Eine Familie betet gemeinsam am Weihnachtstisch
Abläufe und Tipps für liturgische Feiern im Familienkreis

So können Sie an Weihnachten zu Hause einen Gottesdienst feiern

Nicht jeder kann oder möchte in diesem Jahr an Weihnachten einen Messe oder ein Krippenspiel in der Gemeinde besuchen. Ganz auf einen Gottesdienst verzichten muss man deshalb aber nicht: Auch im Familienkreis zu Hause lässt sich der Glaube leben und das Weihnachtsfest feiern.

Von Christoph Brüwer |  Bonn - 22.12.2020

Eigentlich handelte es sich bei Hausgottesdiensten um eine vergessene und kaum praktizierte Tradition. Doch durch die Corona-Pandemie feiern Familien wieder vermehrt miteinander Gottesdienste in ihren Häusern und Wohnungen. Auch an Weihnachten wird das eine Möglichkeit für viele sein, die keinen Platz in den Gottesdiensten bekommen haben oder diese aus Sorge vor einer Infektion nicht besuchen wollen.

"In der Corona-Bedrängnis, in der wir uns derzeit befinden, ist es wichtig, die Nähe Gottes zu spüren. Und das geht nicht nur über die Gottesdienste in den Gemeinden", sagt Religionspädagoge Albert Biesinger. Doch nicht nur in der Pandemie-Zeit seien Hausgottesdienste im Familienrahmen an Weihnachten sinnvoll. "In der Heiligen Nacht kommt Gott uns entgegen als Familie, als Kind in Armut und Gefährdung. Gott bekommt ein Gesicht", erläutert Biesinger. Die Erzählung des Jesuskindes in der Krippe sei deshalb für viele so emotional, weil sich auch heute Kinder und Familien durch sie besonders angesprochen fühlten. "Deshalb ist die Feier der Begegnung mit Gott in einer Familie, mit Maria, Josef und dem Kind etwas so Wichtiges, das auch in der Familie gefeiert werden sollte – und nicht nur in den Gemeindegottesdiensten oder in Krippenfeiern in der Kirche."

Biesinger: Hauskirche ist keine Konkurrenz zur Gemeinde

Auch angesichts der immer größer werdenden Seelsorgeräume sei es wichtig, dass Familien sich als Hauskirche begreifen. "Familien als Hauskirche sind schließlich keine Konkurrenz zur Gemeinde, sie brauchen die Gemeinde. Aber ohne nachwachsende Kinder und Familien wird es auf Dauer auch keine Gemeinden mehr geben", betont Biesinger. Seit Jahren feiert er an Weihnachten deshalb auch mit seiner Familie Rituale an Weihnachten.

Biesinger schlägt vor, die Hausgottesdienste an den Beginn des Heiligen Abends zu stellen oder nach dem Besuch eines Krippenspiels in der Gemeinde zu feiern – in jedem Fall noch vor der Bescherung. Der Ideale Ort dafür ist die Krippe im Wohnzimmer, in der das Jesuskind noch nicht liegt. Dazu können alle Lichter bis auf die des Christbaumes ausgeschaltet und die Kerzen des Adventskranzes und um die Krippe herum angezündet werden.

Weihnachtsessen

Der ideale Zeitpunkt für einen Hausgottesdienst an Heiligabend ist der frühe Nachmittag – also noch vor Bescherung und dem Weihnachtsessen mit der Familie.

Am Anfang der Liturgie kann ein bekanntes Weihnachtslied wie "Oh du fröhliche" oder "Stille Nacht" stehen, das alle gemeinsam singen oder ein Familienmitglied auf einem Instrument vorspielt. Bei weniger musikalischen Familien rät Biesinger dazu, das Weihnachtslied einfach abzuspielen und dem nachzuspüren, was das Lied in einem auslöst.

Auf das Lied kann dann eine literarische Weihnachtsgeschichte folgen, die erschließt, um was es bei Weihnachten eigentlich geht. Dabei handelt es sich bewusst nicht um die biblische Erzählung der Geburt Jesu. In diesem Jahr könne beispielsweise auch Corona das Thema dieser Weihnachtsgeschichte sein, sagt Biesinger. Wenn Kinder in der Lage sind, schon selbst zu lesen, kann auch ein Kind diese Geschichte vortragen.

An die Geschichte könnte sich eine kurze Zeit der Besinnung – ähnlich wie eine Schweigeminute – anschließen. Während dieser Zeit können die Familienmitglieder gemeinsam auf die Krippe oder die angezündeten Kerzen schauen und im Stillen beten.

"Kindern fällt oft sehr schnell etwas ein"

Darauf folgt der Text über die Geburt Jesu aus dem Lukasevangelium. Dieser kann beispielsweise aus der Kinderbibel oder aus der Einheitsübersetzung vorgelesen werden. Nach einer kurzen Stille darf dann das jüngste Kind die Figur des Jesus-Kindes in die Krippe legen und alle können die nun vollständige Krippenszene still betrachten. Im Anschluss können auch die anderen Kinder das Jesuskind wieder herausnehmen und selbst in die Krippe legen, wenn sie wollen.

