Mangel an Gewaltenteilung und wenig Einflussmöglichkeiten für Basis

ZdK-Präsidentin Stetter-Karp: Vatikan muss im Fall Woelki handeln

Aktualisiert am 16.08.2022  –  Lesedauer: 

Düsseldorf ‐ Das Erzbistum Köln befindet sich in einer tiefgreifenden und lange andauernden Vertrauenskrise. Die ZdK-Vorsitzende Irme Stetter-Karp ist deshalb besorgt, dass die Erzdiözese "vor die Wand fährt" – und ruft den Vatikan zum Handeln auf.

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Nach den jüngsten Enthüllungen zur PR-Strategie von Kardinal Rainer Maria Woelki im Missbrauchsskandal hat die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, den Vatikan zum Handeln aufgefordert. "Ich finde es bedenklich, dass Rom auf die Lage in Köln noch immer abwartend reagiert", sagte sie der Düsseldorfer "Rheinischen Post" (Online / Print: Mittwoch). Die "konfliktive Stimmung" zwischen Woelki und seiner Diözese sei durch die Auszeit des Erzbischofs nicht befriedet worden. "Wenn der Vatikan nicht handelt, fährt das Erzbistum Köln vor die Wand", warnte Stetter-Karp.

Woelki soll Medienberichten zufolge im Herbst 2020 auf Anraten seiner PR-Berater versucht haben, den Betroffenenbeirat im Erzbistum Köln auf seine Seite zu ziehen, damit dieser der Nicht-Veröffentlichung eines missliebigen Missbrauchsgutachtens zustimmt. Einige Mitglieder traten danach zurück, weil sie sich überrumpelt und instrumentalisiert fühlten. Das Erzbistum räumte die Beratung durch eine Kommunikationsagentur ein, Ziel sei aber nicht gewesen, die Mitglieder des Beirats "zu einem bestimmten Stimmverhalten zu animieren".

"Ich frage mich: Wird das im Vatikan nicht wahrgenommen?"

Viele Katholikinnen und Katholiken seien nun erneut irritiert, sagte Stetter-Karp. "Es ist kein Wunder, dass Betroffene von sexualisierter Gewalt in der Kirche nun sagen: Der Betroffenenbeirat in der Erzdiözese ist im Streit um die Gutachten instrumentalisiert worden." Die 66-Jährige kritisiert, dass allein Rom über die Zukunft Woelkis entscheidet. "Es gibt keine funktionierende Gewaltenteilung, kein Mitspracherecht der Basis der Diözese." Einmal mehr zeige sich, "wie wichtig es ist, dass wir in Deutschland auf einem Synodalen Weg sind, der neue Überlegungen anstellt, wie Macht in der Kirche zukünftig geteilt und kontrolliert werden kann". Sie fügte hinzu: "Wir suchen dort nach Lösungen, die der Kirche dienen und die in solchen Situationen greifen." Stetter-Karp wies darauf hin, dass im Erzbistum Köln im vergangenen Jahr 41.000 Menschen aus der Kirche ausgetreten seien. "Ich frage mich: Wird das im Vatikan nicht wahrgenommen?"

Der Widerstand gegen Woelki hatte in den vergangenen Tagen auf verschiedenen Ebenen zugenommen. Mehrere Stadtdechanten gingen ebenso auf Distanz zum Erzbischof wie Mitarbeitende in einem Protestaufruf. Der Vorsitzende des Diözesanrats, Tim Kurzbach, forderte eine "nächste Auszeit Woelkis, die dann gern etwas länger dauern kann". Die Reformbewegung "Maria 2.0" verschloss symbolisch den Haupteingang des Generalivikariats in der Innenstadt mit rot-weißen Flatterbändern und einem Schild mit der Aufschrift "Generalvikariat Köln, geschlossen, moralischer Bankrott".

Vor gut einem Jahr hatten päpstliche Gutachter den Umgang der Kölner Bistumsleitung mit Missbrauchsfällen geprüft. Im Herbst entschied Papst Franziskus, dass Woelki im Amt bleibt, schickte ihn aber in eine fünfmonatige Auszeit. Anfang März nahm Woelki seine Amtsgeschäfte wieder auf. Er reichte aber ein Rücktrittsgesuch ein. Die Entscheidung des Papstes darüber steht noch aus. (rom/epd/KNA)