Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf
Newsticker: Corona und die Kirche, 29. April

Bischof Kohlgraf: Jeder Mensch ist systemrelevant

Die ganze Welt ist von der Corona-Pandemie betroffen. Auch das kirchliche Leben ist eingeschränkt: Gottesdienste und andere Veranstaltungen fallen aus, Christen helfen, Christen erkranken. Im katholisch.de-Newsticker gibt es täglich ein aktuelles Bild der Lage in Deutschland und der Weltkirche.

Bonn - 29.04.2020

18:40 Uhr: Bischof Kohlgraf: Jeder Mensch ist systemrelevant

Nach Ansicht des Mainzer katholischen Bischofs Peter Kohlgraf ist jeder Mensch systemrelevant. "Gerade in diesen Tagen will ich davon laut sprechen und an die Würde jedes einzelnen Menschen erinnern, die sich nicht allein, aber auch in seiner gesellschaftlichen Wertschätzung zeigt", schreibt er in einem Gastbeitrag für die Seite basis-online.net der Schönstattbewegung: Er hoffe und bete, dass dies nicht "dauerhaft an der punktuellen Nützlichkeit" gemessen werde: "Dass die Kirche daran erinnert, erscheint mir wahrlich systemrelevant zu sein."

Der Bischof erwähnte besonders alle Menschen, die derzeit zu spüren bekämen, dass sie und ihr Beruf offenbar von vielen nicht für relevant gehalten würden - etwa "Künstler und Kulturschaffende, Gastronomen und viele andere Menschen, deren Berufe derzeit ruhen müssen".

Dies dürfe kein Dauerzustand werden, ergänzte Kohlgraf: "Nicht nur alte Menschen, sondern auch viele andere gehen durch dieses Tal der Erfahrung der scheinbaren Nutzlosigkeit. Das rührt an die Menschenwürde, die ich als Bischof mindestens genauso schützen will wie die körperliche Gesundheit."

Mit Blick auf die Kirchen merkte er selbstkritisch an, "dass die Krise auch etwas offengelegt hat, was ich nicht gerne wahrhaben will: Für wirklich unverzichtbar halten manche die Kirche und ihre Angebote nicht." Dabei stimme die Behauptung, Gottesdienste und Gebet seien komplett ausgesetzt, allerdings so nicht: "Viele Menschen haben im kleinen Kreis oder über die Medien Gottesdienst mitgefeiert, aber ein Dauerzustand kann das natürlich nicht sein. Und dass persönliche Seelsorge über Monate nur per Telefon stattfinden können soll, ist auf Dauer ebenfalls nicht akzeptabel."

Die Relevanz der Kirche mache er aber nicht allein an den öffentlichen Gottesdiensten und der leibhaftigen Begegnung fest, ergänzte der Mainzer Bischof: "Derzeit nimmt die Bergpredigt andere Gestalt an. Ich ermutige alle, kreativ zu bleiben." (KNA)

18 Uhr: Christliche Zeitungen in Europa starten Kooperation

Inmitten der Corona-Krise haben die drei kirchlich orientierten Tageszeitungen "Avvenire" (Italien), "La Croix" (Frankreich) und "Nederlands Dagblad" (Niederlande) eine Kooperation gestartet. Ziel sei die Schaffung eines christlich-journalistischen Netzwerks, hieß es in einer entsprechenden Mitteilung (Mittwoch).

Es gehe um den Austausch konkreter Inhalte - "Dossiers, Interviews und Reportagen", erläuterte Guillaume Goubert, Chefredakteur von "La Croix" in Paris. Erste wechselseitige Veröffentlichungen - etwa zum Umgang der Kirchen mit der Corona-Krise - habe es bereits gegeben. Die Resonanz der Leser sei positiv.

