Das war 2016
Katholisch.de blickt auf das kirchliche Jahr zurück

Das war 2016

Jahresrückblick - 2016 war ein heiliges Jahr - jedenfalls wenn man das vom Papst ausgerufene Jubeljahr zum Maßstab nimmt. Doch auch abseits der Heiligen Pforten war jede Menge los. Katholisch.de blickt auf das Jahr zurück.

Von Steffen Zimmermann |  Bonn - 12.12.2016

2. Februar: Abschluss des "Jahres der Orden"

Mit einer Messe im Petersdom beendet Papst Franziskus am 2. Februar das "Jahr der Orden". Bei dem Gottesdienst mit mehreren tausend Ordensleuten ruft das Kirchenoberhaupt die Gemeinschaften zur Mission in der Welt von heute auf. Sie sollten die Freude und das Leid, die Hoffnungen und Ängste ihrer Mitmenschen teilen und stets nahe bei den Armen und Leidenden sein. Franziskus hatte das Ordensjahr am 30. November 2014 eröffnet. Es sollte die Aufmerksamkeit und Wertschätzung für Orden fördern und ihre Rolle in der modernen Gesellschaft schärfer definieren.

12. Februar: Botschaft der Bischöfe zum Gesprächsprozess

Fünf Monate nach dem letzten Forum in Würzburg veröffentlichen die deutschen Bischöfe am 12. Februar eine gemeinsame Botschaft zum Abschluss des überdiözesanen Gesprächsprozesses. Darin würdigen sie das Diskussionsklima während der fünfjährigen Dialoginitiative. Die "Gespräche auf Augenhöhe" hätten den wechselseitigen Respekt "vor der Expertise und dem Engagement des Anderen" erhöht. Zugleich kündigen die Bischöfe an, künftig regelmäßig zu Gesprächsforen über den Kurs der Kirche einzuladen. Der Gesprächsprozess war im Jahr 2011 vom damaligen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, angestoßenen worden und sollte nach dem Missbrauchsskandal einen Dialog über die Zukunft der Kirche in Deutschland ermöglichen.

12. bis 18. Februar: Papstreise nach Kuba und Mexiko

Es ist eine spektakuläre Reise: Eine Woche lang reist Papst Franziskus Mitte Februar durch Mexiko. Bereits auf dem Hinflug kommt es bei einer Zwischenlandung auf Kuba zu einer historischen Begegnung mit dem Moskauer Patriarchen Kyrill I. Es ist das erste Treffen überhaupt eines Papstes mit dem Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche. Dabei unterzeichnen Franziskus und Kyrill I. eine gemeinsame Erklärung, in der es um den Schutz der vom Islamismus bedrohten Minderheiten im Nahen Osten und in Teilen Afrikas sowie um die Beilegung alter Streitigkeiten zwischen den Kirchen in Osteuropa und Russland geht. In Mexiko besucht Franziskus anschließend Orte, die für Lateinamerikas Probleme stehen: Rassismus, Drogenhandel, Migration. Emotionale Höhepunkte sind dabei der Besuch in Morelia, der Hauptstadt des vom Drogenkrieg geplagten Bundesstaates Michoacan, und ein Gottesdienst am Grenzzaun zu den USA, wo der Papst einen Appell gegen die Ausbeutung von Migranten formuliert.

15. bis 18. Februar: Vollversammlung der Bischöfe in Schöntal

Vier Tage lang kommen die deutschen Bischöfe Mitte Februar in Kloster Schöntal im Nordosten Baden-Württembergs zu ihrer Frühjahrs-Vollversammlung zusammen. Zentrales Thema der Versammlung ist einmal mehr die Flüchtlingskrise. Dazu veranstalten die Oberhirten einen eigenen Studientag, außerdem verabschieden sie "Leitsätze des kirchlichen Engagements für Flüchtlinge". Darin betonen die Bischöfe, dass es Teil des christlichen Selbstverständnisses sei, Schutzsuchenden Hilfe zuteilwerden zu lassen. Weitere Themen der Vollversammlung sind die Ökumene und das bevorstehende Reformationsgedenken sowie Rückblicke auf den Ad-limina-Besuch im Vatikan und den zu Ende gegangenen Gesprächsprozess.

