Ein Mädchen bei einer Krippenfeier
Was an den Tagen vom ersten Advent bis zur Taufe des Herrn passiert

Advent und Weihnachtszeit – Das müssen Sie wissen

Mit dem Advent beginnt die Vorbereitung auf das Weihnachtsfest. Doch wofür stehen die verschiedenen Tage? Was ist ihre Liturgie? Was sind bestimmte Bräuche? Katholisch.de hat eine Übersicht über alle wichtigen Tage in der Advents- und Weihnachtszeit zusammengestellt.

Von Melanie Ploch |  Bonn - 05.12.2019

Sind Weihnachtsartikel und -süßigkeiten in den Kaufhäusern meist schon Ende September zu finden, beginnt für Christen erst vier Wochen vor dem Weihnachtsfest der Advent. Er ist eine Zeit der Vorbereitung und des Wartens auf die Ankunft des Herrn, der als Mensch auf die Erde kommt. Ankunft: Damit ist auch das lateinische Wort "adventus" zu übersetzen. Früher startete diese Vorbereitungszeit bereits Mitte November; heute gibt es vier Adventssonntage mit unterschiedlichen Leitworten. An jedem der Sonntage zünden Christen eine weitere Kerze des Adventskranzes an.

Die eigentliche Länge des Advents variiert von Jahr zu Jahr: Zur Terminerrechnung muss der vierte Advent immer der Sonntag vor dem Weihnachtsfest am 25. Dezember sein. Der erste Advent ist damit auf das Wochenende nach dem 26. November terminiert. Maximal kann der Advent 28 Tage dauern, mindestens 22, denn manchmal fallen Heiligabend und der vierte Advent auf denselben Sonntag – wie zuletzt 2017. Im Kirchenjahr 2019/2020 bestimmt das Lesejahr A die Evangelien, weshalb die Texte an den Adventssonntagen vom Evangelisten Matthäus stammen.

Der erste Advent

Mit dem ersten Advent beginnt nicht nur die Vorbereitungszeit auf Weihnachten, sondern auch das neue Kirchenjahr. Der Eingangsgesang, genannt Introitus, beruht auf Psalm 25. Er lautet "Ad te levavi animam meam" – "Zur dir erhebe ich meine Seele" und bringt das Vertrauen und die Treue zu Gott zum Ausdruck. Die Texte in der Liturgie widmen sich der Wiederkunft Christi am letzten Tag (Mt 24,9-44).

Am ersten Advent wird die erste Kerze angezündet.

4. Dezember: Barbara

Am 4. Dezember erinnern sich Christen an die heilige Barbara, eine Märtyrerin, die im vierten Jahrhundert starb. Die Legende besagt, dass Barbaras Vater sie aus Eifersucht in einem Turm festhielt und so eine Heirat vermeiden wollte. Barbara ließ sich heimlich taufen und soll durch eine Bergspalte entkommen sein. Doch sie wurde auf der Flucht verraten und von ihrem eigenen Vater enthauptet. In Westfalen, Schwaben und Bayern pflegen die Menschen den Brauch, an Barbaras Gedenktag Zweige ins Haus zu stellen, deren Knospen an Weihnachten aufbrechen.

Die heilige Barbara mit ihren Attributen Schwert und Turm auf einem Kirchenfenster in Porto Azurro.

6. Dezember: Nikolaus

Nach Barbara folgt der Nikolaus-Tag am 6. Dezember. Christen gedenken des heiligen Bischofs von Myra, der im dritten und vierten Jahrhundert lebte. Eine der vielen Legenden besagt, dass er eines Nachts einer bettelarmen Familie drei Beutel voll Gold ins Haus warf. Darauf baut ein altes Brauchtum auf: Am Vorabend des 6. Dezember beschenkt der Nikolaus Kinder. Die Leckereien legt er in vor die Tür gestellte Stiefel. Als Bischof trägt der Nikolaus Stab und Mitra – nicht zu verwechseln mit dem Weihnachtsmann.

Der heilige Bischof Nikolaus von Myra.

Der heilige Bischof Nikolaus von Myra.

Der zweite Advent

Der zweite Adventssonntag rückt das Warten in den Mittelpunkt. Der Introitus an diesem Tag lautet: "Populus Sion, ecce Dominus veniet ad salvandas gentes" – "Volk von Zion, siehe, der Herr wird kommen, zu retten die Völker". Das Evangelium erzählt von Johannes dem Täufer, der die Menschen auf die Ankunft Jesu vorbereitet und zur Umkehr aufruft (Mt 3,1-12).