"Was wir jeden Tag separat gemacht haben, werden wir künftig gemeinsam tun", kündigte Goubert an. So habe man gemeinsam eine Interview-Anfrage an die Präsidentin der EU-Kommission Ursula von der Leyen gestellt. Es gebe noch weitere "großartige Ideen", die demnächst umgesetzt würden. "La Croix" ist ebenso wie das Pendant "Avvenire" in Mailand eine katholische Tageszeitung. Das "Nederlands Dagblad" in Amersfoort verfolgt eine orthodox-reformatorische Ausrichtung. (KNA)

17:40 Uhr: Schleswig-Holstein will Gottesdienste ab Montag erlauben

Schleswig-Holstein will ab Montag wieder öffentliche Gottesdienste erlauben. Die Feiern sollen unter Auflagen und mit begrenzter Teilnehmerzahl stattfinden. Darauf haben sich die Koalitionspartner aus CDU, Grünen und FDP geeinigt, wie sie am Mittwoch in Kiel mitteilten. Die entsprechende Regelung solle am Samstag von der Landesregierung beschlossen werden. Zuvor hatten die Religionsgemeinschaften des Landes entsprechende Hygienekonzepte vorgelegt. Eine Aufhebung der in der Corona-Krise beschlossenen Gottesdienstverbote soll am Donnerstag auch Thema bei Gesprächen der Länder mit der Bundesregierung sein.

Daneben will Schleswig-Holstein den Angaben nach zum 4. Mai weitere Maßnahmen lockern. Unter anderem werde es Ausnahmen vom Betretungsverbot in Pflegeeinrichtungen geben. So sei der Besuch jeweils einer Person für maximal 2 Stunden unter Auflagen wieder möglich. Weiter dürften Museen und Ausstellungen wieder öffnen. Die Besucherzahl sei auf eine Person pro 15 Quadratmeter begehbarer Ausstellungsfläche begrenzt. (KNA)

17:05 Uhr: Bischöfe im Südwesten fordern zum 1. Mai weltweite Solidarität

Die beiden großen Kirchen im Südwesten rufen in einer gemeinsamen Erklärung zu internationaler Solidarität auf. "In den letzten Wochen hat sich gezeigt: Überleben können wir nur gemeinsam. Wir sind aufeinander angewiesen", erklärten der Freiburger Erzbischof Stephan Burger, der Rottenburger Bischof Gebhard Fürst, der badische Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh und sein württembergischen Kollege Frank Otfried July in einem am Mittwoch veröffentlichen Schreiben zum 1. Mai.

In der aktuellen Krise werde Beschäftigten viel abverlangt, etwa in der Pflege, im Gesundheitswesen, im Handel oder im Transportbereich. Anderen drohe die Entlassung. "Die Lasten dieser Krise sind in unserer Gesellschaft ungleich verteilt", so die Kirchenführer. "Wer wenig hat, den trifft die Krise härter." Es gelte, ein stabiles Netzwerk der Solidarität zwischen Arbeitnehmenden und Arbeitslosen sowie Kirchen und Gewerkschaften zu knüpfen. Gerade jetzt sei über Grenzen hinweg Solidarität gefragt. Die weltweite Pandemie verdeutliche, wie wichtig gemeinsames Handeln sei. Die Bischöfe wandten sich dagegen, in "alte Abschottungsmechanismen zurückzufallen". Auch mahnten sie, bei weiteren Schritten nach der Krise soziale, ökologische und wirtschaftliche Anliegen in Einklang zu bringen.

Mit Blick auf den 1. Mai dankten die Kirchenvertreter allen, die sich in Gewerkschaften, Betriebs- und Personalräten oder Mitarbeitervertretungen für faire Arbeitsbedingungen engagieren und dafür sorgten, das "so wenig Menschen wie möglich unter die Räder kommen". (KNA)

17 Uhr: Bistum Mainz empfiehlt Gottesdienste frühestens ab 4. Mai

Das Bistum Mainz empfiehlt den Gemeinden, frühestens ab Montag (4. Mai) wieder öffentliche Gottesdienste zu feiern. Die strengen Corona-Auflagen ließen sich "für die Werktagsgottesdienste mit ihrer normalerweise geringeren Besucherzahl zunächst einfacher umsetzen", erklärte das Bistum am Mittwoch mit Blick auf sein vorläufiges Schutzkonzept. Bischof Peter Kohlgraf sieht die Möglichkeit zu eingeschränkten Gottesdiensten allerdings nur als "Notlösung" an und erklärte: "Meine persönliche Gefühlslage ist zwiespältig."