8. April: Veröffentlichung von "Amoris laetitia"

Unter dem Titel "Amoris laetitia" veröffentlicht Papst Franziskus am 8. April sein mit Spannung erwartetes Schreiben zur Bischofssynode über Ehe und Familie im Oktober 2015. Darin kündigt das Kirchenoberhaupt an, mehr Barmherzigkeit in der Anwendung der kirchlichen Morallehre zulassen zu wollen; grundsätzlich hält er aber an den geltenden Normen zu Ehe und Familie fest. Die vieldiskutierte Frage des Kommunionempfangs für wiederverheiratete Geschiedene erwähnt Franziskus in dem Text nur indirekt - in Fußnote 351. Er deutet aber an, dass die Normen der Sakramentenordnung nicht starr aufzufassen seien, sondern ihre Anwendung von der individuellen Schwere der Schuld abhänge. Franziskus ermutigt daher zu einer "verantwortungsvollen persönlichen und pastoralen Unterscheidung der je spezifischen Fälle". Um die Frage des Kommunionempfangs kommt es in den Monaten nach der Veröffentlichung von "Amoris laetitia" zu einer heftigen innerkirchlichen Debatte.

Papst Franziskus trifft Flüchtlinge auf Lesbos.
Bild: © KNA

Papst Franziskus trifft Flüchtlinge auf Lesbos.

16. April: Papstreise auf die "Flüchtlingsinsel" Lesbos

Mit einer Tagesreise auf die griechische Insel Lesbos macht Papst Franziskus am 16. April einmal mehr auf das Schicksal von Flüchtlingen aufmerksam. Gemeinsam mit dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. und dem Athener Erzbischof Hieronymos II. besucht das Kirchenoberhaupt Asylsuchende in einem Aufnahmelager der "Flüchtlingsinsel". Zudem unterzeichnen die drei Geistlichen eine gemeinsame Erklärung, in der sie ihre Sorge um die "ernsteste humanitäre Krise seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs" äußern und zu Solidarität und Offenheit aufrufen. Auf dem Rückflug nimmt Franziskus zwölf syrische Flüchtlinge mit nach Rom. Die drei muslimischen Familien werden nach der Ankunft in der italienischen Hauptstadt zunächst von der katholischen Gemeinschaft Sant'Egidio untergebracht und betreut.

29. April: Heinrich Timmerevers wird Bischof von Dresden-Meißen

Papst Franziskus ernennt am 29. April den Münsteraner Weihbischof Heinrich Timmerevers zum neuen Bischof von Dresden-Meißen. Der 63-Jährige folgt auf Heiner Koch, der im September 2015 als Erzbischof nach Berlin gewechselt war. Timmerevers stammt aus Garrel-Nikolausdorf im Landkreis Cloppenburg. Nach seiner Priesterweihe 1980 war er zunächst in der Gemeindeseelsorge und der Priesterausbildung tätig, 2001 wurde er vom damaligen Münsteraner Bischof Reinhard Lettmann zum Bischof geweiht. Seitdem leitete Timmerevers das Bischöflich Münstersche Offizialat in Vechta und stand damit an der Spitze der Katholiken im niedersächsischen Teil des Bistums Münster.

6. Mai: Verleihung des Karlspreises an Papst Franziskus

Für sein "herausragendes Engagement für Frieden, Verständigung und Barmherzigkeit in einer europäischen Gesellschaft der Werte" erhält Papst Franziskus am 6. Mai im Vatikan den Internationalen Karlspreis. Bei der Verlesung der Urkunde sagt der Vorsitzende des Karlspreis-Direktoriums, Jürgen Linden, Franziskus gebe "Mut und Zuversicht, Europa wieder zu dem Traum zu machen, den wir seit mehr als 60 Jahren zu träumen gewagt haben". An der Zeremonie im Apostolischen Palast nehmen unter anderen Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie die Spitzen der Europäischen Union teil.

