Akten seien bereits unter Vorgänger Meisner geschlossen worden

Erzbistum Köln weist Vorwürfe gegen Woelki im Fall Pilz zurück

Aktualisiert am 05.07.2022  –  Lesedauer: 

Köln ‐ Der frühere "Sternsinger"-Chef und Kölner Priester Winfried Pilz verbrachte seinen Ruhestand im Bistum Dresden-Meißen. Hätte Kardinal Woelki die Diözese über Missbrauchsvorwürfe gegen Pilz informieren müssen? Das Erzbistum weist den Vorwurf zurück.

  • Teilen:

Das Erzbistum Köln weist Vorwürfe gegen Kardinal Rainer Maria Woelki zurück, er habe das Bistum Dresden-Meißen über den Missbrauchsverdacht gegen einen früher dort tätigen Kölner Priester nicht informiert. Mit dem Fall des ehemaligen und inzwischen verstorbenen "Sternsinger"-Chefs Winfried Pilz sei der Erzbischof zu keinem Zeitpunkt befasst gewesen, weil die Akten unter seinem Vorgänger Kardinal Joachim Meisner bereits geschlossen worden seien, sagte Erzbistum-Sprecher Jürgen Kleikamp am Dienstag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Allerdings wäre 2018 nach einer Neusichtung der Akten "eine entsprechende schriftliche Information angezeigt gewesen".

Das Erzbistum Köln machte vergangene Woche den Fall Pilz öffentlich, um mögliche weitere Missbrauchsbetroffene zu finden. Danach wurde der Geistliche bereits 2012 beschuldigt, einen "schutzbedürftigen Erwachsenen" in den 1970er Jahren missbraucht zu haben. Meisner legte Pilz 2014 eine Geldstrafe auf und verbot ihm den Kontakt zu Minderjährigen ohne Anwesenheit weiterer Erwachsener. Damals verbrachte der 2019 verstorbene Priester seinen Ruhestand im Bistum Dresden-Meißen. Ob dieses zu diesem Zeitpunkt über die Sanktionierung Meisners informiert wurde, ist laut Kleikamp offen. In den Akten fänden sich keine Hinweise dazu. Das Bistum Dresden-Meißen erfuhr nach eigenen Angaben erst im vorigen Monat von dem Fall Pilz und dem Umgangsverbot.

Timmerevers: Fall zeigt Verbesserungsbedarf bei Transparenz und Kommunikation

Im Zuge ihrer Missbrauchsaufarbeitung rollte das Erzbistum 2018 den Fall neu auf und meldete ihn der Staatsanwaltschaft, die aber wegen Verjährung nicht ermittelte. Kleikamp räumte ein, dass "bedauerlicherweise" zu diesem Zeitpunkt eine schriftliche Information an das Bistum Dresden-Meißen ausgeblieben sei. "Ob es mündliche Hinweise gegeben hat, ist uns nicht bekannt." Das Erzbistum Köln stehe in dieser Angelegenheit aktuell mit dem Bistum Dresden-Meißen in Verbindung. Der dortige Bischof Heinrich Timmerevers, sagte der "Bild"-Zeitung (Dienstag online): "Der Fall zeigt leider erneut, dass beim Thema Transparenz und Kommunikation insbesondere bei Fällen sexuellen Missbrauchs weiterhin dringender Verbesserungsbedarf besteht."

Der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller warf in der "Bild" Meisner und Woelki eine "Dienstpflichtverletzung" vor. Sie hätten über den Missbrauch von Pilz und das ihm auferlegte Umgangsverbot mit Kindern das Bistum Dresden-Meißen unterrichten müssen, damit dieses für die Einhaltung der Auflage sorge. "Doch das wurde unter Kardinal Meisner unterlassen und unter Kardinal Woelki nicht nachgeholt."

Nachdem sich im vergangen Jahr Hinweise auf mögliche weitere Betroffene ergaben und folgende Recherchen nicht die erwünschten Kenntnisse erbrachten, veröffentlichte die Erzdiözese vorige Woche einen Aufruf an mögliche Betroffene, sich zu melden. Sie sehe sich gegenüber den Betroffenen in der Pflicht, den Sachverhalt möglichst umfänglich zu klären. (KNA)

05.07., 18.45 Uhr: Aktualisiert und ergänzt um Zitat des Dresdner Bischofs.