Das Gebiet des Bistums Mainz erstreckt sich sowohl auf Hessen als auch auf Rheinland-Pfalz. Die hessische Landesregierung hatte entschieden, dass ab Freitag (1. Mai) wieder Gottesdienste möglich seien. Von Seiten der Landesregierung in Rheinland-Pfalz wurde als Datum dafür der Sonntag (3. Mai) genannt. Mit der Möglichkeit, künftig wieder öffentliche Gottesdienste zu feiern, sei man "noch lange nicht in der Normalität angekommen", betonte Kohlgraf. Nach den Worten des Bischof fehlen einer nur in eingeschränkter Form stattfindenden Eucharistiefeier "eigentlich notwendige Voraussetzungen". Eine Heilige Messe sei "mehr als die Gültigkeit der Abläufe und die nur individuelle Christusbegegnung in der Eucharistie". Sie sei eine kirchliche Feier, bei der sich die örtliche Gemeinde versammele.

Er wolle eine "allein auf das eigene Seelenheil gerichtete Frömmigkeit nicht gutheißen", machte der Bischof klar. "Es ist für mich kein geistlicher Gewinn, wenn einzelne Gläubige unter doch eher unwürdigen Bedingungen endlich wieder die Heilige Kommunion empfangen können und andere nicht." Er habe auch die Sorge, dass "manche Vorschläge, wie denn derzeit die Eucharistie empfangen werden könne, der Würde des Sakraments in keiner Weise gerecht werden", betonte Kohlgraf. Im vorläufigen Schutzkonzept des Bistums Mainz heißt es: "Ob in den nächsten Wochen solche Gottesdienste mit einer erweiterten Öffentlichkeit gefeiert werden können, soll unter Abwägung der pastoralen Aspekte vor Ort der Pfarrer gemeinsam mit dem Pastoralteam und den Verantwortlichen aus dem Pfarrgemeinderat entscheiden." Das endgültige Schutzkonzept soll auf der Internetseite des Bistums im Laufe des Donnerstags (30. April) veröffentlicht werden. (KNA)

16:55 Uhr: Dome in NRW öffnen am Wochenende wieder für Gottesdienste

Ab dem Wochenende gibt es in Nordrhein-Westfalen wieder Gottesdienste mit Gemeinden. Das gilt auch für die großen Kathedralkirchen. Im Kölner Dom feiert Kardinal Rainer Maria Woelki am Sonntag zunächst eine Messe mit einem internen Kreis, "um mit den neuen Anforderungen an Hygiene und Sicherheit erste Erfahrungswerte zu sammeln", wie das Domkapitel am Mittwoch in Köln mitteilte. Ab dem 4. Mai sind die Morgengottesdienste unter der Woche für die Allgemeinheit zugänglich. Am 10. Mai folgen die Abend- und Sonntagsgottesdienste. Für letztere müssen Besucher jedoch vorab kostenlose Zugangskarten erwerben.

Die Höchstzahl für alle Gottesdienste im Kölner Dom liegt den Angaben zufolge bei 122 Menschen. Die Domschweizer weisen die Plätze zu, so dass die Besucher genügend Abstand halten. Zudem würden die Daten der Teilnehmer erfasst, um eventuell Infektionsketten später nachvollziehen zu können, hieß es. Während der Gottesdienste gebe es keinen Gesang, keinen Friedensgruß und keine Mundkommunion. Bodenmarkierungen sicherten den Abstand während der Kommunionausteilung. Bereits am 1. Mai können bis zu 150 Personen an einer öffentlichen Morgenmesse im Sankt-Paulus-Dom in Münster teilnehmen. In Paderborn starten die Dom-Gottesdienste mit Gemeinde am Samstag mit einem Abendgebet. Ein Ordnungsdienst soll laut Erzbistum helfen, die Abstandsregeln auf den rund 100 markierten Plätzen einzuhalten. Im Aachener Dom wird am Sonntag der erste öffentliche Gottesdienst gefeiert. Maximal 120 Menschen können daran teilnehmen, wie das Domkapitel erklärte.

