Geschlechtergerechtigkeit im Amt als Zielperspektive

Knop: Taufen durch Laien in Stuttgart und Essen sind Notlösungen

Aktualisiert am 07.11.2022  –  Lesedauer: 

Stuttgart ‐ In Essen und Rottenburg-Stuttgart können auch Laien die Taufe spenden. Die Dogmatikprofessorin Julia Knop sieht darin eine Notlösung. Bei den Beauftragungen werde darauf geachtet, dass der Unterschied zwischen Klerikern und Laien sichtbar bleibe.

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Die Erfurter Theologin Julia Knop hat die Laientaufe in den Diözesen Rottenburg-Stuttgart und Essen als Notlösung bezeichnet. Bei der Taufbeauftragung von Laien werde darauf geachtet, dass der Unterschied zwischen Klerikern und Laien weiterhin sichtbar sei, sagte Knop in einem am Montag veröffentlichten Gespräch der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart. So werde etwa darauf geachtet, dass die Salbung mit Chrisam Klerikern vorbehalten bleibe, kritisierte die in Erfurt lehrende Dogmatikprofessorin. Insgesamt zeichne sich jedoch eine Transformation des Amtes in der Kirche ab.

Sehe man über die Kleriker-Laien-Differenz hinweg, gebe es "schon ein ganz großes Spektrum von neuen Ämtern" in der Kirche, sagte Knop weiter. Als Beispiel nannte sie die Krankenhausseelsorge. Solche Ämter seien kirchlich noch nicht anerkannt, jedoch folge die Theologie der Praxis. "Was wissen wir denn, was in den Krankenhäusern passiert? Wenn eine wirklich gute Pastoralreferentin in der Klinikseelsorge oder im Hospiz Menschen begleitet, dann sagt sie doch hoffentlich am Ende nicht ‘Das darf ich nicht’, ‘Das geht jetzt nicht’ oder ‘Ich lasse Dich alleine sterben’." Ob man das dann Sakrament oder Segen nenne, sei zweitranging. Die Frage, ob etwas erlaubt oder gültig sei, bezeichnete Knop als eine "theoretische und sehr standesspezifische Fragestellung".

Knop äußerte sich auch zur Frauenordination. "Die Tradition zum Nein zur Frauenordination ist eine ganz junge Tradition, weil sie erst seit den 70er Jahren ein Thema ist." Die Diskussion darüber versuche das Lehramt machtvoll zu beenden und diese "Basta-Entscheidung" durch die Prüfung von Rechtgläubigkeit bei Bischofskandidaten weiterzuführen. Ziel der Kirchenreform sei es, die Fülle des Amtes geschlechtergerecht zu gestalten, sagte die Theologin. Dabei komme der universitären Theologie die Aufgabe zu, "Konstruktionen, die da aufgebaut werden und Sakralisierungen aufzudecken." Die Theologie sei nicht die Erfüllungsgehilfin des Lehramtes.  

Taufe durch Laien in Essen und Rottenburg-Stuttgart

Im Frühjahr hatte das Bistum Essen als bundesweit erste Diözese Laien – und darunter vor allem Frauen – erlaubt, die Taufe zu spenden. Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck beauftragte in einem Gottesdienst 17 Pastoral- und Gemeindereferentinnen sowie einen Gemeindereferenten für die sonst in der Regel Geistlichen vorbehaltene Sakramentenspendung. Mit der Beauftragung der außerordentlichen Taufspenderinnen und -spendern reagiere das Bistum auf eine seelsorgerlich "schwierige Situation", die durch die rückläufige Zahl von Diakonen und Priestern entstanden sei, hieß es. Die Diözese Rottenburg-Stuttgart plant für Herbst 2023 eine Feier, bei der bis dahin fortgebildete Theologen öffentlich zum Taufen beauftragt werden sollen. Der Rottenburg-Stuttgarter Bischof Gebhard Fürst hatte bereits im Mai vergangenen Jahres erklärt, die Taufe durch Laien zu prüfen. Ein entsprechendes Konzept wurde im März im Bistum beraten. Auch in anderen deutschen Diözesen gibt es Forderungen nach der Taufe durch Laien. Unter Theologen ist das Vorgehen umstritten. (ben)