Viele Menschen fragten sich, ob Moskau bald angreifen werde

Gänswein: "Eine Ohrfeige für Papst und Vatikan" durch Russland

Veröffentlicht am 29.12.2025 um 10:40 Uhr – Lesedauer: 

Freiburg ‐ Der frühere Papstsekretär Georg Gänswein beobachtet in Lettland, Litauen und Estland eine wachsende Angst vor einem russischen Angriff. Der Vatikan wolle weiter für Frieden arbeiten – trotz einer "Ohrfeige" für den Papst.

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Der frühere Papstsekretär und heutige Papstbotschafter im Baltikum, Erzbischof Georg Gänswein, beobachtet in den baltischen Staaten eine wachsende Angst vor Russland. Viele seiner Gesprächspartner in Lettland, Litauen und Estland fragten sich, ob Russland bald angreifen werde, sagte Gänswein im Interview der "Herder Korrespondenz" (Januar). Er höre auch oft die sorgenvolle Frage, ob im Kriegsfall die EU und die Nato den baltischen Staaten wirklich zur Seite stehen würden. Diese Fragen weckten schlimme Erinnerungen an die "jahrzehntelange sowjetische Unterdrückung" der Menschen im Baltikum.

Aus Gänsweins Sicht ist eine Waffenruhe im russischen Angriffskrieg auf die Ukraine derzeit in weiter Ferne. "Es fehlt auf russischer Seite offensichtlich der ernsthafte Wille zum Frieden."

Gänswein, der seit 2024 Vatikanvertreter im Baltikum ist, betonte, die vatikanische Diplomatie versuche alles, um für Frieden zu arbeiten. Allerdings habe Russland das Angebot von Papst Leo XIV. ausgeschlagen, als Friedensmittler zu wirken. "Damit war die Tür für Friedensverhandlungen unter vatikanischer Vermittlung zunächst einmal zugeschlagen, undiplomatisch ausgedrückt: eine Ohrfeige für Papst und Vatikan", sagte Gänswein. Daher sei auch eine Reise des Papstes in die Ukraine "gegenwärtig kaum realisierbar". (KNA)