Um die Ausbreitung der Corona-Pandemie zu verlangsamen, hatten katholische und evangelische Kirche in NRW ab Mitte März öffentliche Gottesdienste untersagt. Vergangene Woche einigten sich die Bistümer mit der Landesregierung auf Auflagen, so dass öffentliche Gottesdienste ab dem 1. Mai wieder möglich sind. Laut Vorgaben der Diözesen muss in den Kirchen der Zugang beschränkt werden, um einen Abstand zwischen den Besuchern zu garantieren. Die Teilnehmerzahl richtet sich nach der Größe des Raumes. Vor den Kirchen sollen zudem Abstände zum Anstehen markiert werden. Weihwasserbecken bleiben leer und die Körbe für die Kollekte gehen nicht durch die Reihen. Die Kommunionausteiler müssen sich die Hände desinfizieren. Zudem empfehlen die Bistümer Gottesdienste im Freien sowie Live-Übertragungen ins Internet, "damit Personen, die Risikogruppen angehören, leichter zu Hause bleiben können". (KNA)

16:50 Uhr: Coronavirus in Regensburger Kloster: Alle Nonnen über den Berg

Im Regensburger Dominikanerinnenkloster Heilig Kreuz haben sich alle zwölf Bewohnerinnen mit dem Coronavirus angesteckt. Inzwischen sei jede auf dem Weg der Besserung, sagte Priorin Schwester Dominika am Mittwoch der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Von einem Wunder wollte sie in dem Zusammenhang nicht vorschnell sprechen. Es sei aber "nicht selbstverständlich, dass alles so gut gelaufen ist". Sie werde noch lange darüber nachdenken, "warum wir verschont geblieben sind und andere nicht".

Die Schwestern ihres Konvents sind zwischen 44 und 85 Jahre alt. Drei mussten zur Behandlung zwischenzeitlich ins Krankenhaus. Elf Nonnen seien positiv getestet worden, nicht alle hätten Symptome entwickelt. "Manche stecken das weg, denen ist eine Nacht nicht gut, und das war's", erzählte die Priorin. Einige bräuchten noch Schonung, "da kann man nicht gleich Bäume ausreißen". Über die Ursache und die Ansteckungskette macht sich die Schwester nach eigenen Worten keine Gedanken mehr. Sie wolle lieber nach vorn schauen. Auch habe sie zu keiner Zeit Angst um das Leben ihrer Mitschwester gehabt. "Ob wir leben oder sterben, wir sind in Gottes Hand." Allerdings seien die vergangenen Wochen "sicher nicht vergnügungssteuerpflichtig" gewesen.

Eine ganze zeitlang sei das Chorgebet eingestellt gewesen. Irgendwann habe auch der Pfarrer nicht mehr zur Messe kommen können, weil er selber ins Krankenhaus musste. Am Weißen Sonntag (19. April) schließlich hätten sie zu fünft wieder mit dem gemeinschaftlichen Gebetsleben angefangen. "Jetzt sind wir schon wieder mehr." Beeindruckt zeigte sich die Priorin vom Ausmaß der Anteilnahme. "So viele haben für uns gebetet, Briefe und E-Mails geschickt, auch Leute, von denen man das ganze Jahr nichts hört, das hätte ich nie gedacht." Für diese Erfahrung sei sie dankbar. (KNA)

16:35 Uhr: Woelki und Rekowski: Therapie für Senioren nicht infrage stellen

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki und der evangelische rheinische Präses Manfred Rekowski warnen vor Diskussionen über die medizinische Versorgung von Senioren. "Jedes Leben ist schützenswert, das des alten und schwachen Menschen genauso wie das des jungen und gesunden, das des ungeborenen Kindes genauso wie das des Kranken auf der Intensivstation", schreibt Woelki am Mittwoch auf Twitter. "Wir glauben an die Würde eines jeden Menschen - ohne Ausnahme."

Rekowski sprach in einer Videobotschaft von Mittwoch von einer abstrusen Debatte. "Da wird etwa die Frage gestellt, ob medizinische Hilfe überhaupt noch nötig ist bei Menschen, die eine Lebenserwartung haben, die man nicht mehr in Jahren messen kann." Kirche und Gesellschaft müssten darauf achten, dass die Corona-Krise nicht für Tabubrüche genutzt werde.

