Hilfsorganisationen verpflichten sich zu religiöser Solidarität

Gemeinsame Botschaft von Hilfswerken zur Papstreise in den Irak

Aktualisiert am 03.03.2021  –  Lesedauer: 

Aachen/Göttingen ‐ Vor der Papstreise in den Irak betonen 29 Hilfswerke die Notwendigkeit interreligiöser Zusammenarbeit. Fehlende Glaubensfreiheit erschwere das Leben religiöser Minderheiten in dem muslimischen Land. Vom Papst werden deutliche Worte gefordert.

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Das katholische Hilfswerk missio Aachen hat sich gemeinsam mit anderen im Irak tätigen Organisationen anlässlich des bevorstehenden Papstbesuchs zu unvoreingenommener Hilfe über Religionsgrenzen hinweg verpflichtet. Man wolle "die kulturellen Werte und religiösen Überzeugungen der verschiedenen Gruppen achten und jedes Sektierertum und jeden Proselytismus" ausschließen, heißt es in einer am Mittwoch veröffentlichten  "Interreligiösen Botschaft zum Besuch von Papst Franziskus im Irak", die das Hilfswerk gemeinsam mit 28 weiteren Hilfsorganisationen verschiedener Religionen unterschrieben hat. Mit ihrer Botschaft wollen die Organisationen ihre Zusammenarbeit untereinander stärken "um allen zu helfen, die in Not sind" und so Solidarität diskriminierungsfrei und interreligiös verstärken.

Mit ihrer gemeinsamen Botschaft erhoffen sich die Hilfsorganisationen eine Stärkung des sozialen Zusammenhalts im Irak. Anknüpfend an das Motto der Papstreise in den Irak "Ihr seid alle Brüder", wolle man so die Wunden der Vergangenheit heilen und eine gemeinsame Zukunft "für alle unterschiedlichen Gemeinschaften im Irak aufbauen". Der Irak sei die Wiege der Menschheit, in den vergangenen Jahrzehnten habe das Land unter Krieg, Unsicherheit, Instabilität und dem "Islamischen Staat" gelitten. "Diese dauernde Abfolge von Konflikten hat die Beziehung der verschiedenen Gemeinschaften stark belastet", heißt es in der Botschaft. 

Hoffnung auf deutliche Worte des Papstes

Anlass der Botschaft ist die Irakreise von Papst Franziskus vom 5.-8. März. Er ist der erste Papst, der den Irak besucht. Die christliche Gemeinschaft im Irak ist eine der ältesten der Welt – ihr Anteil beträgt rund ein Prozent der Bevölkerung. Die religiöse Mehrheit im Irak bildet der schiitische Islam. Während seines Besuchs wird der Papst auch Gespräche mit politischen und religiösen Vertretern führen. Zudem ist ein christlich-muslimisches Gebet geplant. Papst Franziskus pflegt den Dialog mit dem Islam. Bei seinem Besuch in Abu Dhabi 2019 unterzeichnete er gemeinsam mit dem Großimam der Al-Azhar-Universität von Kairo, Ahmed al-Tayyeb, das "Dokument über die Geschwisterlichkeit aller Menschen für ein friedliches Zusammenleben in der Welt".

Mit dem päpstlichen Irakbesuch ist die Hoffnung auf Unterstützung religiöser Minderheiten verbunden. "Vor allem Angehörige der Minderheiten hoffen, dass Papst Franziskus die Zentralregierung in Bagdad und die Regionalregierung in Kurdistan für die Sorgen der christlichen, yezidischen, mandäischen und anderen Gemeinschaften sensibilisieren kann", sagte Kamal Sido, Nahost-Experte der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV), ebenfalls am Mittwoch. Die GfbV kritisierte im Vorfeld der Reise fehlende Glaubensfreiheit im Irak. Islamistische Angriffe hätten zudem zur Vertreibung und Dezimierung religiöser Minderheiten geführt. Man appelliere an den Papst "für echte Glaubensfreiheit und eine Verbesserung der Lage der christlichen und anderen Minderheiten" im Irak einzutreten. (ben)