Die dritte Synodalversammlung bei katholisch.de

Synodaler Weg will Änderungen bei katholischer Sexualmoral

Aktualisiert am 05.02.2022  –  Lesedauer: 
+++Newsticker Tag 3+++

Frankfurt am Main ‐ Am Samstag endet die dritte Synodalversammlung des Synodalen Wegs mit weiteren Reformvorschlägen zur Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland. Katholisch.de informiert in einem Newsticker über Aktuelles zur dritten Synodalversammlung in Frankfurt.

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17.13 Uhr: "Großer Erfolg": Synodalpräsidium zieht positive Bilanz

Das Präsidium des Synodalen Wegs hat sich zufrieden mit den Ergebnissen der dritten Synodalversammlung gezeigt. "Die dritte Synodalversammlung ist ein großer Erfolg", betonte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Georg Bätzing, am Samstag bei der Abschluss-Pressekonferenz des Synodalen Wegs in Frankfurt. Gleichzeitig betonte Bätzing, dass die jetzigen Beschlüsse nur Zwischenschritte seien. "Wir machen nicht in erster Linie Texte, sondern wir verändern das konkrete Handeln der Kirche", so Bätzing, der auch Präsident des Synodalen Wegs ist.

Auch die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) und des Synodalen Wegs, Irme Stetter-Karp, sprach von einer erfolgreichen Synodalversammlung. "Die Versammlung hat geliefert." Dass bei den ersten drei Texten, die in zweiter Lesung diskutiert wurden, drei Beschlüsse gefasst werden konnten, mache sie zufrieden. Das sei aber kein Anlass, sich "zurückzulehnen", da bei der kommenden Synodalversammlung wichtige Texte zur Diskussion stünden: "Wir geben uns nicht mit Häppchen zufrieden." (cbr)

15.15 Uhr: Synodaler Weg für Lockerungen bei kirchlichem Dienstrecht

Der Synodale Weg zur Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland hat für weitreichende Änderungen der sogenannten Grundordnung für kirchliche Arbeitsverhältnisse plädiert. Die rund 215 Teilnehmer der Vollversammlung des Reformprojekts zur Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland verständigten sich am Samstag in Frankfurt in Erster Lesung mehrheitlich auf einen entsprechenden Antrag. 93 Prozent der Synodalen votierten dafür.

Der Handlungstext zur Grundordnung im kirchlichen Dienst plädiert unter anderem dafür, dass künftig zivile Eheschließungen von gleichgeschlechtlichen Paaren oder von Geschiedenen kein Kündigungsgrund mehr für kirchlich Angestellte sein sollen. Der persönliche Familienstand soll ohne Relevanz für eine Anstellung im kirchlichen Dienst sein. "Schwerwiegende persönliche sittliche Verfehlungen" im Blick auf Machtmissbrauch sollen als neuer Kündigungsgrund hinzukommen. Die Bischofskonferenz ist aufgefordert entsprechende Änderungen der Grundordnung vorzunehmen.

In der Debatte führten mehrere Teilnehmer aus, welche Beschränkungen und Diskriminierungen die gegenwärtige Grundordnung mit sich bringe. Kardinal Reinhard Marx sagte: "Wir müssen da ran! Es ist sehr schmerzlich, wenn man da manchmal wirklich gute Leute entlassen muss." Das Papier wurde als Arbeitsgrundlage zur weiteren Bearbeitung in das zuständige Forum des Synodalen Wegs überwiesen. (KNA)

14.15 Uhr: Synodaler Weg will Segensfeiern für Paare, die sich lieben

Der Synodale Weg fordert, Segensfeiern für alle Liebespaare zu ermöglichen. Auch Homosexuelle und zivil wiederverheiratete Geschiedene sollen ihre Beziehung von der katholischen Kirche segnen lassen können. Die rund 215 Teilnehmer an der Vollversammlung des Reformprojekts zur Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland verständigten sich am Samstag in Frankfurt in Erster Lesung mehrheitlich auf einen entsprechenden Antrag.

Die Synodalversammlung ruft darin die Bischöfe auf, in ihren Bistümern Segensfeiern offiziell zu ermöglichen für Paare, "die sich lieben und binden wollen, denen aber die sakramentale Ehe nicht zugänglich ist oder die sie nicht eingehen wollen". Seelsorgern, die eine solche Segensfeier durchführen, dürften keine disziplinarischen Konsequenzen mehr drohen. Das Papier betont, eine Weigerung, "zwei Menschen zu segnen, die ihre Partnerschaft in Liebe, Verbindlichkeit und Verantwortung zueinander und zu Gott leben wollen", lasse sich "gnadentheologisch nicht überzeugend begründen".

