Benedikt XVI. beim Angelus
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Die Geschichte des Angelus-Gebets

Ein Gebet der ganzen Welt

Vor 61 Jahren begründete Pius XII. eine Tradition: Erstmals wurde das Angelus-Gebet des Papstes live übertragen. Doch das Gebet des "Engel des Herrn" ist schon viel älter. Katholisch.de blickt in die Geschichte des Gebets.

Von Oliver Buchholz |  Bonn - 23.08.2015

Im Jahr 1274 sprach der heilige Bonaventura zum ersten Mal die Empfehlung aus, am Abend dreimal das "Ave Maria" zu beten. Vom Kloster Montecassino in Italien ist bereits Ende des 13. Jahrhunderts belegt, dass dort morgens und abends unter Glockengeläut das "Ave Maria" gebetet wurde. Papst Johannes XXII. griff diese Tradition 1318 auf: Er ordnete an, dass die Gläubigen jeden Abend beim Läuten auf die Knie fallen und Maria dreimal grüßen sollen.

Gebet zum Schutz

Im 15. Jahrhundert war das christliche Europa durch die Türken bedroht: Papst Calixt III. empfahl daher 1456, zum täglichen Mittagsläuten drei "Ave Maria" und ein "Vater unser" zu beten -zum Schutz vor der Bedrohung. 1571 richtete Pius V. das Angelus-Gebet in der heutigen Form ein. Wie die Mönche das Stundengebet beteten, sollte der "Engel des Herrn" alle Christen die Möglichkeit geben in beständiger Form Maria zu grüßen und Gott um seinen Schutz zu bitten.

Seit dem betet die Kirche dreimal täglich den "Engel des Herrn". Morgens soll dabei an die Auferstehung Christi gedacht werden, mittags an sein Leiden und am Abend an Jesu Menschwerdung. Das Gebet besteht auch heute noch aus drei "Ave Maria", die jeweils von einem biblischen Vers eingeleitet werden, einem Gebet für die Verstorbenen und dem abschließenden Gebet. Dazu läuten vielerorts die Glocken. Das Gebet ist benannt nach seinen ersten Worte.

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Video: © katholisch.de

Dokumentation der Ansprache vom Papst Franziskus während seines ersten Angelusgebetes

Am 15. August 1954 übertrug Radio Vatikan erstmals das Angelus-Gebet Pius‘ XII. aus Castel Gandolfo. Damit begann für die Kommunikation der Päpste eine neue Ära. Sein Nachfolger, Johannes XXIII. begann 1959 damit, den Angelus öffentlich auf dem Petersplatz zu beten. Diese damals noch unregelmäßigen, öffentlichen Gebete verband er jeweils mit einer kurzen Ansprache. Dies führten die nachfolgenden Päpste fort: Jeden Sonntag um 12 Uhr richten sich Tausende Blicke zu dem berühmten Fenster des päpstlichen Arbeitszimmers.

Gelegenheit direkt mit den Gläubigen in Kontakt zu treten

Neben der Mittwochsaudienz, die es seit 1952 gibt, ist das Angelus-Gebet mittlerweile eine der besten Gelegenheiten für den Papst, sich direkt an die Gläubigen zu wenden. Neben dem eigentlichen Gebet und dem Segen hält er kurze Ansprachen. Oftmals kommen dabei politische, persönliche aber auch kirchliche Themen zu Wort. So verkündete etwa Papst Franziskus am 4. Januar 2015 die Namen der neuen Kardinäle. Papst Benedikt XVI. bedankte sich bei seinem letzten Angelus auf dem Petersplatz am 24. Februar 2013 für sein Pontifikat. Er sicherte den Menschen zu, dass er weiterhin der Kirche dienen will.

Franziskus‘ erster Auftritt nach Bekanntgabe seiner Wahl war das Angelus-Gebet am 17. März 2013, bei dem er treffend feststellte: "Der Petersplatz ist bei diesem Gebet ein Platz, der dank der Medien die Dimensionen der Welt hat." Das Gebet am 26. Juli 2015 nutzte er dazu Werbung für den Weltjugendtag zu machen. Er meldete sich während seiner Ansprache via Tablet dazu an.

In der Osterzeit wird nicht der "Engel des Herrn" sondern das "Regina caeli" gebetet -das legte Papst Benedikt XIV. im Jahr 1742 fest.

Vor 61 Jahren, am 15. August 1954, kam es in Rom zu einer Premiere: Papst Pius XII. spricht erstmals das Angelus-Gebet vor Aufnahmegeräten. Rome Reports zeigt die Aufnahme.

Das Angelus-Gebet

Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft, und sie empfing vom Heiligen Geist.

Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir. Du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus. Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.

Maria sprach: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Wort.“

Gegrüßet seist du, Maria, ...

Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.

Gegrüßet seist du, Maria, ...

Bitte für uns, heilige Gottesmutter, dass wir würdig werden der Verheißung Christi.

Lasset uns beten: Allmächtiger Gott, gieße deine Gnade in unsere Herzen ein. Durch die Botschaft des Engels haben wir die Menschwerdung Christi, deines Sohnes, erkannt. Lass uns durch sein Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung gelangen. Darum bitten wir durch Christus, unsern Herrn. Amen

Das Regina caeli

Freu dich, du Himmelskönigin, Halleluja! Den du zu tragen würdig warst, Halleluja, er ist auferstanden, wie er gesagt hat, Halleluja. Bitt Gott für uns, Halleluja.

Freu dich und frohlocke, Jungfrau Maria, Halleluja, denn der Herr ist wahrhaft auferstanden, Halleluja.

Lasset uns beten: Allmächtiger Gott, durch die Auferstehung deines Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus, hast du die Welt mit Jubel erfüllt. Lass uns durch seine jungfräuliche Mutter Maria zur unvergänglichen Osterfreude gelangen. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Von Oliver Buchholz