Schwartz auf Weiß – Der Blog aus der Aula der Weltsynode: Teil 5

Eine synodale Kirche: Mehr Wohlwollen, weniger Häresieverdacht

Veröffentlicht am 14.10.2023 um 00:01 Uhr – Von Thomas Schwartz – Lesedauer: 

Bonn ‐ Was macht ein synodales Miteinander in der Kirche aus? Thomas Schwartz formuliert in seinem Synoden-Blog für katholisch.de seinen Traum von einer Haltung des Wohlwollens: eine Kirche, in der man sich von anderen Meinungen nicht angegriffen fühlt.

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Beim Pausenkaffee sprach ich dieser Tage mit einem italienischen Synodenteilnehmer über unsere Wünsche für eine synodale Kirche und ein synodales Miteinander. Seine Antwort hat mich berührt: "Dobbiamo vivere insieme – senza sospetto!"

Zusammenleben ohne gleich den anderen zu verdächtigen, nicht mehr katholisch zu sein oder sein zu wollen.

Bild: ©Renovabis/Daniela Schulz

Pfarrer Thomas Schwartz ist Hauptgeschäftsführer des Osteuropa-Hilfswerks Renovabis.

Ich nenne das eine Haltung des Wohlwollens. Wenn eine synodale Kirche eine Kirche des gegenseitigen Wollwollens wird, dann fühlen wir uns nicht von jeder Meinung, die sich von meiner unterscheidet, angegriffen und an den Rand gestellt. Weniger Häresieverdacht, mehr Vertrauen in die Glaubenstreue der Schwestern und Brüder. Eine Synodalität des Wohlwollens wird auch die Unterschiede zwischen den verschiedenen Ortskirchen und den Herausforderungen, vor denen sie stehen, ernst nehmen und mit Interesse begleiten. Sie wird das mehr im Gebet als in der permanenten Kritik tun. Eine synodale Kirche des Wohlwollens wird eine neugierige und fragende Kirche sein und zugleich eine Kirche, die angstfrei von ihren eigenen Sorgen berichten kann. Sie wird nicht fürchten, sich für ihre synodalen Entscheidungen rechtfertigen zu müssen, sondern kann darauf hoffen, von den Brüdern und Schwestern Unterstützung und Verständnis und wenn nicht dieses, so doch wenigstens Toleranz und Geduld entgegengebracht zu bekommen.

Von einer solchen synodalen Kirche träume ich – wohlwollend zusammenleben – ohne Verdacht: Vivere insieme – senza sospetto!

Von Thomas Schwartz

Hinweis

Prof. Dr. Thomas Schwartz ist Hauptgeschäftsführer des Osteuropa-Hilfswerks Renovabis und Teilnehmer der Weltbischofssynode zur Synodalität in Rom. Für katholisch.de berichtet er in einem eigenen Blog regelmäßig von seinen Eindrücken aus der Synodenaula.