In der Debatte um Lockerungen der Corona-Maßnahmen hatte sich Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) kritisch zu Auflagen zum Schutz von Risikogruppen geäußert. Er sagte am Dienstag im Sat.1-Frühstücksfernsehen: "Wir retten in Deutschland möglicherweise Menschen, die in einem halben Jahr sowieso tot wären." Später entschuldige sich Palmer für seine Äußerung. (KNA)

15:40 Uhr: In Rheinland-Pfalz sollen Gottesdienste ab 3. Mai möglich sein

Rheinland-Pfalz will öffentliche Gottesdienste ab dem 3. Mai wieder ermöglichen. Geplant sei, dass Kirchen und Religionsgemeinschaften dann wieder Gottesdienste feiern könnten, wenn sie Schutzkonzepte einhielten, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) am Mittwoch im Landtag. Vertreter der Religionsgemeinschaften im Land hatten sich zuvor bereits mit der Landesregierung über Schutzkonzepte abgestimmt. Eine Aufhebung der in der Corona-Krise beschlossenen Gottesdienstverbote soll am Donnerstag auch Thema bei Gesprächen der Länder mit der Bundesregierung sein. (KNA)

15:35 Uhr: Bischof Oster feiert Gottesdienst in Altöttinger Gnadenkapelle

Der Passauer Bischof Stefan Oster hat sich zum Hochfest "Maria, Schutzfrau Bayerns" in Altötting angekündigt. Er feiert am 1. Mai einen nicht-öffentlichen Gottesdienst in der Gnadenkapelle und eröffnet zugleich die Wallfahrtssaison 2020, wie die Pressestelle des Bistums Passau am Mittwoch mitteilte. Das Pontifikalamt wird ab 9.30 Uhr von Niederbayern TV übertragen, zugleich ist es im Livestream auf der Website der Diözese zu sehen.

Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl wird dann um 15 Uhr die Marienvesper und um 19 Uhr die erste Maiandacht in der Gnadenkapelle abhalten. Beides ist über den Livestream aus der Gnadenkapelle zu empfangen, nämlich auf dem Youtube-Kanal unter "Gnadenbild Altötting 24/7". - In der Regel werden am 1. Mai zahlreiche Pilger in dem Marienwallfahrtsort erwartet. Doch aufgrund der Corona-Krise sind für diese Saison alle großen Wallfahrten abgesagt.

Der oberbayerische Wallfahrtsort Altötting gilt als das "religiöse Herz Bayerns". Mehr als eine Million Menschen pilgern jährlich zur Schwarzen Madonna in der Gnadenkapelle auf dem Kapellplatz. Die vermutlich in Burgund oder am Oberrhein entstandene geschnitzte Marienfigur mit dem Jesuskind kam um 1330 nach Altötting, wo die Gottesmutter bereits seit dem 9. Jahrhundert verehrt wurde. Berichte über zwei Heilungswunder im Jahr 1489 begründeten die inzwischen über 500-jährige Tradition der Wallfahrt. (KNA)

15:05 Uhr: Vatikan verschiebt Spendensammlung wegen Corona-Krise

Wegen der Corona-Krise verschiebt der Vatikan die Sammlung des sogenannten Peterspfennigs auf den Herbst. Statt am 29. Juni, dem Fest der Apostel Petrus und Paulus, soll die weltweite Kollekte nunmehr am Gedenktag des heiligen Franz von Assisi am 4. Oktober stattfinden, wie das vatikanische Presseamt am Mittwoch mitteilte.

Der Peterspfennig ist eine wesentliche Einnahmequelle für den Heiligen Stuhl. Nach Vatikanangaben wird er für humanitäre Zwecke sowie für allgemeine Aufgaben der Kirchenleitung verwandt. Zuletzt veröffentlichte Zahlen gaben das Spendenvolumen 2017 mit 63 Millionen Euro an; davon flossen 24 Millionen in karitative Projekte.

Jüngere Anfragen nach den Kollektenerträgen und ihrer Verwendung ließ der Vatikan unbeantwortet. Im Herbst berichteten unterschiedliche Medien, Einnahmen aus dem Peterspfennig seien unter anderem in eine Immobilieninvestition in London geflossen. (KNA)

15 Uhr: Erzbistum und EKBO bieten kleinen Kirchen Gottesdiensträume an

Die Coronakrise fördert die Ökumene: Wegen der Pandemie stellen die beiden großen Kirchen in Berlin und Brandenburg kleineren christlichen Gemeinschaften Räume zur Verfügung. Dies solle es ihnen erleichtern, unter Einhaltung der staatlich vorgegebenen Abstandsregeln Gottesdienst zu feiern, erklärten der katholische Erzbischof Heiner Koch und der evangelische Landesbischof Christian Stäblein am Mittwoch in Berlin. Die Bischöfe des Erzbistums Berlin und der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz verstehen es als "gelebte Solidarität unter glaubenden Menschen".

