistischer.

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Die "Ordensfrauen für Menschenwürde" haben die deutschen Bischöfe "eindringlichst" um die Unterstützung der Reformanliegen des Synodalen Wegs gebeten. "Solange es kirchenrechtlich keine Gewaltenteilung und keine wirksame Kontrolle von Macht gibt, ist eine Selbstbindung der Bischöfe unabdingbar", schreiben die Ordensfrauen in einem am Mittwoch veröffentlichten Offenen Brief. Gerade durch die Veröffentlichung des Münchner Missbrauchsgutachtens habe ihr Appell eine "noch höhere Dringlichkeit" erhalten. "Wir OrdensFrauen für MenschenWürde sind durch die zutage getretenen Verfehlungen von Amtsträgern entsetzt, erschreckt und empört", heißt es in dem Schreiben. "Die Gründe dafür sind seit langem bekannt und keineswegs nur ein deutsches, auch kein europäisches, sondern ein weltweites Problem."

Der drängende strukturelle Reformbedarf der Kirche werde in dem von Papst Franziskus angestoßenen weltweiten synodalen Prozess in noch größerer Weise offenbar. Auch bei der Weltsynode würden letztlich erneut die Bischöfe allein entscheiden. "Wir zweifeln an deren Bereitschaft, die berechtigten Anliegen und Vorstellungen des Volkes Gottes und besonders der Frauen in entsprechender Weise wertzuschätzen und für Reformprozesse fruchtbar zu machen." Das Volk Gottes werde einerseits zwar eine Schlüsselrolle für das Wirken des Heiligen Geistes zugesprochen, "doch andererseits werden dem Volk der Gläubigen kaum Möglichkeiten eingeräumt, an dem Reformprozess auch bis zuletzt erkennbar mitzuwirken."

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Die Strukturen der Weltsynode würden ein Mitdenken und eine Mitarbeit aller ausschließen. " Wo bleiben die vielen Frauen, die als getaufte mit der Würde der Gottesfreundschaft ausgestattet sind; wo bleiben Alleinerziehende, Singles, Mütter, Berufstätige, Hausfrauen, Vorbeterinnen, Geldsammlerinnen, Sekretärinnen, Großmütter, Ordensfrauen, Missionarinnen, Theologinnen, Seelsorgerinnen – nicht als Bittstellerinnen, sondern als Christusträgerinnen, denen Gleichberechtigung gebührt?", fragen die Ordensfrauen in ihrem Schreiben.

Der Offene Brief ist von 16 Ordensfrauen unterschrieben. Die "Ordensfrauen für Menschenwürde" haben sich im Herbst 2018 in München gegründet. Das erste Anliegen der Gruppe war der Einsatz für Flüchtlinge. Mit der Zeit kamen auch das Engagement gegen Missbrauch, der Einsatz für Frauen und die Bewahrung der Schöpfung als Themen dazu. (cbr)