16. Mai: Rücktritt von Kardinal Karl Lehmann

Es ist eine Zäsur für die katholische Kirche in Deutschland: Nach fast 33 Jahren als Bischof von Mainz tritt Kardinal Karl Lehmann am 16. Mai - seinem 80. Geburtstag - aus Altersgründen zurück. Mit einem Gottesdienst im Mainzer Dom und einem Festakt in der Rheingoldhalle nimmt der beliebte Oberhirte Abschied von den Gläubigen seiner Diözese. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, bezeichnet Lehmann in einem Grußwort als "großes Geschenk". Lehmann, der von 1987 bis 2008 selbst Vorsitzender der Bischofskonferenz war, habe mit seinem Wirken die Herzen der Menschen erreicht und die Kirche Deutschlands nachhaltig geprägt, so der Münchner Kardinal.

19. Mai: Start des Projekts "Valerie und der Priester"

"Valerie und der Priester" - was wie der Titel einer Telenovela klingt, ist in Wahrheit eines der spannendsten Projekte der kirchlichen Öffentlichkeitsarbeit im Jahr 2016. Ein Jahr lang begleitet die Journalistin Valerie Schönian vom 19. Mai an den Münsteraner Kaplan Franziskus von Boeselager in seinem Alltag als Priester. Ziel des Projekts, das von der Deutschen Bischofskonferenz und dem Zentrum für Berufungspastoral initiiert wurde, ist es, das Image des Priesterberufs aufzupolieren und einem Publikum auch jenseits der Kirche Einblick in Leben und Arbeit eines Geistlichen zu geben. In unregelmäßigen Abständen trifft Schönian, die vorher kaum Bezugspunkte zur Kirche hatte, den Priester und spart bei den gemeinsamen Gesprächen auch kontroverse Themen nicht aus. Über die Treffen entstehen Texte und Videos.

Ein Mädchen hält den grünen Schal des Katholikentags hoch. Zu lesen ist das Motto des Katholikentags "Seht, da ist der Mensch".
Bild: © KNA

Fünf Tage lang erstrahlt Leipzig Ende Mai in Grün, der Farbe des 100. Deutschen Katholikentages.

25. bis 29. Mai: Katholikentag in Leipzig

Unter dem Leitwort "Seht, da ist der Mensch" findet Ende Mai in Leipzig der 100. Deutsche Katholikentag statt. Fünf Tage lang steht die sächsische Messestadt damit ganz im Zeichen des größten Katholikentreffens Deutschlands. Nach Angaben der Veranstalter nehmen rund 34.000 Dauer- und 6.000 Tagesgäste am Katholikentag teil, darunter auch zahlreiche Prominente wie Bundespräsident Joachim Gauck und Bundestagspräsident Norbert Lammert. Ein wichtiges Thema des Treffens ist die Flüchtlingskrise. Beim Abschlussgottesdienst am 29. Mai mahnt Kardinal Reinhard Marx unter dem Beifall der Gläubigen eine menschenwürdige Flüchtlingspolitik an. An der europäischen Grenze dürften nicht jedes Jahr tausende Menschen ums Leben kommen, so der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz.

24. bis 26. Juni: Papstreise nach Armenien

Es ist eine Reise in die "älteste christliche Nation" der Welt: Drei Tage lang besucht Papst Franziskus Ende Juni Armenien. Geprägt ist die Reise vor allem von dem Gedenken an die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich vor 100 Jahren. Der Papst bekräftigt bei seinem Besuch, dass es sich dabei um einen Völkermord gehandelt habe. Die Türkei weist diese Lesart zurück.

1. Juli: Georg Bätzing wird Bischof von Limburg

Er tritt ein schweres Erbe an: Der Trierer Generalvikar Georg Bätzing wird am 1. Juli von Papst Franziskus zum Bischof von Limburg ernannt. Der 55-Jährige folgt auf Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst, der im Jahr 2014 im Zuge der Affäre um das neue Bischofshaus von seinem Amt zurückgetreten war. Bätzing wurde 1987 in Trier zum Priester geweiht. Von 1996 bis 2010 war er als Leiter des Priesterseminars für die Priesterausbildung im Bistum Trier verantwortlich. Er gab dieses Amt ab, um sich ganz seiner Aufgabe als Leiter der Trierer Heilig-Rock-Wallfahrt im Jahr 2012 widmen zu können. Nach der Wallfahrt wurde Bätzing vom Bischof Stephan Ackermann zum Generalvikar des Bistums ernannt.

