Der Passauer Bischof Stefan Oster im Gespräch.
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Pfarrei-Papier gehe es um geistliche Autorität

Nach Vatikan-Instruktion: Oster warnt vor falschem Blick auf Macht

Die vatikanische Instruktion zu Pfarreien polarisiert: Viele Bischöfe und Gläubige kritisieren das Papier, andere loben es. Der Passauer Bischof Stefan Oster hat sich nun zur Instruktion geäußert und besonders den Aspekt der Autorität betont.

Passau - 02.08.2020

Der Passauer Bischof Stefan Oster hat angesichts des Vatikan-Papiers zur Reform von Pfarreien vor einem falschen Blick auf Macht gewarnt. Es gehe um geistliche Autorität, nicht um eine aus soziologischer oder demokratischer Perspektive, sagte Oster in einem Video auf seiner Website. "Geistliche Autorität - wenn sie denn wahrgenommen wird - lebt daraus, dass sie den anderen Menschen wachsen lassen will, groß werden lassen will in der Verantwortung, im Dienst, in Glaube, Liebe, Hoffnung."

Dieser Autoritätsbegriff sei etwa auch für die Frauenfrage entscheidend. So sei etwa Mutter Teresa für ihn eine der einflussreichsten Personen der Kirchengeschichte des 20. Jahrhunderts, erklärte der Bischof. Sie habe mit ihrer geistlichen Autorität die Kirche geprägt. Dies gelte etwa in vorigen Jahrhunderten auch für Therese von Lisieux oder Bernadette von Lourdes.

Zur in der Vatikan-Instruktion angesprochenen Leitungsverantwortung von Pfarrern und der Absage an Leitungsteams sagte Oster, Bischöfe und Priester seien geweiht, "zu lehren, zu leiten und zu heiligen". Es sei deren Aufgabe, Verantwortung zu übernehmen, aber auch andere an dieser Verantwortung teilnehmen zu lassen. Modern leiten hieße natürlich, im Team zu leiten. Es gehe um die Rolle des Pfarrers und Priesters in ihrer Berufung, nicht beim Machterhalt.

Oster hebt missionarische Passagen der Instruktion hervor

Auch er als Bischof werde nicht daran gemessen, wie viel Macht er ausgeübt habe, so Oster. Natürlich habe er diese, etwa wenn es um Geld, Personaleinsatz oder die Zusammensetzung von Gremien gehe. "Ich bin völlig überzeugt, mein Herr wird mich einmal an der Frage messen: Wie hast Du die Autorität, die dir geschenkt war, dafür eingesetzt, dass Menschen tiefer in den Glauben, in die Liebe, tiefer in die Freundschaft mit mir finden."

Dabei hob der Bischof auch die Passagen des Papiers zu einer missionarischen Kirche hervor und verwies auf die aktuellen Zahlen zum kirchlichen Leben in Deutschland. Entgegen erster Angaben, wonach es lediglich nur rund 300 Erwachsenentaufen gegeben habe, liege die Zahl bei 2.446 für ganz Deutschland, korrigierte Oster am Montag sein Video vom Wochenende auf Facebook. "Das sieht im Ergebnis natürlich einiges besser aus (als nur 300) – auch wenn es bei gut 270.000 Austritten immer noch traurig ist im Blick auf unsere missionarischen Bemühungen", so der Bischof. In seinem Video sprach er davon, dass der Text "womöglich im Blick auf die Situation der Kirche in den deutschsprachigen Ländern" geschrieben worden sei.

Die große Mehrheit der deutschen Bischöfe hatte Kritik an dem Vatikan-Papier geübt und die Instruktion unter anderem als realitätsfern und rückwärtsgewandt bezeichnet. Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode etwa sieht in dem Papier eine "Umkehr zur Klerikalisierung". Einige Oberhirten kündigten an, trotz der Instruktion an ihren Plänen zu Pfarreienreformen festzuhalten. Auch aus dem deutschsprachigen Ausland kam Kritik: Am Mittwoch kritisierte der Basler Bischof und Präsident der Schweizer Bischofskonferenz, Felix Gmür, die Instruktion und verteidigte das Schweizer Leitungsmodell. Es gab jedoch auch zustimmende Äußerungen. So verteidigten der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki und zuletzt der Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt das Schreiben. (rom/KNA)

3.8.; 14 Uhr: Zahlen im 5. Absatz korrigiert.