Standpunkt

Die offene Kritik der Nord-Bischöfe am Synodalen Weg ist ein Affront

Aktualisiert am 11.03.2022  –  Lesedauer: 
Schachfigur
Bild: © Fotolia.com/Roma

Bonn ‐ Erst die Oberhirten aus Polen, nun die Bischöfe Skandinaviens: Die offene Kritik am Synodalen Weg in Deutschland erweckt den Eindruck, kirchenpolitisch motiviert zu sein, kommentiert Ulrich Waschki. Das sei ein Affront.

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Nun auch noch die nordischen Bischöfe. Nach der Polnischen Bischofskonferenz haben die katholischen Bischöfe Dänemarks, Finnlands, Islands, Norwegens und Schwedens ihren deutschen Mitbrüdern einen offenen Brief geschrieben, in dem sie ihre Sorge um den Weg der Kirche in Deutschland zum Ausdruck bringen. Wie der polnische Episkopat fürchten die Oberhirten aus der nordischen Diaspora, dass in Deutschland mit dem Synodalen Weg Glaubenswahrheiten aufgegeben werden.

Dass sie das nicht in einem vertraulichen, sondern in einem offenen Brief tun, ist ein Affront. Gut möglich, dass sich hier Kritiker der deutschen Entwicklungen abgesprochen haben und sehr weltlich Politik machen. Ein Vorwurf, der ja gerne den Akteuren des Synodalen Wegs gemacht wird. Die Briefe zeigen aber vor allem, wie groß die Angst in anderen Teilen der Weltkirche vor dem deutschen Weg ist.

Die deutschen Bischöfe müssen sich international besser vernetzen und ihren Weg erklären. Sie tun das schon, aber offenbar noch nicht erfolgreich genug. Sie brauchen dringend Mitstreiter in anderen Ländern, um den Skeptikern zu zeigen, dass es nicht um einen deutschen Sonderweg geht. Die Besuche reformorientierter Bischöfe in Rom und die geplanten Gespräche mit dem vatikanischen Synodensekretariat sind dabei gute und wichtige Schritte. Aber sie reichen wohl nicht aus.

Gleichzeitig weisen die ungewöhnlichen Schreiben überdeutlich auf eine unbeantwortete Frage: Wie viel Pluralität verträgt die Weltkirche unserer Zeit? Für eine Antwort ist vor allem der Papst gefragt. Natürlich könnte er die Reformdiskussionen in Deutschland formal beenden oder ins Leere laufen lassen. Der Preis aber wäre eine implodierende Kirche, die in der Bedeutungslosigkeit verschwindet und ihrem Missions- und Weltgestaltungsauftrag nicht mehr nachkommen kann. Niemand kann einzelne Nationalkirchen wollen. Aber mehr Rücksicht auf kulturelle und regionale Eigenarten ist dringend nötig. Offenbar selbst innerhalb Europas.

Von Ulrich Waschki

Der Autor

Ulrich Waschki ist Geschäftsführer und Chefredakteur der Verlagsgruppe Bistumspresse.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.