Schwartz auf Weiß – Der Blog aus der Aula der Weltsynode: Teil 12

Weltsynode: Renovabis faciem Ecclesiae – ein bisschen jedenfalls

Veröffentlicht am 30.10.2023 um 00:01 Uhr – Von Thomas Schwartz – Lesedauer: 

Bonn ‐ Thomas Schwartz packt nach vier Wochen Synode seine Koffer im Vatikan. Neben ein paar Extrakilo nimmt er auch einiges für die nächsten Jahre und Jahrzehnte mit. Woran jetzt zu arbeiten ist, hat er in seinem letzten Blogbeitrag zu Weltsynode 2023 aufgeschrieben.

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Am Ende dieser ersten Etappe der Weltsynode, die am Sonntag mit einem feierlichen Schlussgottesdienst zu Ende gegangen ist, schaue ich von meinem Zimmer, in dem ich gerade die Koffer packe, auf die Synodenaula und frage mich: Was nehme ich aus diesen vier Wochen mit nach Deutschland? Ich denke dabei gewiss nicht an die drei bis vier Kilogramm Lebendgewicht, die ich nach dieser Zeit mit den mittäglichem Pranzi und abendlichen Cene, meist mit reichlich Wein aus den Albaner Bergen begleitet sich an meinem Kinn und rund um meinen Bauch und den Hüften zeigen.

Was hat diese Synode bewirken können. Welche Veränderungen sind durch sie zu erwarten?

Nichts und keine – könnte man im Blick auf das am Samstag beschlossene Synthese-Papier aus deutscher Sicht versucht sein, festzustellen. Es wurden ja keine Entscheidungen getroffen. Manche werden den Teilnehmern dieser Synode vorwerfen, diese vier Wochen mit freundlichen Gesprächen am Runden Tisch seien vergeudete Zeit gewesen. Denn es habe keine Beschlüsse im Blick auf die Ordination von Frauen, auf einen neuen Umgang mit Menschen nicht heterosexueller Identität oder im Blick auf eine Zulassung verheirateter Männer zum priesterlichen Dienst gefasst.

Bild: ©Renovabis/Daniela Schulz

Pfarrer Thomas Schwartz ist Hauptgeschäftsführer des Osteuropa-Hilfswerks Renovabis.

Ich sehe schon die Kommentare der "üblichen Verdächtigen" in den deutschen Medien, die wie immer mit spitzer Feder und larmoyanter Selbstgewissheit feststellen, man habe wieder nicht geliefert und es sei eine weitere Chance vertan worden.

Um es einmal ehrlich zu sagen: Ich kann das nicht mehr hören. Erstens stimmt das nicht, denn allein der Umgangsstil, mit dem in einer sich erstmals wirklich global erfahrenden Kirche miteinander sehr kontroverse Themen besprochen wurden, ist ein Riesenfortschritt gegenüber früheren Bischofsversammlungen.

Die Tatsache, dass nichtbischöfliche Teilnehmende – um es gendergerecht auszudrücken – mitreden und mitstimmen konnten, hat ebenfalls eine ganz neue Dimension von Gemeinschaftserfahrung möglich gemacht. Synoden sind keine Altherrenclubtreffen mehr.

Das festzustellen, scheint banal zu sein, aber es ist kirchenpolitisch für eine so alte Institution wie die Katholische Kirche ein segensreicher Anfang – und damit wirklich hoch politisch!

Und wenn es auch keine Entscheidungen gegeben hat, so doch wegweisende Ergebnisse. Dass die Themen, die auch wir in Deutschland beim Synodalen Weg benannt und intensiv behandelt haben – Diakonat der Frau, verheiratete Priester, ein neuer Umgang mit queeren Menschen, jenen, die sich von der Kirche ausgeschlossen fühlen und vor allem die Kennzeichnung des Missbrauchs als ein systemisch mit dem Klerikalismus und der Macht in der Kirche verbundenes Phänomen – wahrgenommen und mit einer durchgehend extrem hohen Mehrheit nicht nur nicht von der Agenda der kommenden Versammlung im kommenden Jahr gestrichen, sondern bewusst im Synthesepapier als Arbeitsaufträge und als konkrete Vorschläge ratifiziert worden sind, sind Zeichen dafür, dass hier etwas in Bewegung gekommen ist.

Dass ist für viele bei uns zu langsam. Aber seien wir bitte auch so ehrlich, zuzugestehen: Für manche sind diese Entwicklungen auch der Anfang vom Ende der Rechtgläubigkeit und ein schwer hinzunehmender Schlag gegen die Tradition der Kirche.

Eine globale Kirche ist divers. Auch in ihren Vorstellungen zu gesellschaftlichen, kulturellen und anthropologischen Fragestellungen.

Das Wichtigste, was ich mitnehme nach Deutschland: Wir wollen zusammenbleiben. Wir spüren, dass bei der Vielfalt der Einstellungen und Positionen zu den ein oder anderen Fragen, der Wille zur Einheit herrscht. Und wir merken, dass die Kirche bei allen kleinen und großen Spielchen, die der ein oder andere Synodenteilnehmer oder die ein oder andere Pressure-Group von welcher Herkunft und aus welcher Richtung auch immer, zu spielen versucht hat, die Kirche gezeigt hat, dass sie kein "weltlich Ding ist", um Martin Luther das Wort zu geben.

Dass die Vertreter aus allen Kontinenten und aus so vielen völlig unterschiedlichen kulturellen Kontexten wissen: Wir sind von Christus zur Einheit berufen. Aber die muss und braucht keine Einförmigkeit zu sein, sondern bereitet sich gerade auf Vielfalt vor. Das auszubuchstabieren, wie also Einheit und Vielfalt versöhnt zusammenpassen, das wird die große Reformaufgabe der kommenden Jahrzehnte für Kirche sein.

Aber hier tröstet mich der Psalm 104, der für mich als Leiter des Hilfswerks Renovabis immer eine große Bedeutung hat: "Sendest du deinen Geist aus, so werden sie alle erschaffen und du erneuerst das Antlitz der Erde." (Ps 104,30) – Renovabis faciem terrae – das bedeutet für mich auch: "Emitte spiritum tuum – et renovabis faciem Ecclesiae!“ Du erneuerst das Angesicht der Kirche.

Mit dieser tiefen Hoffnung und Zuversicht gehe ich nach diesen Wochen nach Hause – und werde erst einmal eine Diät machen.

Von Thomas Schwartz

Hinweis

Prof. Dr. Thomas Schwartz ist Hauptgeschäftsführer des Osteuropa-Hilfswerks Renovabis und Teilnehmer der Weltbischofssynode zur Synodalität in Rom. Für katholisch.de berichtet er in einem eigenen Blog regelmäßig von seinen Eindrücken aus der Synodenaula.