Priester soll Jungen im indischen Pune missbraucht haben

Vertuschungsverdacht: Kardinäle, Bischof und Generalvikar angeklagt

Aktualisiert am 29.11.2022  –  Lesedauer: 

Neu Delhi ‐ Ein Priester soll einen 15-jährigen Jungen sexuell missbraucht haben, doch die Kirchenoberen leiteten weder rechtliche Schritte gegen den Täter ein noch erstatteten sie Anzeige bei der Polizei: Dafür wurden sie nun angeklagt.

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Nach der Festnahme eines Priesters im indischen Pune wegen Missbrauchsverdachts sind mehrere hochrangige Geistliche wegen möglicher Vertuschung des Falls angeklagt worden. Betroffen sind unter anderen Bischof Thomas Dabre von Pune, Kardinal Oswald Gracias von Bombay (Foto oben), Kardinal Filipe Neri Ferrao von Goa sowie der Generalvikar von Pune, Pater Malcolm Sequira, wie der asiatische Pressedienst Ucanews (Dienstag) berichtet. Das Bistum Pune im westindischen Bundesstaat Maharashtra gehört zur Kirchenprovinz Bombay (Mumbai).

Der betreffende Priester soll einen 15-jährigen Jungen am Bahnhof von Pune sexuell missbraucht haben, erklärte ein Polizeisprecher laut Ucanews. Als sich die Eltern des Opfers bei Bischof Thomas Dabre und dem Diözesankomitee von Pune beschwert hätten, seien dennoch weder rechtliche Schritte gegen den Täter eingeleitet noch Anzeige bei der Polizei erstattet worden. Der Pater habe bereits zuvor eine 18-monatige Haftstrafe wegen sexuellen Missbrauchs verbüßt.

Bischöfe in Kerala nach Protest gegen Megahafen festgenommen

Ebenfalls in Indien, im südlichen Bundesstaat Kerala, nahm die Polizei nach gewalttätigen Protesten gegen das dortige Megahafenprojekt mehrere katholische Geistliche fest. Erzbischof Thomas J. Netto, Weihbischof R. Kristudas sowie mindestens ein Dutzend weiterer Priester seien in Gewahrsam genommen worden, berichtete Ucanews. Zuletzt waren die monatelangen friedlichen, von der Kirche angeführten Proteste der überwiegend katholischen Fischer gegen den Bau des Tiefseehafens "Vizhinjam International Deepwater Multipurpose Seaport" in Gewalt umgeschlagen.

Tausende Fischer und ihre Familien protestieren seit Juli für den sofortigen Baustopp des Hafenprojekts des indischen Milliardärs Gautam Adani nahe der Regionalhauptstadt Thiruvananthapuram. Nach Fertigstellung sollen über den Tiefseehafen mehr als 80 Prozent von Indiens Frachtumschlag abgewickelt werden.

Das "Nationale Grüne Tribunal" als staatliche Institution zur Handhabung von Umweltstreitigkeiten hatte 2011 eine Genehmigung des Hafenprojekts abgelehnt. Eine "unheilige Allianz" aus Politik und dem Adani-Unternehmen ziehe das Projekt trotzdem durch, sagte ein Sprecher des Katholischen Bischofsrats von Kerala laut Ucanews. Der 2015 begonnene Bau des Mammut-Hafenprojekts sollte innerhalb von vier Jahren abgeschlossen sein. Naturkatastrophen sowie die Covid-19-Pandemie verzögerten jedoch das Projekt. (tmg/KNA)