9. Dezember: "Mariä Empfängnis"

Anders als oft missverstanden geht es bei diesem Feiertag nicht um die Jungfrauengeburt Mariens. Hinter dem Begriff der Unbefleckten Empfängnis steckt die Überzeugung, dass Maria frei von der sogenannten Erbsünde ist. Darin drückt sich eine besonders große Nähe Marias zu Gott aus. Eigentlich ist Mariä Empfängnis auf den 8. Dezember terminiert; wegen des Adventssontages wurde der Feiertag dieses Jahr auf den 9. Dezember verschoben.

Francisco de Zurbaran (1598-1664), "Die Unbefleckte Empfängnis" (Maria Immakulata). Das Ölgemälde befindet sich im Diözesanmuseum von Sigüenza (Spanien).

13. Dezember: Lucia

Am 13. Dezember erinnert die Kirche an die nächste Heilige: Lucia. Ihre Geschichte: Sie verließ ihren Verlobten, um ihr Leben Jesus zu widmen. Ihre Aussteuer schenkte sie den Armen. Ihr Verlobter verriet Lucia, sodass auch sie im Jahr 304 oder 310 den Märtyrertod starb. Der Legende nach soll sie zuvor verfolgten Christen in ihren dunklen Verstecken geholfen haben, indem sie sie mit Nahrung versorgte. Um beide Hände frei zu haben, trug Lucia einen Kranz aus Kerzen auf dem Kopf. In Schweden gehen die Menschen am Lucia-Fest einem Brauchtum nach, bei dem die älteste Tochter ebenso einen Kerzenkranz trägt und ihre schlafende Familie mit dem ersten Weihnachtsgebäck weckt.

Sechs Frauen in weißen Gewändern und mit Kerzen, die erste in der Reihe trägt zudem einen Kerzenkranz auf dem Kopf.

Das Luciafest am 13. Dezember ist ein vorweihnachtlicher Brauch in Schweden in Gedenken an die heilige Lucia. Ein Mädchen oder eine Frau spielen die "Lucia" und werden dazu mit einem Kranz aus Kerzen geschmückt.

Der dritte Advent

Der dritte Adventssonntag hat einen besonderen Namen: "Gaudete" –"Freut Euch!" Unter diesem Leitwort steht dieser Sonntag, wie der Eingangsgesang, ein Vers aus dem Philipperbrief, zeigt: "Gaudete in Domino semper!" – " Freut euch im Herrn allezeit!" Statt Violett, wie zu den anderen Adventssonntagen, ist die liturgische Farbe Rosa vorgesehen. Quasi als "helleres Violett" soll sie die Freude zeigen, denn die Ankunft des Herrn ist nah. Auch der dritte Advent rückt Johannes den Täufer und die Vorbereitung auf die Ankunft Jesu ins Zentrum (Mt 11,2-11).

Der vierte Advent

"Rorate" nennt sich der vierte Adventssonntag und beginnt mit dem Introitus "Rorate caeli desuper, et nubes pluant iustum: aperiatur terra, et germinet Salvatorem."– "Tauet, ihr Himmel, von oben, ihr Wolken regnet den Gerechten: Es öffne sich die Erde und sprosse den Heiland hervor." Die Ankunft des Herrn ist in greifbarer Nähe. Matthäus nimmt im Evangelium Josef in den Blick (Mt 1,18-24).

24. Dezember: Heiligabend

Mit dem Vorabend zu Weihnachten, dem Heiligen Abend, findet der Advent ein Ende. Die Weihnachtszeit beginnt. Abends besuchen Katholiken die Christmette, in der das Evangelium die Weihnachtsgeschichte aus Lukas 2, 1-20 erzählt. In den Häusern erinnern Krippen an die Geburt Jesu.

Die Darstellung der Heiligen Familie in einer Weihnachtskrippe.

Die Darstellung der Heiligen Familie in einer Weihnachtskrippe.

25. Dezember: Der erste Weihnachtstag

Am 25. Dezember feiern Christen die Geburt Christi. Das Datum für dieses Hochfest der Kirche wurde im dritten Jahrhundert festgelegt. Christen feiern, dass Gott als Mensch auf die Erde gekommen ist. Das Hauptfest wird auf die Woche nach Weihnachten als sogenannte Weihnachtsoktav verlängert.

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Video: © katholisch.de

Weihnachten? Das hat doch irgendwas mit Maria und Jesus zu tun? Was genau Katholiken an diesem Tag feiern, erklärt katholisch.de in 90 Sekunden.

26. Dezember: Stephanustag

Der 26. Dezember ist nicht nur der zweite Weihnachtstag; die Kirche gedenkt auch des heiligen Stephanus. Er wurde etwa im Jahr 40 wegen seines Glaubens getötet und gilt daher als der erste Märtyrer. Der Diakon fiel der Behauptung zum Opfer, er habe sich der Gotteslästerung schuldig gemacht. Er wurde verurteilt und zu Tode gesteinigt. Die terminliche Nähe zum Weihnachtsfest soll zeigen, dass trotz der Freude über Jesu Geburt auch an das Kreuz und die Bedrohung gedacht werden muss.

