Standpunkt

In der Kirche mehr miteinander statt übereinander reden

Aktualisiert am 08.06.2022  –  Lesedauer: 
Schachfigur
Bild: © Fotolia.com/Roma

Bonn ‐ Auch Katholiken verlernen, miteinander zu reden. Konservative und Progressive scheinen immer mehr wie zwei sich gegenüberstehende Lager, die kein Interesse mehr am gemeinsamen Diskurs haben, kommentiert Matthias Altmann. Wie lässt sich das ändern?

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"Beim Reden kommen die Leute zusammen", lautet ein Sprichwort, das vor allem im süddeutschen Raum bekannt ist. Doch es verfestigt sich zunehmend der Eindruck, dass die Menschen verlernt haben, miteinander zu reden und zu diskutieren. Das gilt hierzulande nicht nur für die Gesellschaft als Ganze, sondern auch für die Kirche. Natürlich, schon seit Langem streiten sich progressive und konservative Katholiken darüber, welcher der beste Weg für die Kirche in Richtung Zukunft ist. Doch gerade in der letzten Zeit hat sich die Tendenz zu zwei sich diametral gegenüberstehenden Lagern verstärkt, die am gemeinsamen Diskurs kein wirkliches Interesse mehr haben.

Man scheint stattdessen lieber unter sich bleiben zu wollen. Beispiele: Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken, ein Sprachrohr für weitreichende Reformen in der Kirche, veranstaltet in den Augen mancher etwa die Katholikentage nur noch zur eigenen Selbstbespiegelung. Auf der anderen Seite schmoren auch Organisationen, die ihre Glaubenstreue besonders hervorheben, meistens im Saft des eigenen Kirchenbilds. Einige Gläubige würden lieber gestern als heute Reformen durchführen, notfalls auch mit der Brechstange, andere sprechen ihnen dafür den wahren Glauben und die Katholizität ab.

Eigentlich soll der Synodale Weg ein Forum für den Dialog sein. Aber löst er diesen Auftrag wirklich ein? Der Augsburger Bischof Bertram Meier wies vergangene Woche darauf hin, dass die Texte aufgrund des hohen Zeitdrucks kaum diskutiert werden könnten. Hier müssen auch die Reformbefürworter eingestehen, dass das im Hinblick auf das Ziel, die Kirche synodaler zu machen, nicht besonders hilfreich ist. Andererseits sollten aber auch konservativ Gesinnte nicht bei jedem Beschluss des Synodalen Wegs eine Abspaltung der Kirche in Deutschland herbeireden. Die Rückmeldungen zur vatikanischen Weltsynode aus anderen Ländern, die gerade nach Rom geschickt werden, zeigen, dass man auch dort gerne über Themen reden möchte, die in Deutschland gerade intensiv diskutiert werden.

Am Ende eint die Vertreter beider Seiten eines: die Sorge um das Wohl der Kirche als Gemeinschaft der Gläubigen. Vielleicht ist das eine Basis, wieder mehr miteinander statt übereinander zu sprechen. Das Verlassen der eigenen Echokammer dürfte manchen allerdings nicht so leichtfallen.

Von Matthias Altmann

Der Autor

Matthias Altmann ist Redakteur bei katholisch.de.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.