Die Koordination des Angebots übernimmt der Ökumenische Rat Berlin-Brandenburg, der 32 Mitgliedskirchen hat. Berlin und Brandenburg erlauben ab 4. Mai wieder öffentliche Gottesdienste mit bis zu 50 Teilnehmenden. Eine Bedingung ist, dass die Besucher einen Mindestabstand von 1,5 Meter nach allen Seiten halten. Unter anderen verfügen christliche Freikirchen jedoch zumeist nur über kleine Sakralräume. (KNA)

13:50 Uhr: Katholischer Verband KAB fordert Aufwertung der Pflegeberufe

Zum Tag der Arbeit am 1. Mai fordert die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung Deutschlands (KAB) eine Aufwertung der Pflegeberufe und Reformen im Gesundheitswesen. Krankenhausschließungen, Personalabbau im Gesundheitswesen und eine katastrophale Sparpolitik im Pflege- und Gesundheitsbereich hätten die Corona-Pandemie zu einem Wettlauf mit dem Tod gemacht, erklärte der katholische Sozialverband am Mittwoch in Köln. Denn überlastete Pflegekräfte sowie fehlende Versorgungssicherheit verschärften die Krise.

"Wir fordern Wirtschaft und Politik auf, endlich Beschäftigte im Gesundheitsbereich, im Einzelhandel, bei Kurierdiensten und den Kinder- und Jugendeinrichtungen adäquat und tariflich besser zu entlohnen", heißt es zudem in dem Aufruf. "Systemrelevante Arbeit verdient auch im Tarifbereich eine nachhaltige und finanzielle Anerkennung." Das derzeitige Kurzarbeitergeld müsse auf 100 Prozent aufgestockt werden, damit Arbeitnehmer nicht in eine soziale Schieflage gerieten. Auch müssten internationale Lieferketten so organisiert werden, dass die Menschenrechte der Arbeitnehmer gewährleistet seien. Der KAB gehören nach eigener Darstellung rund 100.000 Männer und Frauen bundesweit an. (KNA)

13:40 Uhr: Caritas begrüßt schrittweise Wiederöffnung von Kitas und Schulen

Der Deutsche Caritasverband hält die schrittweise Wiederöffnung von Kitas und Schulen in der Corona-Pandemie für richtig. Die Kultus- und Jugendminister hätten mit ihren Beschlüssen das klare Signal gesendet, dass das Wohl der Kinder in den Mittelpunkt gehöre, teilte der katholische Wohlfahrtsverband am Mittwoch mit. "Viele Kita- und Schulkindern werden gerade um Entwicklungsperspektiven beraubt", warnte Caritas-Chef Peter Neher.

Zugleich kritisierte er, dass die Ankündigung der Kultusminister zu zusätzlichen Angeboten für Kinder mit besonderem Unterstützungsbedarf noch nicht mit konkreten Empfehlungen hinterlegt sei. Kinder sollten Möglichkeiten bekommen, Lernunterstützung zu Hause zu erfahren, und die "Rückkehr-Konzepte" müssten Schüler mit besonderem Unterstützungsbedarf gesondert berücksichtigen. Die Einbeziehung der Schulsozialarbeit sollte dabei selbstverständlich sein.

Vorstellungen für ein "Mittagessen auf Rädern" in die Wohnungen der Kinder - als Ausgleich für das fehlende Mittagessen in Kitas und Schulen - nannte Neher "realitätsfremd". Er hoffe, dass dies nun vom Tisch seien. Das am Mittwoch vom Kabinett auf den Weg gebrachte "Sozialschutzpaket II" schaffe Möglichkeiten, Ersatz für das kostenlose Mittagessen in den Einrichungen anzubieten. Dieser müsse nah an die Strukturen vor Ort angelehnt sein, etwa durch Essen in Kleingruppen im Klassenzimmer oder Mitnahme des Essens aus der Schule nach Hause. (KNA)

13:25 Uhr: Gottesdienste in Bayern nur mit offener Tür und Ordnungsdienst

Zu den Rahmenbedingungen der ab 4. Mai in Bayern wieder in beschränktem Umfang erlaubten öffentlichen Gottesdienste sind weitere Details bekannt geworden. So haben sich die katholische und evangelische Kirche gegenüber dem Freistaat verpflichtet, die Kirchentüren offen zu halten. Sitze und Laufwege müssen markiert werden, für den Ablauf stellen die Gemeinden Ordnungsdienste.

