So entkommen Sie der Hektik im Advent und an Weihnachten
Sieben Tipps für die Feiertage

So entkommen Sie der Hektik im Advent und an Weihnachten

Oma besuchen, Plätzchen backen, das Geschenk für den Schwiegervater kaufen: Meist sorgt die Zeit vor Weihnachten für großen Stress. Katholisch.de hat sieben Tipps, wie Sie dem entfliehen – und trotzdem in Weihnachtsstimmung kommen.

Von Melanie Ploch |  Bonn - 14.12.2019

Auf ein Neues: Plötzlich ist Dezember, ehe man sich versieht, steht Heiligabend an und bald ist die Weihnachtszeit vorbei. Dabei war in diesem Jahr schon wieder kein Raum für Besinnung. Stattdessen Hektik, Stress und Reizüberflutungen: Habe ich alle Geschenke? Wie soll mein Haus geschmückt sein? Welche Plätzchen backe ich als nächstes? Das hat vor allem etwas damit zu tun, dass wir Menschen stark event-orientiert sind, findet Martina Patenge, Referentin beim Zentrum für Glaubensvertiefung und Spiritualität im Bistum Mainz: "Alles muss schön und perfekt sein, es muss geputzt und gebacken werden." Es ist zwar einfach, den moralischen Zeigefinger zu erheben, aber dafür umso schwieriger, sich diesem Sog zu entziehen. Doch vielleicht können Sie klein anfangen: Katholisch.de hat sieben Tipps, wie es in diesem Jahr besinnlich werden kann.

Martina Patenge ist Referentin beim Zentrum für Glaubensvertiefung und Spiritualität im Bistum Mainz.

1 – Schalten Sie einen Gang herunter

Die Advents- und Weihnachtszeit ist eine überladene Zeit, erklärt Patenge: "Erst macht die Firma eine Weihnachtsfeier. Dann kommt der Turnverein, die Nachbarschaftsgruppe, der Kirchenchor, die Frauengruppe. Und die Termine der Kinder stehen auch an." Die Referentin rät, darüber nachzudenken, ob es wirklich notwendig ist, 14 Sorten Plätzchen zu backen und bei jeder Weihnachtsfeier anwesend zu sein. Dass an Weihnachten die gesamte Familie kommt und man den ganzen Tag in der Küche steht? Dass jeder mit üppigen Geschenken beschert wird? "Muss das sein?", lautet da Patenges große Frage. "Das ist natürlich eine hohe Anforderung, aber wir können überlegen, ob wir etwas ändern wollen."

Sie selbst habe beispielsweise mit ihren vielen Geschwistern beschlossen, dass sie sich nichts zu Weihnachten schenken: "Das hat viel Stress weggenommen. Und trotzdem freuen wir uns, wenn wir uns sehen." So könnte man in der Familie absprechen, ob jeder nur ein Geschenk bekommt oder das Wichteln nicht etwas wäre. Andernfalls hält man die Gästezahl an den Feiertagen klein, feiert im engeren Kreis, beschreibt Patenge als weitere Idee: "Ich glaube, es hat viel mit Abspecken zu tun. Wenn die Zeit so überladen ist, dann ist es schwer, einen Teil des Zaubers von Weihnachten wahrzunehmen."

Eine üppige Bescherung zu Weihnachten – das muss nicht sein.

2 – Geben Sie dem Glauben Raum

Die Hektik in der Zeit vor Weihnachten hänge auch damit zusammen, dass die Zeit nicht mehr religiös gefüllt ist, betont die Referentin. Vor allem gehe es um Tradition, die Familie und das Zusammensein. Dabei helfe eine Akzentverschiebung: Je mehr ein Mensch dem gläubigen Geschehen Raum gibt, desto weniger "Zeit" sei für diese Hektik durch den Konsum und die vielen Vorbereitungen übrig. "Dann fallen Sätze wie: 'Ohne den traditionellen Braten ist nicht Weihnachten'. Das ist Käse – ohne Jesus Christus ist nicht Weihnachten!" Christen müssten mit gutem Beispiel vorangehen, "aber das ist natürlich ein moralischer Ansatz". Die Menschen sollten sich darauf konzentrieren, was wirklich wichtig ist.

Zur Pflege Ihrer Spiritualität könnten Sie beispielsweise Roratemessen besuchen, in der Bibel lesen oder Exerzitien machen. Oder wie wäre es mit Exerzitien im Alltag? Manche Kirchengemeinden laden zu Morgenandachten mit anschließendem Adventsfrühstück ein. Oder es steht der Besuch des Adventsgottesdienstes an. Das Warten stehe im Mittelpunkt: Umsetzen lässt sich das mit einem Adventskranz, der nicht nur der Dekoration dient, sondern dessen Kerzen bewusst zu den Adventssonntagen angezündet werden. Patenge erzählt von einer Familie, die im Advent nach und nach die Krippe aufbaut. Andere würden jeden Tag einen weiteren kleinen Stern aufhängen, um so das Warten zu symbolisieren.