Danach kann die Familie gemeinsam Fürbitten beten. Auch die Kinder sollten hier selbst Fürbitten vortragen dürfen, die durchaus sehr persönlich sein können und beispielsweise die Großeltern oder andere Familienmitglieder bedenken können, die in diesem Jahr nicht an der Weihnachtsfeier teilnehmen können. "Die Eltern sollten hier den Mut haben, den Kindern zuzutrauen, selbst etwas zu sagen und eine Fürbitte zu sprechen. Kindern fällt oft sehr schnell etwas sein", sagt der Religionspädagoge.

Zum Abschluss können alle Familienmitglieder gemeinsam ein Vaterunser beten und beispielsweise noch ein Weihnachtslied singen. Insgesamt können diese Krippenfeiern sehr bewegend und einprägsam sein, sagt Biesinger. "Wenn alles im Wohnzimmer dunkel ist und nur das Licht der Kerzen um die Krippe und am Christbaum leuchtet, dann fasziniert das die Kinder komplett. Und auch für die Eltern ist das sehr berührend." Er habe selbst beobachtet, wie seine Kinder und Enkel nach der Hausliturgie noch lange vor der Krippe gesessen und das Licht oder das Jesuskind in der Krippe betrachtet hätten

Bild: © DBK/EKD

Ein gemeinsames Liturgieblatt für einen Hausgottesdienst zu Weihnachten haben auch die Deutsche Bischofskonferenz und die Evangelische Kirche in Deutschland veröffentlicht. Die ökumenische Aktion läuft unter dem Titel "Gott bei euch".

Dieser Ablauf sei auch für Singles oder Paare ohne Kinder umsetzbar. Dann könnten Erwachsene die Teile der Kinder übernehmen. Und auch wenn das freie Beten nicht so leichtfalle, müsse man nicht auf diese Form der Liturgie verzichten. "Was immer leicht geht ist, dass alle gemeinsam still ein Vaterunser beten", sagt der Religionspädagoge. Dabei könne man an die denken, für die man beten wolle. "Das können die meisten."

Neben diesem Vorschlag gibt es auch andere Entwürfe für einen Gottesdienst zu Hause an Weihnachten. Im Rahmen der ökumenischen Aktion "Gott bei euch" haben die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) etwa ein gemeinsames Liturgieblatt für einen Hausgottesdienst zu Weihnachten veröffentlicht. Heruntergeladen werden kann der Flyer unter www.gottbeieuch.de.

Die konzipierte Andacht besteht aus Liedern, Gebeten und dem Weihnachtsevangelium nach Lukas. Als Lieder sind unter anderem "Tochter Zion", "Zu Bethlehem geboren" und der bekannte Gloria-Kehrvers aus "Engel auf den Feldern singen" zu hören. Mit Zeilen wie "In diesen Weihnachtstagen denken wir an alle, denen wir heute gerne nahe wären und es nicht sein können" wird an die Corona-Pandemie erinnert. Begonnen werden soll mit dem Anzünden einer Kerze oder den Kerzen des Adventskranzes oder des Weihnachtsbaumes.

Vieles, was für gewöhnlich zum Advent und Weihnachten dazugehöre, sei in diesem Jahr nicht möglich gewesen, heißt es im Einleitungstext. "Aber auch in diesem Jahr ist die Botschaft der Weihnacht: Gott ist in unsere Welt gekommen! Ganz anders jedoch, als die Menschen es erwartet haben: Nicht stark und mächtig, sondern wehrlos und schwach – in einem Kind."

Basismodell im Gotteslob

Ein Basismodell für einen Hausgottesdienst an Heiligabend bietet auch das Gotteslob. Unter der Nummer 26 findet sich der Ablauf für eine häusliche Liturgie im Kreis der Familie. "Die Familie ist Kirche im Kleinen" heißt es dort. "Daher haben auch Gebet und Gottesdienst in ihr einen Platz." Ähnlich wie andere Gottesdienstvorschläge sieht auch dieses Modell verschiedene bekannte Weihnachtslieder wie "Nun freut euch, ihr Christen", "Es ist ein Ros entsprungen" oder "Stille Nacht" genauso vor wie das Weihnachtsevangelium nach Lukas, Gebete und Fürbitten. Diese können bei Bedarf aber auch personalisiert und auf die aktuelle Situation passend formuliert werden. Das Gotteslob schlägt vor, diese Andacht vor der Krippe zu feiern. "Die Krippe steht im Mittelpunkt dieser Feier, denn sie zeigt uns: Der Sohn Gottes wurde Mensch wie wir."

Für die Kreativität für die unterschiedlichen Gottesdienstformate ist auch der Berliner Erzbischof Heiner Koch, der Vorsitzender der Kommission Ehe und Familie der DBK, sehr dankbar. In diesem Jahr müssten wir Weihnachten anders feiern, weil Corona das Fest stark verändern werde, sagte er am Montag. "Es ist leider unabdingbar, die Traurigkeit darüber auszuhalten und auf uns so manche lieb gewordenen Rituale und Begegnungen zu verzichten", so Koch in einer DBK-Mitteilung. "Umso mehr wir in diesem Jahr die von der Pandemie bestimmte Realität ernstnehmen und uns disziplinieren, umso größer ist die Chance, im nächsten Jahr zu den liebgewordenen Traditionen zurückkehren zu können." Zu diesen liebgewordenen Traditionen könnten dann auch Hausgottesdienste im Kreise der Familie zählen.

Von Christoph Brüwer