Für Papst Franziskus endet ein dynamisches Jahr 2015

Reisen, Reden und Reformen

Aktualisiert am 29.12.2015  –  Lesedauer: 
Jahresrückblick

Vatikanstadt ‐ Ermüdungserscheinungen zeigte Papst Franziskus auch in seinem dritten Amtsjahr keine. Er räumte im Vatikan weiter auf, lud die Bischöfe zur Familiensynode und veröffentlichte seine Umweltenzyklika.

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Allerdings lassen die Bischöfe dem Papst in ihrem Abschlussdokument einigen Spielraum für die Abfassung seines nachsynodalen Schreibens. In einer von vielen als "historisch" gewerteten Rede machte Franziskus während der Synode deutlich, dass er im Prinzip der Synodalität die Zukunft der Kirche sieht. Inwieweit damit der Einfluss der Ortskirchen steigt, muss sich zeigen.

Von den Kardinälen kam beim Konklave 2013 der Ruf nach mehr Transparenz, Effizienz und Kollegialität der Kirchenspitze - und Franziskus trieb die Kurienreform weiter voran. Nachdem er 2014 besonders im vatikanischen Wirtschafts- und Finanzbereich neue Strukturen geschaffen hat, fasste er in diesem Jahr den weit gefächerten Medienbetrieb des Vatikan in einer Behörde zusammen. Zudem entsteht derzeit ein Dikasterium - eine Behörde der römischen Kurie - für "Laien-Familie-Leben", das den Familien- und den Laienrat verbindet. Als bedeutsam könnte sich ein neu geschaffenes, an der Glaubenskongregation angesiedeltes Gericht für Bischöfe erweisen, die Missbrauchsfälle vertuscht haben.

Misswirtschaft und Korruption an der Kurie

Dass Misswirtschaft und Korruption an der Kurie bis in die jüngere Vergangenheit teils skandalöse Formen annahmen, belegt derzeit die "Vatileaks 2"-Affäre um entwendete Geheimdokumente, die zwei Enthüllungsjournalisten veröffentlicht haben. Die Frage ist, wieviel der 78-Jährige davon schon abstellen konnte.

Linktipp: Das war 2015

Familiensynode, Heiliges Jahr, große Papstreisen: Das vatikanische Jahr allein hatte es schon in sich. Doch auch die deutsche Kirche sorgte 2015 wieder für zahlreiche Schlagzeilen. Katholisch.de blickt auf die wichtigsten kirchlichen Ereignisse des Jahres zurück - von der Papstreise nach Asien im Januar bis zum Beginn des Heiligen Jahres vor wenigen Tagen.

Mit Spannung war im Juni Franziskus' Enzyklika "Laudato si" erwartet worden, das erste Lehrschreiben eines Papstes zu den Themen Umwelt- und Klimaschutz. Tatsächlich geht Franziskus weit darüber hinaus und verbindet sie mit der Forderung nach weltweiter sozialer Gerechtigkeit und einem verantwortungsbewussten Umgang mit den natürlichen Ressourcen, die allen Menschen zugutekommen müssten. Die internationale Resonanz fiel teils geradezu euphorisch aus und erklärte den "Papst der Armen" nun auch zu einem "Öko-Papst".

Seine politisch bisher wohl wichtigste Reise führte ihn im September nach Kuba und in die USA, deren Versöhnungsprozess Franziskus maßgeblich angestoßen hatte. Als erster Papst sprach er vor dem US-Kongress - wo er sich mit seiner Kapitalismuskritik indes diplomatisch zurückhielt. Deutlicher wurde er vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York, wo er als dritter Papst eine Rede hielt.

Weitere Reisen führten ihn im Januar nach Sri Lanka und auf die Philippinen, im Juli besuchte er Bolivien, Paraguay und Ecuador sowie Ende November erstmals auch Afrika. In Kenia und Uganda redete er den Mächtigen ins Gewissen, den Reichtum ihrer Länder gerecht auf alle zu verteilen und kritisierte die Korruption. Wegen Sicherheitsbedenken stand der Weiterflug in die Zentralafrikanische Republik - sein bisher gefährlichstes Reiseziel - bis zuletzt auf der Kippe. Am Ende kam er aber doch in das vom Bürgerkrieg zerrüttete Land und setzte ein eindrucksvolles Signal für den Frieden.

Franziskus öffnet mit beiden Händen eine Holztür
Bild: ©KNA

In Bangui, der Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik, öffnete Papst Franziskus am 29. November - noch vor dem offiziellen Beginn des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit - die Heilige Pforte in der Kathedrale.

In der von Blauhelmsoldaten schwer gesicherten Hauptstadt Bangui eröffnete er eine Woche vor dem offiziellen Beginn in Rom das von ihm anberaumte außerordentliche "Heilige Jahr der Barmherzigkeit". Es wird 2016 mit vielen Großveranstaltungen prägen - und wirft im Schatten des Terrors wiederum Fragen der Sicherheit rund um den Petersplatz auf. Bis zu 33 Millionen Pilger und Besucher werden bis zum 20. November erwartet.

"Deutsches Jahr" im Vatikan

Innerhalb Italiens standen 2015 ausnahmsweise mal die großen Metropolen auf Franziskus' Reisekalender. In Turin besuchte er das Grabtuch und als erster Papst der Geschichte auch eine Kirche der Waldenser, die er um Vergebung für kirchliche Grausamkeiten bat. In Neapel klagte er die Mafia an und pochte in Florenz auf die ständige Reform der Kirche.

Ein bisschen war es im Vatikan auch ein deutsches Jahr. Im Februar besuchte Bundeskanzlerin Angela Merkel den Papst bereits zum dritten Mal und sprach mit ihm über ihre G7-Agenda. Im November waren die deutschen Bischöfe nach neun Jahren wieder zum Ad-limina-Besuch in Rom. Franziskus mahnte sie, "kreative Missionare" gegen den Kirchenschwund zu sein, weniger auf die Kirche als Institution zu setzen. Und auch der Weihnachtsbaum auf dem Petersplatz stammt in diesem Jahr wieder aus Bayern.

Von Christoph Schmidt (KNA)