Steinigung des Stephanus, des ersten christlichen Märtyrers

Die Steinigung des Stephanus: Eine Darstellung des Malers Rembrandt.

27. Dezember: Evangelist Johannes

Dem Evangelisten Johannes ist der 27. Dezember gewidmet. Sein Evangelium gilt als das rätselhafteste, da sich viele Erzählungen von den entsprechenden Stellen bei den drei anderen Evangelisten unterscheiden. Entstanden sein soll es gegen 80 bis 100 nach Christus. Es ist überliefert, dass der Evangelist Johannes identisch mit dem Apostel Johannes ist.

Der Evangelist Johannes auf einem Freko aus dem 20. Jahrhundert in der Rosenkranzbasilika in Berlin.

28. Dezember: Fest der unschuldigen Kinder

Dieses Fest geht aus einer grausamen Erzählung des Matthäusevangeliums hervor (2,13-18): König Herodes erfährt von Jesu Geburt und schickt Sterndeuter raus, die nach ihm suchen sollen. Die Sterndeuter kehren nicht zurück, was Herodes so erzürnt, dass er aus Angst um seinen Thron alle Jungen bis zum Alter von zwei Jahren in Bethlehem und der Umgebung töten lässt. Josef konnte nach der Warnung eines Engels mit Maria und Jesus rechtzeitig nach Ägypten fliehen.

König Herodes befiehlt den Kindermord von Betlehem, dargestellt in einem Gemälde des 15. Jahrhunderts.

König Herodes befiehlt den Kindermord von Betlehem, dargestellt in einem Gemälde des 15. Jahrhunderts.

29. Dezember: Fest der Heiligen Familie

Am Sonntag der Weihnachtsoktav – also zwischen dem 26. und 31. Dezember – feiern Christen das Fest der Heiligen Familie. Es soll daran erinnern, dass auch Maria, Josef und Jesus gesellschaftlichen Herausforderungen ausgesetzt waren – wie die Flucht nach Ägypten zeigt. Das kann heute als Vorbild für einen guten Umgang untereinander gelten. In diesem Jahr wird die Heilige Familie am 29. Dezember gefeiert. Fällt kein Sonntag in die Weihnachtsoktav, ist das Fest auf den 30. Dezember terminiert. Es kann den Stephanustag und das Fest der unschuldigen Kinder verdrängen, wenn der Sonntag auf den 26. oder 28. Dezember fällt.

Die Heilige Familie auf der Flucht nach Ägypten.

Die Heilige Familie auf der Flucht nach Ägypten.

31. Dezember: Silvester

Am 31. Dezember endet nicht nur das Kalenderjahr, die Kirche gedenkt auch des heiligen Papstes Silvester I. (285-335), nach dem der Tag zur Jahreswende benannt ist. Legenden erzählen von der Standhaftigkeit des Papstes während der Zeit der Christenverfolgungen.

Papst Silvester I., von 314 bis zu seinem Tod am 31. Dezember 335 Bischof von Rom, auf einer Buchmalerei aus dem 14. Jahrhundert.

1. Januar: Hochfest der Gottesmutter Maria

Das neue Kalenderjahr feiern die Menschen weltweit am 1. Januar. Für Christen ist es der Oktavtag, also der achte Tag nach Weihnachten. Mit dem Gedenktag der Gottesmutter steht ein wichtiges Marienhochfest an. Zugleich ist der erste Tag des Jahres immer der Weltfriedentag.

Eine Statue der Gottesmutter Maria in einer Kirche.

6. Januar: "Dreikönigsfest"

Das Hochfest "Erscheinung des Herrn", oft Dreikönigsfest genannt, wird am 6. Januar gefeiert. Der Feiertag stellt heraus, dass Gott in Christus Mensch geworden ist und zu allen Menschen gesandt ist. Er erinnert an die Heiligen Drei Könige, die Jesus an der Krippe besuchen, um ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe zu bringen

Die Sterndeuter aus dem Morgenland huldigen dem Jesuskind.

Die Sterndeuter aus dem Morgenland huldigen dem Jesuskind.

Ende der Weihnachtszeit

Die Weihnachtszeit endet am Sonntag nach dem 6. Januar, der "Taufe des Herrn". Der Sonntag kann auf einen Tag zwischen dem 7. und 13. Januar fallen – 2020 auf den 12. Januar. Früher dauerte die Weihnachtszeit länger: bis zum Fest "Darstellung des Herrn" ("Mariä Lichtmess") am 2. Februar.

Von Melanie Ploch

Weihnachten: Gott wird Mensch

Alljährlich feiern die Christen am 25. Dezember die Geburt Jesu. Unser Dossier informiert über die Bedeutung von Weihnachten, bekannte Bräuche sowie spannende Hintergründe rund um das Fest.