Schwartz auf Weiß – Der Blog aus der Aula der Weltsynode: Teil 9

Eine synodale Kirche ist auch immer solidarisch

Veröffentlicht am 21.10.2023 um 00:01 Uhr – Von Thomas Schwartz – Lesedauer: 

Bonn ‐ In seinem Text von der Weltsynode widmet sich Thomas Schwartz dieses Mal dem globalen Süden. Denn eine synodale Kirche sei immer auch solidarisch, schreibt er. Gerade mit Blick auf die Finanzen der Zukunft mahnt er die Kirche in Deutschland.

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"Vergesst uns nicht!", sagt mir ein Synodenteilnehmer aus dem globalen Süden. "Vergesst uns nicht! Hört auf unsere Schreie!" Ein Appell, auf die Not zu schauen, die es in vielen Ländern unseres Planeten gibt. Kriege, der Klimawandel, politische Instabilität – die Not dieser Welt hat viele Gründe. Selten sind wir in den reichen Ländern daran unbeteiligt. Auf die ein oder andere Weise tragen wir immer auch Mitverantwortung für das Leid und die Hoffnungslosigkeit so vieler Menschen unserer Einen Welt.

Eine Kirche, die sich synodal versteht, ist immer auch eine Kirche der Solidarität. Denn sie ist zu den Armen und Marginalisierten dieser Erde gerufen. Sie hat ihre Not zu ihrer ureigensten Sache zu machen. Eine synodale Kirche ist eine Kirche, die denen, die keine Stimme haben, Gehör verschafft. Sie ist eine Kirche, die mit offenen Augen, aber auch mit offenen Händen die Welt in den Blick nimmt und stets bereit ist, von dem was sie im Überfluss hat, denen zu geben, die nichts oder zu wenig haben.

All das hat die Kirche in Deutschland seit Jahrzehnten mit großem menschlichem Engagement, aber auch mit erheblichen kirchlichen Unterstützungsleistungen, privaten Spenden und auch öffentlichen Mitteln zu verwirklichen versucht. Wir haben in der Weltkirche damit eine Vertrauensbasis geschaffen, die uns zu glaubwürdigen Partnern der Ortskirchen im globalen Süden und in vielen Ländern Osteuropas hat werden lassen.

Bild: ©Renovabis/Daniela Schulz

Pfarrer Thomas Schwartz ist Hauptgeschäftsführer des Osteuropa-Hilfswerks Renovabis.

"Vergesst uns nicht!" Diese dringende Bitte wird an uns in einer Zeit herangetragen, in der die Einnahmen aus der Kirchensteuer absehbar deutlich abnehmen werden und Sparzwänge auch unsere Diözesen in Deutschland bedrücken werden. Allzu verständlich ist dann die Versuchung, dort zu sparen, wo es im eigenen Umfeld nicht wehtut, also bei der weltkirchlichen Arbeit.

Eine Kirche, die sich glaubwürdig synodal aufstellen möchte, hat sich einer solchen Versuchung entgegenzustellen. Wir dürfen die Armen nicht vergessen!

Ein interessanter Weg, die Solidarität einer weltweiten synodalen Kirche ernst zu nehmen, wird übrigens seit Jahren im Erzbistum Köln praktiziert. Dort werden prinzipiell drei Prozent des Diözesanhaushaltes für weltkirchliche Solidarität vorgehalten. Eine solche Quotierung wäre für die Kirche in Deutschland insgesamt ein innovativer Weg, Solidarität und Sparsamkeit zusammenzuführen. Auch bei geringer werdenden Einnahmen könnte so Erwartungssicherheit für die weltkirchliche Arbeit abgesichert werden. Wir könnten deutlich machen, dass wir den Ruf des Volkes in den benachteiligten Regionen unseres Planeten hören und ein glaubwürdiges Zeichen setzen, dass wir die Menschen dort nicht vergessen.

Von Thomas Schwartz

Hinweis

Prof. Dr. Thomas Schwartz ist Hauptgeschäftsführer des Osteuropa-Hilfswerks Renovabis und Teilnehmer der Weltbischofssynode zur Synodalität in Rom. Für katholisch.de berichtet er in einem eigenen Blog regelmäßig von seinen Eindrücken aus der Synodenaula.