"Reduzierter Gemeindegesang" sei möglich, aber keine Chöre. Auch kämen keine Blasinstrumente zum Einsatz. Platzkarten seien nicht erforderlich. Sollte der Andrang die Höchstzahl der zugelassenen Teilnehmer übersteigen, ist ein Anmeldeverfahren notwendig. Mikrofone dürfen nur von jeweils einer Person benutzt werden und müssen anschließend desinfiziert werden. Das gilt auch für die liturgischen Geräte wie Kelche und Hostienschalen. Viel Verantwortung kommt den Bestimmungen zufolge auf Ehrenamtliche zu. Die Ordner müssen nicht nur den Eingang kontrollieren, sondern auch vor, während und nach dem Gottesdienst auf die Einhaltung des Mindestabstandes von zwei Metern unter den Teilnehmern achten. Außerdem haben sie dafür zu sorgen, dass es weder vor noch nach dem Gottesdienst zu Ansammlungen vor der Kirche kommt. Die sieben katholischen Bistümer wollen innerhalb dieses Rahmens für ihre Pfarrgemeinden noch Ausführungsbestimmungen erlassen.

Die evangelische Landeskirche empfiehlt, auch in große Kirchen "in der ersten Phase des Wiedereinstiegs in das gemeinsame Feiern von Gottesdiensten" nicht mehr als höchstens 80 Teilnehmer einzulassen. Die Kirchenvorstände sollten Teams benennen, die nach einer Einweisung das Sicherheitskonzept "freundlich und bestimmt umsetzen". Bei der Feier des Abendmahls wird vorerst zu Zurückhaltung geraten, "weil hier die Gefahr der Infektion besonders groß ist". Statt langer Gesänge, für die eine Mund-Nase-Bedeckung keinen zuverlässigen Schutz biete, sei es möglich, die Lieder zu summen oder auch zu sprechen. Der Prediger sollte zur Gemeinde etwa zehn Meter Abstand halten. (KNA)

13 Uhr: Papst bittet um Beistand für Arbeitslose

Mit Blick auf den "Tag der Arbeit" am 1. Mai hat der Papst um Hilfe für Arbeitslose gebeten. "Ich vertraue alle Menschen der Barmherzigkeit Gottes an, die durch die aktuelle Pandemie von Arbeitslosigkeit betroffen sind", sagte Franziskus am Mittwoch in seiner wöchentlichen Video-Ansprache. Er rief die Gesellschaft auf, die Betroffenen in ihrer Not nicht im Stich zu lassen. Das Kirchenoberhaupt sprach in der Corona-Krise bereits mehrfach die Folgen für den globalen Arbeitsmarkt an. Vor einigen Wochen berief Franziskus eigens eine vatikanische Kommission zum Thema ein. (KNA)

12:15 Uhr: Öffentliche Gottesdienste in Baden-Württemberg wieder ab 4. Mai

In Baden-Württemberg sind ab dem 4. Mai wieder öffentliche Gottesdienste und religiöse Versammlungen erlaubt. Dabei müssen Hygienemaßnahmen gegen das Coronavirus beachtet werden, wie die Landesregierung am Mittwoch nach Gesprächen mit den Kirchen, den Israelitischen Religionsgemeinschaften und mit muslimischen Verbänden mitteilte. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sagte, es sei im Sinne der Religionsfreiheit wichtig, dass Gottesdienste und Gebetsveranstaltungen wieder möglich werden. Die Kirchen und Religionsgemeinschaften hätten gute Hygiene-Schutzkonzepte vorgelegt. Die Vereinbarungen sehen einen Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen den Gläubigen vor. Eine einheitliche Teilnehmerobergrenze gibt es nicht, diese könne je nach Größe der Kirchen und Gebetsräume variieren. An Bestattungen sollen höchstens 50 Personen teilnehmen. Zudem müssen in Kirchen, Synagogen und Moscheen Desinfektionsmittel aufgestellt werden. Das Tragen von Masken wird empfohlen. Auch soll für jeden Gottesdienst- und Gebetsort ein schriftliches Hygienekonzept erarbeitet werden.