15. Juli: Veröffentlichung der Kirchenstatistik 2015

Nach dem Negativ-Rekord im Vorjahr ist die Zahl der Kirchenaustritte 2015 wieder gesunken. Das geht aus der Kirchenstatistik hervor, die am 15 Juli veröffentlicht wird. Demnach erklärten im vergangenen Jahr 181.925 Gläubige ihren Austritt aus der katholischen Kirche - rund 36.000 weniger als 2014. Für den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, sind diese Zahlen dennoch kein Grund zur Freude. Obwohl die Kirchenaustritte durchaus zurückgegangen seien, "muss uns die dennoch hohe Ziffer weiterhin anhalten, in unserem seelsorglichen Bemühen nicht nachzulassen", so Marx. Es gibt in den veröffentlichten Zahlen aber auch positive Entwicklungen: So ist die Zahl der Taufen und Trauungen 2015 laut Statistik erstmals seit mehreren Jahren wieder gestiegen.

26. Juli: Terroranschlag in Saint-Étienne-du-Rouvray

Es ist ein barbarischer Terrorakt: Am Vormittag des 26. Juli stürmen zwei islamistische Angreifer die katholische Kirche in der nordfranzösischen Stadt Saint-Etienne-du-Rouvray, nehmen fünf Menschen, die dort gerade eine Messe feiern, als Geiseln und töten den 85-jährigen Priester Jacques Hamel. Als die Täter gegen 11 Uhr die Kirche verlassen, werden sie von der Polizei erschossen. Später reklamiert die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) die Tat für sich. Bereits kurz nach dem Anschlag bringt der Erzbischof von Rouen eine mögliche Seligsprechung des getöteten Priesters ins Gespräch: Der Tod Hamels sei "das ultimative Zeugnis für seinen Glauben an Christus, den er lebenslang bekundet hat", so Erzbischof Dominique Lebrun. Und tatsächlich: Am 2. Oktober eröffnet der Vatikan unter Umgehung der eigentlich üblichen Wartefrist von fünf Jahren nach dem Tod das Seligsprechungsverfahren.

Papst Franziskus kommt!
Bild: © katholisch.de

Papst Franziskus wird auf dem Campus Misericordiae vor der Vigil begeistert empfangen.

26. bis 31. Juli: Weltjugendtag in Krakau

"Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden" - unter diesem Leitwort findet Ende Juli in Krakau der Weltjugendtag statt. Das sechstägige Glaubenstreffen lockt Hunderttausende Jugendliche aus mehr als 180 Ländern in die zweitgrößte Stadt Polens, die gemeinsam mit Papst Franziskus beten und ihren Glauben feiern. Emotionale Höhepunkte des päpstlichen Programms sind ein Besuch im ehemaligen deutschen Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau sowie die Abschlussmesse unter freiem Himmel, an der nach Schätzungen des Vatikan rund 1,5 Millionen Menschen teilnehmen. Bei der Messe verkündet der Papst auch, wann und wo der nächste Weltjugendtag stattfindet: 2019 in Panama.

4. September: Heiligsprechung von Mutter Teresa

Gefühlt war sie es schon lange, doch erst jetzt wird es offiziell: Mutter Teresa (1910-1997) ist heilig! Am 4. September wird die Ordensgründerin und Friedensnobelpreisträgerin, die durch ihren Einsatz in den Slums von Kalkutta bekannt wurde, von Papst Franziskus im Vatikan zur Ehre der Altäre erhoben. Zu der festlichen Zeremonie auf dem Petersplatz, die unter starken Sicherheitsvorkehrungen stattfindet, versammeln sich mehr als 100.000 Menschen, darunter 13 Staats- und Regierungschefs aus aller Welt. Nach der Heiligsprechung lädt Franziskus 1.500 Obdachlose und Arme aus ganz Italien zum Mittagessen in den Vatikan ein.

