Sandra Heimlich hat sich mit ihren beiden Kindern taufen lassen

Neugetaufte: Mit Gott zu sprechen, hat mir Kraft gegeben

Aktualisiert am 07.11.2022  –  Lesedauer: 
"Ich bin Kirche, weil..."

Bonn ‐ Sandra Heimlich wurde im Mai dieses Jahres in der katholischen Kirchengemeinde St. Marien in Delmenhorst getauft. Das Besondere daran: Ihre beiden Kinder empfingen gemeinsam mit ihr die Taufe. Im Gespräch mit katholisch.de spricht sie über ihren Weg zum Glauben und darüber, was sie enttäuscht hat.

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Eine Taufe für drei. Sandra Heimlich hat sich im Mai in diesem Jahr gemeinsam mit ihren beiden kleinen Kindern taufen lassen. Ihr Mann, der evangelisch getauft ist, unterstützte sie dabei. Obwohl sie in ihrem Elternhaus den Glauben nicht kennen gelernt hatte, verspürte Heimlich schon als Kind eine Sehnsucht nach Gott. Im Gespräch mit katholisch.de spricht Heimlich über ihren Weg zur Taufe

Frage: Frau Heimlich, Sie wurden gemeinsam mit Ihren Kindern getauft. Das ist ungewöhnlich.

Heimlich: Ich wollte, dass meine Kinder in ihrem Leben etwas haben, das ihnen Kraft geben kann. Ich habe das als Kind vermisst.

Frage: Was genau haben Sie vermisst?

Heimlich: In der Schule war ich in einem Ersatzunterricht, während die anderen Religion hatten. Ich war ja nicht getauft und fühlte mich immer außen vor. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als meine Mitschüler Erstkommunion gefeiert haben. Ich war in dem Gottesdienst zwar mit dabei, alle bekamen eine Oblate in die Hand, nur ich nicht. Das konnte ich nicht verstehen. Ich war so traurig.

Frage: Haben Sie Ihre Eltern danach gefragt, warum sie nicht getauft wurden?

Heimlich: Nein. Ich denke, sie wollten mir die Entscheidung selbst überlassen. Mein Vater war evangelisch-freikirchlich. Er ging aber nie in eine Kirche. Er wehrte alles ab, was von der Kirche kam. Meine Mutter war evangelisch. Für sie war der Glaube Nebensache. Später trennten sich meine Eltern. Das war ein Schock für mich. Damals war ich 14 Jahre alt.

Frage: Wie gingen Sie mit der Trennung Ihrer Eltern um?

Heimlich: Ich war innerlich zerrissen und habe eine tiefe Lücke gespürt. Ich wusste nicht, womit ich diese Leere füllen könnte. Dann habe ich begonnen, mit Gott zu sprechen. Immer abends. Ich habe darum gebeten, dass Gott auf mich aufpasst und uns hilft. Das hat mir Kraft gegeben.

Bild: ©Marianne Etrich / Kirchengemeinde Delmenhorst St. Marien

Sandra Heimlich wird in der katholischen Kirchengemeinde St. Marien Delmenhorst getauft. Die Kirchengemeinde gehört zum Bistum Münster.

Frage: Wie haben Sie dann zum Glauben gefunden?

Heimlich: Ich habe mit 16 Jahren eine Ausbildung zur Altenpflegerin begonnen. Meine Tante war auch Altenpflegerin. Die Arbeit mit den älteren Leuten hat mir gutgetan. Manche haben so eine Ruhe ausgestrahlt und haben mir aus ihrem Leben erzählt. Sonntags bin ich oft mit in den Gottesdienst gegangen. Ich habe dort viel Trost erfahren. Ich habe gespürt, dass mir die Worte, die ich da gehört habe, weiterhelfen. Später habe ich dann geheiratet und wurde Mutter. Als mein Sohn nach der Geburt oft ins Krankenhaus musste, weil er eine Fußfehlstellung hatte, spürte ich wieder, wie sehr ich mich danach sehne, im Glauben Halt zu finden.

Frage: Was war der Auslöser, dass Sie sich zur Taufe entschieden haben?

Heimlich: Als mein Sohn fünf Jahre alt wurde, hat er mich gefragt: "Mama, glaubst du an Gott?" Meine Antwort war: "Ja." Danach habe ich mir gesagt: So, jetzt will ich mich taufen lassen. Ich habe dann eine E-Mail an das Pfarramt St. Marien in Delmenhorst geschrieben. Die Pastoralreferentin Marianne Etrich hat mir sofort geantwortet. Wir haben uns ein halbes Jahr lang alle zwei Wochen getroffen und haben über den Glauben geredet. Wir haben miteinander die Bibel gelesen und waren zusammen in Gottesdiensten. Das war alles sehr bereichernd für mich. Ich habe gemerkt, dass es das ist, wonach ich schon lange gesucht habe.

Frage: Wie haben Sie Ihre Taufe erlebt?

Heimlich: Es war eine sehr schöne Feier. Leider waren nicht so viele Gäste dabei.

Frage: Wie kam das?

Heimlich: Wir hatten viele Freunde und Bekannte eingeladen. Manche haben gar nicht auf die Einladung zur Taufe reagiert und manche haben gleich abgesagt. Einer sagte mir: "Das ist nicht so meins". Bestimmt sind nicht alle mit der Kirche als Institution einverstanden und manche können mit dem Thema Glauben gar nichts anfangen, aber enttäuscht war ich trotzdem. Aber es muss ja auch nicht jeder in die Kirche kommen, nur weil ich es will. Der Glaube ist doch ein Geschenk. Meine Geschichte mit der Kirche hat gerade erst angefangen, ich freue mich auf das Zusammenkommen mit Gott. Eine größere Kraft gibt es für mich nicht.

Frage: Warum haben Sie einen Kranz bei der Taufe getragen?

Heimlich: Das Kränzchen aus Trockenblumen habe ich selbst gemacht. Ich dachte mir, das macht man so, wenn man getauft wird. Viele feiern ja ihre Hochzeit sehr groß und tragen dabei eine Krone oder einen Blumenkranz auf dem Kopf. Ich wollte so einen Kranz bei meiner Taufe tragen. Durch die Taufe erhält man eine ganz neue Würde durch Gott, das wollte ich auch zeigen.

Frage: Was wünschen Sie sich von der Kirche als Institution?

Heimlich: Ich hätte mir gewünscht, dass die Pastoralreferentin, die mich so wunderbar zur Taufe begleitet hat, mich und meine Kinder auch getauft hätte. Aber vielleicht wird das eines Tages auch bei uns in der Gemeinde möglich sein.

Von Madeleine Spendier