Dies könne zu einer Überforderung führen

Generalvikar: Zu viel Verantwortung an kirchliche Ämter gebunden

Aktualisiert am 13.06.2022  –  Lesedauer: 
Pater Manfred Kollig aus Münster wurde von Erzbischof Heiner Koch zum neuen Generalvikar in Berlin berufen.
Bild: © Bistum Münster

Dresden ‐ Berlins Generalvikar Manfred Kollig und Speyers Ex-Verwaltungschef Andreas Sturm sind sich einig: In der Kirche ist "zuviel Verantwortung an die leitenden Ämter gebunden". Unterschiedliche Auffassungen vertreten sie zum Synodalen Weg.

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Der Berliner Generalvikar Manfred Kollig sieht in der katholischen Kirche "zu viel Verantwortung an die leitenden Ämter gebunden". Dies könne zu einer Überforderung der Amtsträger führen, falls sie Aufgaben nicht aus eigener Einsicht delegieren, sagte Kollig im Podcast "Mit Herz und Haltung" der Katholischen Akademie des Bistums Dresden-Meißen, der am Montag veröffentlicht wurde.

So hätten kirchliche Amtsträger mit Personalverantwortung in Fällen sexualisierter Gewalt früher oft "individuell entschieden", anstatt weitere Mitarbeitende einzubeziehen, und damit auch Schuld auf sich geladen, erklärte der Verwaltungschef des Erzbistums Berlin. Überfordert sein könnten Amtsträger zudem mit Blick auf einen sachgerechten Umgang mit Kirchenfinanzen.

Sturm skeptisch beim Synodalen Weg

In dem Podcast kritisierte auch der frühere Generalvikar des Bistums Speyer, Andreas Sturm, an die Ämter in der katholischen Kirche seien so viele Aufgaben gebunden, dass es zu einer Überforderung führen könne. Zugleich äußerte er sich skeptisch mit Blick auf die Bestrebungen des Reformdialogs Synodaler Weg der katholischen Kirche in Deutschland, das kirchliche Amtsverständnis zu reformieren. Solche Versuche seien seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) erfolglos geblieben, betonte Sturm, der die katholische Kirche im Mai verlassen und zur alt-katholischen Kirche gewechselt hatte. Er äußerte die Befürchtung, dass der Synodale Weg reformorientierten Katholikinnen und Katholiken Hoffnung mache, "die am Ende wieder enttäuscht wird".

Kollig äußerte sich zuversichtlicher über den Reformdialog und wertete ihn als "großen Fortschritt". Er habe in der Kirche "noch nie erlebt, dass Dinge so offen beim Namen genannt und angstfrei vorgetragen werden". Mit Blick auf die Reformdebatten warb der Generalvikar dafür zu schauen, ob eine Minderheit immer blockieren könne, wenn eine Mehrheit zu besserer Einsicht komme. Er plädierte dafür, in kirchlichen Streitfragen "aus dem Geist Jesu heraus" auch unterschiedlich zu handeln. (KNA)