Eingabe der Deutschen Ordensobernkonferenz zum weltweiten synodalen Prozess

Weltsynode: Ordensleute fordern weitreichende Kirchenreformen

Aktualisiert am 01.07.2022  –  Lesedauer: 

Bonn ‐ Frauenweihe, Eucharistiefeier mit anderen Konfessionen, Gewaltenteilung: In ihrer Eingabe zum weltweiten synodalen Prozess fordert die Deutsche Ordensobernkonferenz Veränderungen in der Kirche – und hat Sorge, dass die Beiträge nicht gehört werden.

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Die Deutsche Ordensobernkonferenz (DOK) fordert in ihrer Eingabe an den weltweiten synodalen Prozess richtungsweisende Veränderungen in der katholischen Kirche. "Es steht für die große Mehrheit der deutschen Ordensleute außer Frage, dass die Kirche dringend der Erneuerung bedarf", heißt es in dem am Freitag veröffentlichten Dokument. Über die konkreten Wege herrsche zwar nicht immer Einigkeit, die Idee des "Es war schon immer so" sei jedoch "eine Illusion, wenn nicht sogar eine Ideologie."

Viele Ordensleute wünschten sich demnach eine Öffnung der Kirche für Frauen; "viele von uns – darunter auch eine große Anzahl von Männern – bis hin zur Weihe für Frauen", heißt es in dem Dokument. Interessierte Ordensfrauen würden gemeinsam mit Frauenverbänden daran arbeiten und die Stimme der Frauen in der Kirche erheben. Der Dialog zu solchen Themen sei ein Feld, auf dem Synodalität "manchmal schon gelingt und oft noch gelernt werden muss".

"Ordensfrauen wollen endlich ernst genommen werden"

Die Ordensleute plädieren ebenfalls für die gemeinsame Eucharistiefeier mit anderen Konfessionen. "Wir leiden daran, dass das nicht möglich ist, bzw. dass es von unserer Kirche nicht erlaubt wird. Das schmerzt viele von uns sehr" heißt es. Bei Treffen mit evangelischen Kommunitäten und Gemeinschaften würden manche katholischen Ordensleute bewusst auf den Empfang des Abendmahls verzichten. "Die Sehnsucht nach der Einheit der Kirche auch in der Eucharistiefrage bleibt – und der Schmerz bleibt."

Zudem vermissten die DOK und besonders die Ordensfrauen einen Dialog mit Kirchenverantwortlichen auf Augenhöhe. "Ordensfrauen wollen endlich ernst genommen werden als geistbegabte Mitglieder dieser Kirche, die ihr Leben für den Herrn und für die Menschen einsetzen", heißt es in der Eingabe. Auch die Kommunikations- und Beziehungsgestaltung zur Deutschen Bischofskonferenz sei bisweilen noch ausbaufähig. Von der Kongregation für die Institute des geweihten Lebens und die Gesellschaften des apostolischen Lebens im Vatikan wünsche man sich die Anerkennung der realen Lebenssituation, Vertrauen in die handelnden Ordensleute vor Ort und das Zulassen pragmatischer Lösungen.

Hier wird Synodalität in der katholischen Kirche bereits gelebt

Beim weltweiten synodalen Prozess soll es auch um eine gemeinsame Entscheidungsfindung aller Kirchenmitglieder gehen. In manchen Teilen der katholischen Welt ist das aber nicht mehr nur Theorie, sondern bereits Alltag. Drei Beispiele zeigen die Potenziale des Synodalen.

Bei Themen wie Gewaltenteilung, Transparenz und Rechenschaftspflicht dürfe die Kirche zudem nicht weniger überzeugend sein als die Gesellschaft. Die diözesan verfasste Kirche könne hier von den Ordensgemeinschaften lernen, auch wenn die Ordensleute selbst noch an vielen Stellen lernen könnten. Gerade die Fähigkeit des Zuhörens werde außerdem von vielen Menschen geschätzt, da kirchliche Vertreter oftmals vor allem als Lehrende wahrgenommen würden.

Als "Alarmzeichen, das nicht übersehen werden darf", sehen die Ordensleute den Kirchenaustritt engagierter Katholikinnen und Katholiken. "Manche dieser Menschen finden gerade in unseren Ordensgemeinschaften, bei uns Ordensleuten, in unseren Gästehäusern, in unseren Gottesdiensten eine Heimat, die die Kirche ihnen sonst oft nicht mehr bietet, beispielsweise, weil sie Menschen ausschließt, die mit der geltenden Sexualmoral der Kirche oder der dogmatischen Lehre der Kirche nicht übereinstimmen." Zahlreiche Menschen forderten Änderungen des Katechismusgerade in Hinblick auf wiederverheiratet Geschiedene und LGBTQ-Personen in der Kirche.

Gottesvolk soll bei Bischofssynode mitentscheiden

Gleichzeitig äußern die Ordensleute auch die "bange Frage, ja ein gewisses Misstrauen", ob die Beiträge zum synodalen Prozess überhaupt gewürdigt und wahrgenommen würden. Man erwarte, dass alle Eingaben wertgeschätzt, ausgewertet und ins Gespräch gebracht würden. Darüber hinaus hoffen die Ordensleute laut ihrer Eingabe darauf, dass das gesamte Gottesvolk auch repräsentativ bei der Entscheidungsfindung in der Bischofssynode 2023 beteiligt werde. "Hier muss vor allem berücksichtigt werden, dass die Frauen mindestens die Hälfte aller Gläubigen und mehr als die Hälfte der Ehrenamtlichen in der Kirche ausmachen."

Zur Vorbereitung der Weltbischofssynode 2023 zum Thema Synodalität hat der Papst die gesamte Kirche zu einem weltweiten synodalen Prozess aufgerufen. Im vergangenen Oktober hat Papst Franziskus die erste, diözesane Phase des Prozesses begonnen und alle Gläubigen dazu aufgerufen, sich an den Umfragen und Aktionen zu beteiligen. Bis Mitte August müssen die einzelnen Bischofskonferenzen ihre zehnseitigen Zusammenfassungen nach Rom schicken. Auch Ordensgemeinschaften sind explizit zur Teilnahme am synodalen Prozess aufgerufen. Die DOK hat ihre Eingabe laut eigener Aussage bereits im Juni an die vatikanische Kongregation für die Institute geweihten Lebens und für die Gesellschaften apostolischen Lebens geschickt. (cbr)