Diskussion um Voraussetzungen für Paare vor Segensfeier

In der Debatte betonten viele Synodale, dass es eine große Zahl von Menschen gebe, die darunter litten, dass die Kirche ihrer Liebesbeziehung einen Segen verweigere. Einige verwiesen auf die Problematik, wenn Seelsorger ihrem Gewissen folgend solche Paare segneten, aber dadurch im Widerspruch zu den lehramtlichen Vorgaben stehen. Von konservativer Seite wurde eingewandt, dass es keine wirklich offene Atmosphäre gebe, um das Thema kontrovers zu diskutieren. Weiteren Diskussionsbedarf gibt es in der Frage, ob es Voraussetzungen für die Paare vor der Segensfeier geben sollte, etwa Gespräche mit Seelsorgern oder Seminare.

Zuvor hatte die Vollversammlung bereits einen Antrag beschlossen, der dem Papst empfiehlt, eine "lehramtliche Präzisierung und Neubewertung der Homosexualität" vorzunehmen. Ausgelebte gleichgeschlechtliche Sexualität sei keine Sünde und "ist nicht als in sich schlecht zu beurteilen", so das Papier. "Da die homosexuelle Orientierung zur Identität des Menschen gehört, wie er von Gott geschaffen wurde, ist sie ethisch grundsätzlich nicht anders zu beurteilen als jede andere sexuelle Orientierung." In der vorangegangenen Debatte herrschte Einigkeit, dass es keine Diskriminierung von Homosexuellen in der Kirche geben dürfe. (KNA)

12.15 Uhr: Synodaler Weg will Änderungen in katholischer Sexualmoral

Mit großer Mehrheit hat sich der Synodale Weg der Katholiken in Deutschland für eine Modernisierung der kirchlichen Sexualmoral ausgesprochen. Konkret geht es um Änderungen der Aussagen zur Empfängnisverhütung sowie zur Homosexualität im Katechismus, also der verbindlichen Text-Sammlung der katholischen Lehre. Die Vollversammlung in Frankfurt stimmte am Samstag in Erster Lesung mehrheitlich für zwei entsprechende Papiere, die zur weiteren Bearbeitung in das zuständige "Forum" des Synodalen Wegs überwiesen wurden.

Einer der beiden sogenannten Handlungstexte empfiehlt dem Papst, eine "lehramtliche Präzisierung und Neubewertung der Homosexualität" vorzunehmen. Ausgelebte gleichgeschlechtliche Sexualität sei keine Sünde und "ist nicht als in sich schlecht zu beurteilen", so das Papier. "Da die homosexuelle Orientierung zur Identität des Menschen gehört, wie er von Gott geschaffen wurde, ist sie ethisch grundsätzlich nicht anders zu beurteilen als jede andere sexuelle Orientierung." In der vorangegangenen Debatte herrschte Einigkeit, dass es keine Diskriminierung von Homosexuellen in der Kirche geben dürfe.

Warnung vor Bruch mit kirchlicher Lehre

Der zweite Handlungstext empfiehlt dem Papst eine Weiterentwicklung des Verständnisses von "ehelicher Liebe" im Katechismus, unter anderem mit Blick auf Empfängnisverhütung, die nach offizieller katholischer Lehre nur sehr eingeschränkt erlaubt ist. "Dass die Zeugung eines Kindes niemals als Unglück bewertet werden muss und darf, bleibt der hohe Wert, den die Kirche aus ihrem Menschenbild heraus vertritt, auch wenn sie keine Festlegung auf bestimmte Methoden der Empfängnisverhütung verlangt", heißt es in dem Reformtext.

In einer lebhaften, aber sachlichen Debatte wurde mehrfach die Meinung geäußert, dass die geltende katholische Sexualmoral kaum mehr etwas mit der Lebensrealität vieler Katholiken zu tun habe. Kritisiert wurde, dass sie zu sehr eingreife in das Zusammenleben von Paaren und zu stark auf Sex fixiert sei. Konservativere Kritiker warnten davor, die bestehende Lehre völlig zu entwerten. Mehrere Bischöfe warnten vor einem Bruch mit der kirchlichen Lehre. (KNA)

11.15 Uhr: Nuntius ruft deutsche Katholiken zur Einheit mit Kirche auf

Papst-Botschafter Nicola Eterovic hat an die deutschen Katholiken appelliert, die Einheit mit der gesamten Kirche zu wahren. Als Beobachter sagte Eterovic am Samstag in Frankfurt, die für 2023 angekündigte Weltbischofssynode müsse auch den Ortskirchen als Maßstab dienen, die sich schon jetzt in ähnlichen Prozessen auf nationaler Ebene befänden. Papst Franziskus spreche zwar oft von Synodalität, warne aber vor "Parlamentarismus, Formalismus, Intellektualismus und Klerikalismus", so der Apostolische Nuntius. Beim Synodalen Weg sei deshalb "Unterscheidungsvermögen" notwendig, es gehe nicht darum "Meinungsforschung zu betreiben", zentral sei das Wort Gottes als "Leuchtfeuer". (KNA)