Papst Franziskus spendet einem Priester das Sakrament der Bischofsweihe.
katholisch.de erklärt das Sakrament der Weihe

So wird ein Bischof geweiht

Am Samstag wird Heiner Wilmer in Hildesheim zum Bischof geweiht. Das geschieht in einem Ritus, der fast so alt ist wie das Christentum selbst. Katholisch.de erklärt Liturgie und Symbole des Sakraments der Weihe.

Von Kilian Martin |  Bonn - 06.01.2015

Die Weihe ist eines der sieben Sakramente der Kirche. In ihr wirkt Christus selbst an einem Menschen. Als einziges Sakrament wird die Weihe in drei Stufen unterschieden: Diakonat, Presbyterat und Episkopat – also die Weihe zum Diakon, zum Priester und zum Bischof. In der höchsten Stufe, dem Bischofsamt, ist die Fülle der Weihegaben präsent, welche vom Bischof an Priester und Diakone weitergeben wird. Die enge Zusammengehörigkeit der Weihestufen drückt sich auch in der Weiheliturgie aus.

Das Evangeliar auf dem Ambo, im Hintergrund ein Diakon direkt nach der Weihe in seinem neuen Gewand.
Bild: © KNA

Besonders in der Liturgie ist es eine der wichtigsten Aufgaben des Diakons: das Evangelium verkünden.

Die Weihestufe des Diakons

Wie es bereits in der Anfangszeit der Kirche war, ist das Diakonat seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) wieder ein eigenständiges Weiheamt. Dazwischen konnten jahrhundertelang nur angehende Priester zum Diakon geweiht werden. Heute gibt es sowohl die ständigen Diakone - oft verheiratete Männer und Familienväter - als auch Diakone, die sich in einem rund ein Jahr dauernden zeitlichen Diakonat auf die Priesterweihe vorbereiten. Sie versprechen bei der Weihe zum Diakon die Ehelosigkeit. Diakone leiten häufig Wortgottesdienste, wie Tauffeiern und Trauungen. Sie dürfen auch in der Heiligen Messe predigen, können diese aber nicht selbst zelebrieren und auch die Beichte nicht hören.

Ein Kandidat bei der "Prostratio" während der Allerheiligenlitanei zur Priesterweihe.

Die Weihestufe des Priesters

Priester werden durch die Weihe und die Sendung des Bischofs zu dessen Mitarbeitern im Presbyterium, also der Gemeinschaft der Priester bestellt. Sie haben, wie die Diakone auch, die Aufgabe, in der Liturgie die Geheimnisse des Glaubens zu feiern, das Evangelium zu verkünden und in den Bistümern karitativ tätig zu sein. Sie werden vom Bischof in den Ortsgemeinden des Bistums eingesetzt, beispielsweise als Pfarrer. Die Priesterweihe darf nur der empfangen, der nach dem Urteil des Bischofs geeignet ist. Das Kirchenrecht sieht vor, dass ein Bewerber abgelehnt werden soll, wenn er den Voraussetzungen nicht entspricht.

Priester werden im Petersdom zu Bischöfen geweiht.
Bild: © KNA

Priester, die zu Bischöfen geweiht werden, tragen bei ihrer Weihe das volle priesterliche Gewand.

Die Weihestufe des Bischofs

Die Bischofsweihe ist die höchste der drei Stufen des Weihesakraments. Durch sie werden die Empfänger in das Kollegium der Bischöfe aufgenommen. Sie werden für eine bestimmte Diözese geweiht und übernehmen zugleich Verantwortung für die gesamte Weltkirche. Als Nachfolger der Apostel sind sie gemeinsam mit dem Papst für die Leitung der Kirche verantwortlich. Nur die Bischöfe können selbst auch weihen. Auch wenn der Bischof von Rom - also der Papst – allein alle Entscheidungen in und für die Kirche treffen kann, steht er auf keiner höheren Weihestufe als alle anderen Bischöfe. Bei einem Konzil kommen alle Bischöfe der Weltkirche zusammen und können gemeinsam mit dem Papst höchste, lehramtliche Entscheidungen für die Kirche treffen.

Die Liturgie der Weihe

Die Riten der drei Weihestufen Diakonat, Presbyterat und Episkopat sind in ihrer Struktur gleich aufgebaut. Sie unterscheiden sich vor allem in der für das jeweilige Amt spezifischen Symbolik. Ebenfalls unterscheiden sich die Weihegottesdienste durch den Kreis der Mitfeiernden: Zur Diakonenweihe kommen vorrangig die Diakone des Bistums hinzu und zur Priesterweihe versammeln sich die Diözesanpriester. Bei einer Bischofsweihe sind häufig zahlreiche Bischöfe aus benachbarten und besonders verbundenen Diözesen, etwa aus den Bistümern der gleichen Bischofskonferenz, anwesend.

Der erste Teil: Die Kandidaten werden gerufen

Der erste Teil der Weiheliturgie findet innerhalb der Messe vor dem Tagesgebet statt. Dazu werden die Weihekandidaten vorgestellt und aufgerufen. Die Kandidaten treten vor den Bischof und sagen "hier bin ich" - auf Latein "adsum" - oder "ich bin bereit". Der Bischof, welcher der Weiheliturgie vorsteht, wird dann gebeten, dem Kandidaten, beziehungsweise den Kandidaten, die Weihe zu spenden – bei Priesterweihen wird diese Bitte beispielsweise vom Regens, dem Leiter des Priesterseminars, ausgesprochen. Bevor der weihende Bischof seine Zustimmung gibt, vergewissert er sich durch Nachfrage außerdem, ob der Kandidat oder die Kandidaten für würdig befunden werden und ob auch das Volk die Weihe wünscht.