19. bis 22. September: Vollversammlung der Bischöfe in Fulda

Von den Wahlen für die Bischöflichen Kommissionen über die neue Bibelübersetzung bis hin zu einem Studientag zum Thema Armut und Ausgrenzung: Die Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz vereint eine Fülle wichtiger Themen. Bei den Kommissionswahlen, die turnusmäßig alle fünf Jahre stattfinden, überrascht vor allem das Votum für die wichtige Glaubenskommission. Hier wird der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann Nachfolger des emeritierten Kardinals Karl Lehmann an der Spitze der Kommission. Wiesemanns Platz an der Spitze der Jugendkommission übernimmt der Passauer Bischof Stefan Oster, Hamburgs Erzbischof Stefan Heße übernimmt neben seinem Amt als Flüchtlingsbeauftragter auch die Migrationskommission und der Freiburger Erzbischof Stephan Burger wird Vorsitzender der Kommission für caritative Fragen. Vorgestellt wird in Fulda auch die neue Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift. Der Erfurter Altbischof Joachim Wanke, der seit 2008 federführend mit der neuen Übersetzung betraut war, sieht die Neufassung als "moderate Revision". Man habe einerseits an der Verständlichkeit gearbeitet, andererseits sei die Revision näher am Urtext, so dass die Sprache biblischer wirke. Bei ihrem Studientag schließlich beschäftigen sich die Bischöfe mit Armut und Ausgrenzung als Herausforderung für die Kirche in Deutschland.

23. September: Helmut Dieser wird Bischof von Aachen

Der Trierer Weihbischof Helmut Dieser wird am 23. September von Papst Franziskus zum neuen Bischof von Aachen ernannt. Der 54-Jährige folgt auf Heinrich Mussinghoff, der im Dezember 2015 altersbedingt in den Ruhestand getreten war. Dieser wurde am 15. Mai 1962 im rheinland-pfälzischen Neuwied geboren. Nach dem Abitur begann er ein Theologiestudium in Trier und Tübingen. Vom damaligen Trierer Bischof Hermann Josef Spital empfing er 1989 die Priesterweihe und ging als Kaplan nach Bad Neuenahr-Ahrweiler. 1992 wurde er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Theologischen Fakultät in Trier, später auch Lehrbeauftragter für Predigtlehre am Priesterseminar. 1998 promovierte Dieser mit einer Arbeit zur Theologie von Hans Urs von Balthasar. Ab 2004 arbeitete er als Pfarrer in mehreren Eifelgemeinden, bevor er 2011 Weihbischof wurde.

29. September: Zweiter katholischer Flüchtlingsgipfel

140 Praktiker, Experten und Ehrenamtliche der kirchlichen Flüchtlingshilfe treffen sich am 29. September in Frankfurt am Main zum zweiten katholischen Flüchtlingsgipfel. Nach einem ersten Treffen im November 2015 in Würzburg geht es diesmal vor allem um Fragen gelingender Integration. "Flüchtlingsbischof" Stefan Heße drängt bei dem Treffen darauf, dass sich Kirche und Gesellschaft offen mit den anstehenden Herausforderungen der Integration auseinandersetzen: "Letztlich geht es darum, dass sich Neuankommende und Alteingesessene gleichermaßen mit unserem Gemeinwesen identifizieren und aktiv an seiner Gestaltung mitwirken können." Dabei stellten die Werte und Normen des Grundgesetzes die Basis für den Prozess der Integration dar.

Erzbischof Heße spricht mit Flüchtlingen
Bild: © dpa

Die Flüchtlingskrise blieb auch im Jahr 2016 ein wichtiges Thema für die Kirche. Im Fokus ist dabei immer wieder auch "Flüchtlingsbischof" Stefan Heße (r., im Gespräch mit Flüchtlingen).

30. September bis 2. Oktober: Papstreise nach Georgien und Aserbaidschan

Der Vatikan spricht von "einer Reise in zwei Etappen": Nach seinem Armenien-Besuch Ende Juni reist Papst Franziskus Ende September erneut in den Kaukasus. Diesmal besucht er das orthodox geprägte Georgien und das muslimische Aserbaidschan. In beiden Ländern spricht das Kirchenoberhaupt der katholischen Minderheit Mut zu. "Nur Mut, vorwärts, ohne Angst", ruft er den Gläubigen am letzten Tag der Reise bei einem Gottesdienst in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku zu. Sie seien eine "kleine, in den Augen Gottes ganz kostbare Herde". Ungewöhnlich gering fällt während der gesamten Reise die Resonanz auf die öffentlichen Auftritte von Franziskus aus; teilweise gibt es sogar Proteste gegen den Papstbesuch.

