Essener Generalvikar kritisiert Schreiben zum Synodalen Weg scharf

Pfeffer über Brief polnischer Bischöfe: Hochklerikaler Antimodernismus

Aktualisiert am 23.02.2022  –  Lesedauer: 

Essen ‐ Mit ihrem Brief hätten die polnischen Bischöfe die katholische Kirche in Deutschland massiv angegriffen, kritisiert der Essener Generalvikar Klaus Pfeffer. "Der Brief klingt so, als stamme er aus einer fernen katholischen Vergangenheit."

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Der Essener Generalvikar Klaus Pfeffer hat den Brief der polnischen Bischöfe an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Bischof Georg Bätzing, zum Synodalen Weg scharf kritisiert. "Der Duktus des Briefes ist von einem platten und hochklerikalen Antimodernismus geprägt, der den Katholiken hierzulande einen 'Minderwertigkeitskomplex' andichtet und ihnen unterstellt, sich von der Grundlage des Evangeliums zu entfernen", schreibt Pfeffer in einem Facebook-Posting am Mittwoch. Wissenschaftliche Erkenntnisse würden in dem Brief des Vorsitzenden der polnischen Bischofskonferenz, Erzbischof Stanislaw Gadecki, diskreditiert, "während die eigene lehramtliche Position nach wie vor als unabänderliche 'Wahrheit' dargestellt wird", so der Generalvikar.

Der Skandal des sexuellen Missbrauchs, der die Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche weltweit infrage gestellt habe, werde dagegen nicht erwähnt. "Der Brief klingt so, als stamme er aus einer fernen katholischen Vergangenheit – und gerade das lässt erschrecken und zeigt, wie sehr in manchen Teilen der Weltkirche das Erbe von Johannes Paul II. immer noch das Klima des Denkens und Handelns bestimmt – und sich einer ehrlichen Wahrnehmung der Wirklichkeit verweigert", resümiert Pfeffer.

Beinert zeige auf, was in der Kirche noch überwunden werden müsse

Der Generalvikar verweist dabei auf eine katholisch.de-Meldung zum emeritierten Regensburger Dogmatiker Wolfgang Beinert, der aufzeige, "was es innerhalb der katholischen Kirche noch dringend aufzuarbeiten und zu überwinden gilt". Beinert sieht in der nachkonziliaren Berufungspraxis von Bischöfen durch die Päpste Paul VI., Johannes Paul II. und Benedikt XVI. eine systemische Ursache für Missbrauch in der Kirche. Mit der Verpflichtung zum unbedingten Papstgehorsam habe die Kirche sich jenem rückschrittlichen Antimodernismus zugewandt, der sie seit der Mitte des 19. Jahrhundert geprägt habe, so Beinert.

In dem am Dienstag veröffentlichten Brief von Erzbischof Gadecki an den DBK-Vorsitzenden Bätzing drückte der polnische Oberhirte seine "tiefe Besorgnis" über die Ergebnisse und Beratungen beim Synodalen Weg aus und widersprach zentralen Argumentationen und Beschlüssen des Reformprozesses. "Getreu der Lehre der Kirche" dürfe man nicht dem "Druck der Welt oder den Modellen der vorherrschenden Kultur" nachgeben: "Vermeiden wir die Wiederholung abgedroschener Slogans und Standardforderungen wie die Abschaffung des Zölibats, das Priestertum der Frauen, die Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene oder die Segnung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften", so der Erzbischof. Dabei betonte er unter anderem die Aussagen des Katechismus zu Homosexualität und führt die Lehre von Papst Johannes Paul II. und aktuelle Aussagen von Papst Franziskus an. (cbr)