Bericht der Deutschen Bischofskonferenz zum weltweiten synodalen Prozess

Deutscher Beitrag zur Weltsynode: Kirche muss sich erneuern

Aktualisiert am 05.08.2022  –  Lesedauer: 

Bonn ‐ Die erste Phase des weltweiten synodalen Prozesses neigt sich dem Ende. Jetzt wurde auch der deutsche Beitrag veröffentlicht – inklusive der Forderung nach einer klaren Positionierung der Bischöfe zu strittigen Themen wie einer Neubewertung der Sexualmoral oder dem Zugang zu kirchlichen Ämtern.

  • Teilen:

In ihrer Zusammenfassung der diözesanen Rückmeldungen zum weltweiten synodalen Prozess betont die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) die Bedeutung einer Erneuerung der Kirche, um glaubwürdiger zu werden. "Um das Vertrauen in die Kirche wiederherzustellen, braucht es eine klare Positionierung der Bischöfe zu den drängenden Anfragen dieser Zeit wie den gleichberechtigten Zugang aller Getauften zu den kirchlichen Ämtern, eine Neubewertung in der Sexualmoral und einen diskriminierungsfreien Umgang mit homosexuellen und queeren Menschen", heißt es am Schluss des am Freitag veröffentlichten Berichts. In Bezug auf den Missbrauchsskandal in der Kirche brauche es zudem eine klare Übernahme von Verantwortung, Kontrolle von Macht sowie den Versuch der Wiedergutmachung gegenüber den Betroffenen. "Eine synodale Kirche kann nur gelingen, wenn die Übernahme von Verantwortung durch alle Gläubigen und deren Beteiligung an Entscheidungen auf Pfarrei- und Bistumsebene möglich ist."

Die Katholiken in Deutschland blickten "mit Hoffnung auf den Synodalen Weg der Weltkirche", heißt es in dem Dokument. "Sie betrachten diesen Weg als gute Möglichkeit, um einerseits die eigenen synodalen Erfahrungen einzubringen, andererseits aber auch die dabei gewonnenen Erkenntnisse über notwendige weitere Schritte der Kirche auf ihrem Pilgerweg durch die Zeit." Die Anzahl der Gläubigen, die sich in den Diözesen an den Befragungen zum weltweiten synodalen Prozess beteiligt hätten, liege allerdings im untersten einstelligen Prozentbereiche, konstatiert die DBK. Dabei seien jedoch alle Gruppen der engagierten Gläubigen vertreten.

Einige von Synodalität enttäuscht, andere lehnen sie ab, Mehrheit sehne sich danach

Mit Blick auf synodale Prozesse zeige sich eine gewisse Ambivalenz. "Einige sind so enttäuscht, dass sie von einer neu beschworenen Synodalität nichts mehr erwarten. Andere lehnen diese ab und wollen, dass alles beim Alten bleibt", heißt es in dem Dokument. Die große Mehrheit aber sehne sich nach einer "umfassenden Kultur der Synodalität, die von Offenheit, Empathie und Authentizität und einer Spiritualität des gemeinsamen Gehens geprägt ist".

Trotz der geschaffenen synodalen Strukturen wie etwa Pfarrgemeinderäte oder Katholikenräte sei die Zahl derjenigen, die sich aktiv am Gemeindeleben beteilige in den vergangenen Jahrzehnten insgesamt aber zurückgegangen. "Während die große Mehrheit der Kirchenmitglieder wenig Interesse zeigt, sich aktiv am Leben der Kirche zu beteiligen, betrachtet ein großer Teil der kirchlich engagierten Laien die bestehenden Möglichkeiten, die Kirche mitzugestalten, als unzureichend."

Der Bericht der Deutschen Bischofskonferenz zur Weltbischofssynode 2023

Hier finden Sie die Zusammenfassung der diözesanen Rückmeldungen zum weltweiten synodalen Prozess im Wortlaut.

Außerdem werde die Kirche oft als "definierende und nicht zuhörende Institution" wahrgenommen. Ein wichtiges Ergebnis eines synodalen Prozesses sei es deshalb, eine "Kultur des Hörens und Wahrnehmens" zu entwickeln. Die Eucharistie habe für nicht wenige Gläubige an Bedeutung eingebüßt, daher werde mehr Vielfalt an alternativen wie traditionellen Gottesdienstformen sowie liturgische Tauffeiern und Eheassistenz durch Laien gewünscht.

In der Praxis würden sich viele engagierte Gläubige in ihrer Verantwortung für die Sendung ausgebremst fühlen. Entscheidungen würden "von oben herab" vorgegeben, wodurch Charismen, Engagement und Begeisterung versiegten. Vor allem Frauen, junge Menschen und Ehrenamtliche beklagten ihre mangelnde Teilhabe: "Wir wollen nicht, dass nur über uns entschieden wird, sondern mit uns." Konkret werde etwa eine Beteiligung von Frauen mit Stimmrecht an der Weltbischofssynode gefordert.

Themen des Synodalen Wegs sollten in Weltbischofssynode eingebracht werden

Im Bericht werden auch die Hintergründe und die Organisationsform des Synodalen Wegs in Deutschland erläutert, der darauf ausgerichtet sei, "die Beteiligung engagierter Katholikinnen und Katholiken und die Einbeziehung vorhandener Expertise zu ermöglichen und andererseits auch die ekklesiologisch und kirchenrechtlich unabdingbare Entscheidungskompetenz der Bischöfe zu achten." Ziel sei es, die systemischen Ursachen des Missbrauchs zu beseitigen und so das Evangelium in Zukunft wieder glaubhaft verkünden zu können. Dabei sei auch die Kontinuität mit der Lehre und die Gemeinschaft der Weltkirche zu wahren. Die Synodalversammlungen fänden insgesamt ein breites Echo in der kirchlichen und außerkirchlichen Öffentlichkeit, "die Resonanz in den Gemeinden ist hingegen eher gering." Die Rückmeldungen aus den Diözesen wünschten jedoch, dass die Themen des Synodalen Wegs in Deutschland als "wichtige ortskirchliche Anliegen" in die Weltbischofssynode eingebracht würden. Die sei Voraussetzung für eine neue Glaubwürdigkeit der Kirche in Deutschland und ihrer Sendung.

Der 13-seitige Bericht ist eine Zusammenfassung der Rückmeldungen der 27 deutschen (Erz-)Diözesen und des Katholischen Militärbischofsamts zu den zehn Fragestellungen des weltweiten synodalen Prozesses. Der Prozess dient der Vorbereitung der Weltbischofssynode 2023 zum Thema Synodalität. Die diözesane Phase dauert noch bis Mitte August. (cbr)