Volle Kirche Herz Jesu in Bad Godesberg zur Rorate-Messe
Bild: © katholisch.de

So gut wie hier in der Kirche Herz Jesu in Bonn-Bad Godesberg sind viele Rorate-Messen besucht: Die besinnlichen Adventsgottesdienste sind nicht wegzudenken aus dem liturgischen Leben vieler Pfarreien.

3 – Brechen Sie Traditionen

So lieb den Menschen Traditionen auch sind, hindern sie uns oft daran, die Weihnachtszeit in Ruhe und Besinnung zu genießen. Daher gilt auch hier Patenges bewährte Frage: "Muss das sein?" Sie selbst war viele Jahre als Telefonseelsorgerin tätig. "Meist rollt die Lawine der Enttäuschung am zweiten Weihnachtstag los: 'Es war wieder ganz schrecklich. Der Schwiegervater oder die Schwiegermutter hat dieses oder jenes...'" Es mache Druck, Traditionen um jeden Preis zu wahren.

Es erfordere Mut, sich von diesen Traditionen loszulösen, doch es bringe auch Vorteile: "Vielleicht sind alle anderen froh, dass sie keine Gans mehr essen müssen?" Die Referentin stellt ohnehin in Frage, ob an Weihnachten die Mutter alle bekochen und es das gewohnte Essen geben muss. Stattdessen wäre eine Aufteilung möglich oder etwas völlig Neues. "Man kann auch einen Pizzadienst bestellen."

Ein weiterer Punkt sind die jährlich pflichtgemäß zu absolvierenden Verwandtschaftsbesuche. Gerade bei weiten Strecken bedeute das viel Stress. Alternativ könnten die Großeltern zu den Enkeln kommen, wenn sie noch fit sind, damit die Kinder im gewohnten Umfeld bleiben. Oder Familien verschieben den Besuch auf die darauffolgenden Tage: "Warum müssen Eltern beleidigt sein, wenn die Kinder nicht an Weihnachten kommen, sondern zwei Tage später?"

Gans

Es müsse nicht immer die traditionelle Weihnachtsgans sein, findet Exerzitienleiterin Martina Patenge.

4 – Warten Sie

Der Advent ist eigentlich eine Zeit des Wartens auf die Ankunft des Herrn, was auch die Bedeutung des lateinischen Wortes "adventus" bedeutet: Ankunft. Das lässt sich praktisch umsetzen, erklärt Patenge. Wer schon im November dauernd Plätzchen isst, könne sie Heiligabend nicht mehr sehen. Stattdessen könne das Warten auf Heiligabend umso schöner sein, wenn es das Gebäck erst dann gibt. Gleiches gelte für Lebkuchen: "Das ist so ein intensives Geschmackserlebnis, das kann man nicht länger als ein paar Wochen haben", sagt Patenge und lacht.

Jutesäckchen aus dem Plätzchen quellen.

In der Adventszeit wird der heimische Herd in vielen Küchen zur Weihnachtsbäckerei.

5 – Genießen Sie die Zeit

Eigentlich sei die Zeit vor und an Weihnachten schön, sagt Patenge: "Dadurch, dass es draußen kalt und dunkel ist, hat man ein Kuschelbedürfnis". Deshalb solle man diese Zeit bewusst genießen. Es sei besinnlich, zu Hause die Zeit mit den Liebsten bei stimmungsvollem Kerzenschein zu genießen. Für manche Menschen sei der Besuch von Konzerten wichtig, etwa das Weihnachtsoratorium. Andere hörten alte Platten mit Weihnachtsliedern. Eltern könnten die Zeit bewusst mit ihren Kindern gestalten, indem sie basteln und sich so näher auf das Weihnachtsfest hinbewegen. Steht Heiligabend an, gebe es für diesen Tag viel Schönes: Der geschmückte Weihnachtsbaum, die Krippenfeier der Kinder und die Christmette.

Eine Frau liest an Weihnachten ein Buch.

6 – Trennen Sie Advent und Weihnachten

Nimmt man es ganz genau, seien Advent und Weihnachten zu trennen, betont Patenge. Viele würden Pop-Weihnachtslieder wie "Last Christmas" schon im Advent hören. "Wir haben im Advent aber noch nicht Weihnachten. Ich bin da Verfechterin eines gewissen Purismus." Zwar könne man selbst nicht bestimmen, was in seinem Umfeld, etwa den Geschäften, los ist. Doch zu Hause könne man dies steuern.

Der Adventskranz symbolisiert das Warten auf das Weihnachtsfest.

7 – Nehmen Sie sich Zeiten der Stille

Manchmal müsse man bei dem Überangebot in der Weihnachtszeit die Bremse ziehen, denn eigentlich ist der Advent die Zeit der Stille. Doch das erreichen Sie auch ohne Exerzitien: Etwa durch einen passenden Adventskalender können Menschen sich jeden Tag einen kleinen Moment der Ruhe gönnen und so die Seele geistlich wachsen lassen. Impulse berühren, regen zum Nachdenken an und bieten Möglichkeit durchzuatmen. Das könnten Geschichte, Bilder oder auch Bibeltexte sein. "Ein bisschen stressig wird es am Ende meistens trotzdem", gibt Patenge zu. Doch vielleicht kann es zumindest etwas entspannter werden.

Von Melanie Ploch