Fernsehkamera für die Live-Übertragung aus einer Kirche

Bischofsweihen sind für die Diözesen bedeutsame Feiern. Oft werden sie von großem öffentlichen Interesse begleitet. Weihen von Diözesanbischöfen werden in Deutschland in der Regel live im Fernsehen übertragen.

Etwas anders läuft dieser erste Teil der Liturgie bei der Bischofsweihe ab. In diesem Fall erfolgt die Vorstellung des Kandidaten bereits zur Eröffnung des Gottesdienstes. Auch erfragt hier der weihende Bischof nicht die Eignung des Kandidaten. Vielmehr wird die Ernennungsurkunde des Papstes verlesen. Der weihende Bischof zeigt diese Bulle allen Anwesenden, um so deutlich zu machen, dass er die Weihehandlung tatsächlich im Auftrag des Papstes vollzieht. Auch müssen bei einer Bischofsweihe neben dem Weihespender noch mindestens zwei weitere Bischöfe als Mitkonsekratoren, also Mitweihende, anwesend sein, um die richtige Weitergabe des Hirtenamtes sicherzustellen.

Der zweite Teil: Gelöbnis, Gebet, Weihe

Der zweite Teil der Weiheliturgie mit der eigentlichen Weihehandlung folgt dann im Anschluss an den Wortgottesdienst, also nach der Predigt des Bischofs. Eröffnet wird dieser Teil mit der Herabrufung des Heiligen Geistes im Hymnus "Veni creator spiritus" (GL 341), in der deutschen Übersetzung "Komm, Heil'ger Geist, der Leben schafft" (GL 342). Anschließend fragt der Bischof den oder die Kandidaten, ob sie bereit sind, die mit der Weihe verbundenen Aufgaben zu übernehmen. Bei Diakonen und Priestern gehören dazu unter anderem die Versprechen der Ehelosigkeit (nicht bei bereits verheirateten Diakonen) und der Bescheidenheit. Sie versprechen dem Bischof außerdem buchstäblich in die Hand Ehrfurcht und Gehorsam.

Während die versammelte Gemeinde nun in der Allerheiligen-Litanei die Heiligen um Beistand für die Kandidaten anruft, folgt die "Prostratio" genannte Niederwerfung der Weihekandidaten. Dabei legen sie sich ausgestreckt mit dem Gesicht zum Boden vor den Altar. Diese Handlung zeigt, dass der Kandidat sich ganz in Gottes Hände begibt.

Schließlich vollzieht der Bischof die eigentliche Weihe durch Handauflegung auf das Haupt des Kandidaten und gleichzeitiges Gebet. Diese Handauflegung hat eine zentrale Bedeutung im katholischen Glauben. Sie versinnbildlicht die Apostolische Sukzession, also die ungebrochene Verbindung der Bischöfe bis zu den Aposteln. Bei der Bischofsweihe legen auch alle anderen anwesenden Bischöfe ihre Hände auf, bei der Priesterweihe alle anwesenden Priester. Während des Ritus der Handauflegung herrscht Stille.

Das anschließende Weihegebet des Bischofs geht zurück bis auf die "Traditio Apostolica", einer Kirchenordnung aus dem 3. Jahrhundert. Bei der Bischofsweihe halten währenddessen zwei Diakone ein aufgeschlagenes Evangeliar über dem Haupt des neu geweihten Bischofs. Danach folgen die so genannten ausdeutenden Riten, die verschiedene Aufgaben des Neugeweihten versinnbildlichen. Den Diakonen und Priestern werden zunächst – in der Regel von den Pfarrern ihrer Heimatgemeinden – die liturgischen Gewänder angelegt.

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Video: © SWR

Die Weihe von Stephan Burger zum Erzbischof von Freiburg im Jahr 2014.

Symbole für unterschiedliche Aufgaben

Bei der Diakonenweihe überreicht der Bischof jedem neu geweihten Diakon ein Evangelienbuch, aus dem sie die Botschaft Jesu Christi verkündigen sollen. Bei der Priesterweihe salbt der Bischof den Neupriestern nach ihrer Einkleidung zunächst die Hände mit Chrisam. Dann überreicht er ihnen Hostienschale und Kelch als Zeichen für ihren Auftrag, die Eucharistie zu feiern. Es ist üblich, dass jeder Priester eigenes Messgeschirr besitzt, welches in seiner jeweiligen Pfarrgemeinde aufbewahrt wird.

Bei der Bischofsweihe wird das Haupt des neu geweihten Bischofs gesalbt. Der weihende Bischof steckt ihm dann den Bischofsring an den Finger, setzt ihm die Mitra auf und überreicht ihm den Hirtenstab als Zeichen, dass der Bischof bestellt ist, die Kirche zu leiten.

Der Bischof besiegelt die Weihehandlung jeweils mit einer abschließenden Umarmung als Friedensgruß. Nach dem Weiheritus feiern die Neugeweihten mit dem Bischof die Messe am Altar. Neupriester sind dabei Konzelebranten des Bischofs, ein Neubischof übernimmt die Leitung der Eucharistiefeier selbst.

Von Kilian Martin