Rom und Weltkirche sollen für Impuls aus Deutschland offen sein

Schavan: Synodaler Weg als "konstruktive Provokation"

Aktualisiert am 13.02.2022  –  Lesedauer: 
Schavan: Synodaler Weg als "konstruktive Provokation"
Bild: © KNA

Berlin ‐ "Von Frankfurt führen viele Wege nach Rom", so Annette Schavan mit Blick auf die jüngste Synodalversammlung. Die frühere deutsche Botschafterin beim Heiligen Stuhl sieht in dem Reformprozess eine "konstruktive Provokation" für Vatikan und Weltkirche.

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Die frühere deutsche Botschafterin beim Heiligen Stuhl Annette Schavan sieht im Synodalen Weg der katholischen Kirche in Deutschland eine womöglich "konstruktive Provokation" für den Vatikan und für die Weltkirche. "Von Frankfurt führen viele Wege nach Rom", schreibt Schavan in einem Gastbeitrag für das Magazin "Cicero" (Sonntag) mit Blick auf die jüngste Versammlung in Frankfurt und deren Erklärung gegen Machtmissbrauch und Diskriminierung. Rom und die Weltkirche sollten für diesen Impuls aus Deutschland offen sein.

Dazu sei es allerdings "wichtig, dass mehr Deutsch in Rom und mehr Italienisch in Deutschland gesprochen wird", so Schavan. Die CDU-Politikerin betont: "Wechselseitige Skepsis muss nicht hinderlich sein." Im besten Fall werde Skepsis ergänzt "durch die Überzeugung in Rom, dass Deutschland und Europa für die Weltkirche durchaus inspirierende und eben auch provozierende Regionen sind"; und zugleich die Überzeugung in Deutschland, "dass die Weltkirche interessante Anregungen für die Entwicklung der katholischen Kirche in Deutschland geben kann".

Lage der Kirche zugespitzt "wie kaum je zuvor"

Auf dem Synodalen Weg sei in den vergangenen Monaten "eine Bewegung entstanden, die bislang schwer vorstellbar war", beobachtet die 66-Jährige. Das habe sicher auch damit zu tun, dass sich die Lage der Kirche in Deutschland so zugespitzt habe "wie kaum je zuvor". Ihr Autoritätsverlust sei groß.

Schattenhafte Umrisse vor dem Logo des Synodalen Wegs
Bild: ©Synodaler Weg/Maximilian von Lachner (Symbolbild)

Auf dem Synodalen Weg sei in den vergangenen Monaten "eine Bewegung entstanden, die bislang schwer vorstellbar war", so Annette Schavan.

Schavan warnt vor einer wachsenden Gefahr, dass eine breite Öffentlichkeit nicht mehr wahrnehme, wozu Christen und die Kirchen "in einer Gesellschaft wichtig sind, die mitten in Prozessen einer umfassenden Transformation steckt". Eine neuerliche Welle der Säkularisation wäre "eine große Aufgabe für die Weltkirche, zumal sie ja auch viel religiöse Heimatlosigkeit produziert", konstatiert die Politikerin.

Dem oft geäußerten Einwand, Papst Franziskus denke an eine andere Erneuerung als die Katholiken in Deutschland, tritt Schavan entgegen. Es sei "noch nicht entschieden, was die grundlegenden Veränderungen der Weltkirche in diesem Pontifikat sein werden". Vermeintlich abschließende Einschätzungen anderer hätten "mehr mit eigenen Interessen als mit dem Papst zu tun", so die CDU-Politikerin; und weiter: "Die einen wollen viel, die anderen wollen gar keine Veränderung." Der Ton zwischen ihnen werde schärfer.

Übersetzung der Dokumente "gutes Zeichen"

Dass andere Länder schon jetzt die Übersetzung der Dokumente des deutschen Synodalen Weges in andere Sprachen erbäten, wertet sie als "ein gutes Zeichen". So münde die Initiative in den weltweiten synodalen Prozess; "eine große Chance, in der Weltkirche mehr voneinander zu erfahren und auch zu lernen", findet Schavan.

Sie beklagt einen Klerikalismus, der "tief und fest verankert" sei und "auch viele Priester und Ordensleute in ihrem Wirken behindert, die ihrer Kirche schon weit voraus" seien. Dieser Klerikalismus verstoße manchmal auch gegen eigene Lehren, so die frühere Ministerin; "wenn etwa - entgegen der katholischen Soziallehre - der Vorrang der großen Einheit vor der kleinen Einheit Platz greift". Das Gegenteil habe die Kirche der Politik immer geraten.

Abschließend zitiert Schavan Papst Franziskus, der empfehle, "sich vom Gesicht und von der Geschichte des anderen herausfordern zu lassen". So täten sich "neue Wege auf, die wir nicht für möglich gehalten hätten". Ihr Fazit: "Weder die, die Reformen wünschen, noch jene, die sie verhindern wollen, sollten schon jetzt glauben zu wissen, wo die Weltkirche am Ende des Jahres 2023 stehen wird." (KNA)