Bischof Ipolt: Keine Auflagen wegen Corona für Gottesdienste
"Werde jedem die Kommunion reichen, wie er sie empfangen möchte"

Bischof Ipolt: Keine Auflagen wegen Corona für Gottesdienste

In vielen deutschen Bistümern gibt es Corona-bedingte Beschränkungen bei Gottesdiensten – doch nicht so in Görlitz: Oberhirte Wolfgang Ipolt sagt, warum er keine liturgische Anordnung gegeben hat – und spricht dabei von "der großen Pestzeit".

Görlitz - 11.03.2020

Das Coronavirus hat im Bistum Görlitz derzeit noch keine Beschränkungen für die Gottesdienste zur Folge. Vor allem für die kleineren Gemeinden halte er das für überzogen, erklärte Bischof Wolfgang Ipolt am Mittwoch auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). "Ich erinnere daran: Wir haben in unserer Kirche viele Heilige, die während der großen Pestzeit beispielhaft Nächstenliebe gezeigt haben. Das sollte uns Orientierung geben."

Bislang habe er keine Anordnung für das Bistum erlassen, Veranstaltungen abzusagen, so Ipolt weiter. "Hilfreiche Vorsichtsmaßnahmen ja, aber Panik sollte nicht ausbrechen", betonte der Bischof von Deutschlands mitgliederschwächstem Bistum mit rund 30.000 Gläubigen, das beim Gottesdienstbesuch aber an der Spitze steht.

"Ich persönlich werde jedem die heilige Kommunion reichen in der Weise, wie er sie empfangen möchte", kündigte Ipolt an. Andere Bischöfe raten, die geweihte Hostie nur auf der Hand entgegenzunehmen, statt sie sich vom Priester oder Kommunionhelfer auf die Zunge legen zu lassen. Ipolt bat die Priester überdies, Kranken und Sterbenden wie gewohnt die Sakramente zu spenden und ihnen beizustehen. "Diesen Glaubensakt dürfen wir nie unterlassen", betonte er.

Firmungen im Erzbistum München und Freising verschoben

Das Erzbistum München und Freising hat dagegen alle bis Ostern geplanten Firmungen bis auf Weiteres verschoben. Die Feier der Taufe und der Trauung sei nicht in jedem Fall zu verschieben, sondern könne "unter Beachtung der Hygienevorgaben und Kriterien im kleinen Kreis gefeiert werden", hieß es. Bei Taufen und Trauungen mit einer größeren Gästezahl sollte im Gespräch mit den betroffenen Familien der Rahmen angepasst werden oder eine Verschiebung erfolgen. Der Kreuzweg der Völker durch die Münchner Innenstadt am Karfreitag, an dem regelmäßig mehrere tausend Menschen teilnehmen, fällt dieses Jahr aus. Den Gemeinden wurde empfohlen, Kindergottesdienste zu verschieben und vorerst generell keine Chorproben sowie Kommunionhelferschulungen mehr zu halten. Gegen eine weitere Ausbreitung des Coronavirus wurde ein Krisenstab eingerichtet. Entscheidungen über weitere zentrale Kar- und Ostergottesdienste im Erzbistum hingen von der Entwicklung der Lage ab, hieß es in einer Mitteilung.

Im Südwesten Deutschlands bleiben Gottesdienste demgegenüber von Absagen wegen des Coronavirus verschont. "Das Bistum Trier plant im Moment nicht, Gottesdienste flächendeckend abzusagen", sagte die Pressesprecherin der Diözese, Judith Rupp. Sie verwies darauf, dass in der Regel die Besucherzahl der Gottesdienste unter der Grenze von 1.000 Teilnehmern liege, ab der Veranstaltungen laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn abgesagt werden sollten. "Im Blick auf die größeren Gottesdienste wie an Ostern oder bei Erstkommunionen werden wir in den nächsten Tagen beraten, entscheiden und informieren", so Rupp weiter. Das Bistum beobachte die Lage fortlaufend und informiere auf seiner Internetseite. Im Einzelfall könne es aber auch jetzt schon zu Ausfällen von Gottesdiensten kommen.

Das Freiburger Münster und die umgebenden Häuser.

Die Vorgaben der lokalen Gesundheitsämter werden in den Seelsorgeeinheiten des Erzbistums Freiburg genau umgesetzt. Dadurch mussten verschiedene Veranstaltungen abgesagt werden.

Ähnlich wie in Trier sieht die Situation im Bistum Mainz aus. Gottesdienste etwa im Mainzer Dom würden bislang nicht gestrichen, sagte der stellvertretende Pressesprecher der Diözese, Alexander Matschak. Er gab allerdings bekannt, dass nun der Diözesantag der Katholischen Öffentlichen Büchereien, der am 28. März im Mainzer Bildungszentrum Erbacher Hof stattfinden sollte, wegen des Coronavirus abgesagt worden sei.

Das Erzbistum Freiburg orientiert sich laut eigenen Angaben an den Maßnahmen der lokalen Gesundheitsämter. "Die dort gegebenen Vorgaben werden in den einzelnen Seelsorgeeinheiten umgesetzt", teilte das Bistum mit. Im Erzbischöflichen Ordinariat sei ein Krisenstab eingerichtet worden. Der für 12. März geplante "Freiburger Kongress Personalführung" sei jetzt abgesagt worden, da sich die Lageeinschätzung für Südbaden verschärft habe. Ebenfalls abgesagt worden sei das Peru-Partnerschaftstreffen am 21. März in der Katholischen Akademie Freiburg. Hier solle ein neuer Termin für den Herbst 2020 gesucht werden.

Auslandsseelsorger: Werde keinem die Kommunion verweigern

Franz Xaver Brandmayr, Rektor der deutschsprachigen Anima-Kirchengemeinde in Rom, hält Gottesdienstbeschränkungen als Folge der Corona-Krise dagegen – ähnlich wie Bischof Ipolt – für falsch. "Meines Erachtens sollte jeweils der Pfarrer vor Ort entscheiden", sagte Brandmayr zum derzeit geltenden Verbot öffentlicher Gottesdienste. Der jeweilige Priester wisse am besten, wie mit der Situation umzugehen sei. Es gebe viele Gemeinden, in denen überhaupt keine Ansteckungsgefahr bestehe. "Und trotzdem dürfen die Leute nicht in die Messe gehen. Das ist doch lächerlich", so der Anima-Rektor.

In seiner Kirche im Zentrum Roms gehe er pragmatisch mit der Verbotsregel um: Es könne ihn niemand daran hindern, während der privaten 18-Uhr-Messe laut zu sprechen. Wer dabei sein wolle, könne das gerne tun, so Brandmayr. "Ich werde niemanden fortschicken oder die Kommunion verweigern. Da hört für mich der Spaß auf." Brandmayr (64) leitet die Anima seit 2008. Im September übernimmt Nachfolger Michael Max (49), bislang Leiter des Salzburger Bildungszentrums Sankt Virgil, die Aufgabe. (tmg/cbr/KNA)

Am 11.03.2020 um 17.15 Uhr ergänzt um Bistümer Trier und Mainz und Erzbistum Freiburg. Um 18.45 Uhr ergänzt um Erzbistum München und Freising. 13.3., 09:05 Uhr: Maßnahmen von München und Freising aktualisiert.