16. bis 22. Oktober: Ökumenische Pilgerreise ins Heilige Land

Mit einer Pilgerfahrt zu den "Wurzeln des Glaubens" beginnen die Deutschen Bischofskonferenz und der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ihre gemeinsamen Feierlichkeiten zum Reformationsgedenken 2017. Jeweils neun Vertreter von Bischofskonferenz und EKD besuchen Mitte Oktober die biblischen Stätten am See Genezareth und in Jerusalem. Auf den Spuren Jesu führt die Reise an die gemeinsamen christlichen Ursprungsorte und soll so "die Verbundenheit im Glauben" zum Ausdruck bringen. Während die Teilnehmer zum Abschluss eine positive Bilanz der Reise ziehen, entbrennt kurze Zeit später in einigen säkularen Medien eine heftige Debatte um den Besuch der deutschen Delegation auf dem Tempelberg. Dort hatten der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, und der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm bei der Besichtigung der islamischen Heiligtümer ihre Brustkreuze nicht offen sichtbar getragen. In manchen Medien und in Kommentaren auf Facebook und Twitter wird dies als "Einknicken" vor dem Islam und als Geste der Unterwerfung und Feigheit gedeutet.

31. Oktober bis 1. November: Papstreise nach Schweden

Zum Auftakt des Reformationsgedenkens reist Papst Franziskus am 31. Oktober zum Lutherischen Weltbund ins schwedische Lund. Es ist das erste Mal, dass ein Papst zusammen mit Lutheranern an die Reformation erinnert. Franziskus ermuntert bei seinem Besuch dazu, sich nicht mit der Trennung abzufinden und auf eine Überwindung der Kirchenspaltung hinzuarbeiten. Ein wichtiger Schritt auf diesem Weg ist die Gemeinsame Erklärung, die Papst Franziskus und der Präsident des Lutherischen Weltbundes, Bischof Munib Younan, in Lund unterzeichnen. Darin bekunden beide Seite, ihre theologischen Bemühungen um ein gemeinsames Abendmahl zu vertiefen. "Viele Mitglieder unserer Gemeinschaften sehnen sich danach, die Eucharistie in einem Mahl zu empfangen als konkreten Ausdruck der vollen Einheit", heißt es in der Erklärung.

19. November: Konsistorium im Vatikan

Franziskus bleibt sich treu: Beim dritten Konsistorium seines Pontifikats stärkt der Papst erneut die Ränder der Weltkirche. Von den 17 Männern, die am 19. November neu in das Kardinalskollegium aufgenommen werden, stammen fünf aus Ländern, die noch nie einen Kardinal gestellt haben: Bangladesch, Papua-Neuguinea, Malaysia, Zentralafrikanische Republik und Lesotho. Ein Deutscher ist dagegen diesmal nicht unter den neuen Purpurträgern.

20. November: Abschluss des Heiligen Jahres

Mit dem Verschließen der Heiligen Pforte im Petersdom durch Papst Franziskus endet am 20. November das Heilige Jahr der Barmherzigkeit. Die "wahre Pforte der Barmherzigkeit, das Herz Christi", stehe jedoch weiter offen, betont Franziskus bei der Zeremonie. Er mahnt, nie "die Türen der Versöhnung und der Vergebung zu verschließen, sondern stets über das Böse und die Divergenzen" hinauszugehen. Bei einer anschließenden Messe auf dem Petersplatz fordert der Papst die Menschen zudem zu mehr Nächstenliebe auf. Jeder solle sich täglich fragen: "Was verlangt die Liebe von mir, wohin drängt sie mich? Welche Antwort gebe ich Jesus mit meinem Leben?", so das Kirchenoberhaupt. Das Heilige Jahr war am 8. Dezember 2015 eröffnet worden. Allein in Rom durchschritten nach Angaben des Vatikan mehr als 20 Millionen Gläubige die fünf Heiligen Pforten, weltweit sollen sogar 950 Millionen Menschen auf diese Weise am Heiligen Jahr teilgenommen haben.

Von Steffen Zimmermann