Der württembergische Landesbischof Frank Otfried July sagte, es sei schön, nun wieder "sichtbare Gemeinschaft erleben zu dürfen". Es gehöre aber auch zur Freiheit des christlichen Glaubens, "um der Nächsten willen auf Gewohnheiten und auch Rechte zeitweise zu verzichten". Die Anforderungen zum Schutz vor dem Coronavirus dürften die gewohnten gottesdienstlichen Formen erheblich verändern, hieß es von Seiten der Kirche. "Grundlage aller unserer Überlegungen bleibt, dass wir als Kirche alles tun wollen, um Infektionen zu vermeiden", so der badische Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh.

Die Kirchengemeinden sollen nun Zeit erhalten, um die nötigen Schutzmaßnahmen vor Ort anzupassen. Zugleich soll es vielerorts vorerst auch weiterhin Online-Gottesdienste geben. Im Zuge der aktuellen Lockerungen der Corona-Auflagen ist bundesweit eine schrittweise Rückkehr zu öffentlichen Gottesdiensten geplant. In Baden-Württemberg hatte das Land am 21. März alle öffentlichen Gottesdienste und religiöse Feiern bis auf weiteres verboten. (KNA)

11:40 Uhr: Gottesdienste im Bistum Limburg wohl erst ab 3. Mai möglich

Im Bistum Limburg werden öffentliche Gottesdienste nach Angaben der Diözese ab 3. Mai wieder möglich sein. Die Pfarreien würden nun auf die Lockerungen der Corona-Regeln vorbereitet, teilte das Bistum am Mittwoch mit. Die Entscheidung der hessischen Landesregierung, ab dem 1. Mai öffentliche Gottesdienste unter Auflagen wieder zu ermöglichen, werde sehr begrüßt. "Nach Wochen ohne öffentliche Gottesdienste, in denen die freie Religionsausübung aus nachvollziehbaren Gründen eingeschränkt war, kommen wir nun in eine neue Phase", sagte Generalvikar Wolfgang Rösch.

Es sei "gut und wichtig, dass die Lockerungen bereits zum 1. Mai gelten", so Rösch. Dies entspreche dem Wunsch und der Sehnsucht der Gläubigen, wieder Gottesdienste und Eucharistie zu feiern. Nun gelte es, in der Situation "Verantwortung für sich selbst und für andere zu übernehmen". Das gemeinsame Ziel von Politik und Kirche sei es, die Ausbreitung der Corona-Pandemie zu steuern und Menschenleben zu schützen, sagte der Generalvikar. Daher müsse es entsprechende Verordnungen und Hinweise geben. Fest stehe, dass nicht alle Katholiken einer Pfarrei in den kommenden Wochen an Gottesdiensten teilnehmen könnten, sondern der Zugang zahlenmäßig zu begrenzen sei. Es dürfe zu keinem Zeitpunkt zu Menschenansammlungen kommen. Die Zahl der zugelassenen Gottesdienstteilnehmer richte sich nach der Zahl der Sitzplätze, die es unter Wahrung der Abstandsregeln gebe. "Wir freuen uns über die Lockerungen, spüren jedoch, wie weit unsere Grundrechte eingeschränkt bleiben und es unser aller Mittun braucht, mit der Situation gut umzugehen", so Rösch.

Das Bistum Limburg liegt auf dem Gebiet der Länder Hessen und Rheinland-Pfalz. Für Hessen liegt die Entscheidung der Öffnung von Gottesdiensten zum 1. Mai vor. Für Rheinland-Pfalz steht die Entscheidung noch aus. "Vor diesem Hintergrund werden Gottesdienste im Bistum Limburg erst ab 3. Mai möglich sein", so die Diözese. Der Generalvikar will eine entsprechende Dienstanweisung nach der Entscheidung in Rheinland-Pfalz veröffentlichen. (KNA)

11 Uhr: Griechenland erlaubt ab Mitte Mai öffentliche Gottesdienste

Griechenland lässt ab 17. Mai wieder öffentliche Gottesdienste zu. Das kündigte Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis am Dienstagabend in einer TV-Ansprache an. Bereits ab kommenden Montag dürfen demnach Gläubige wieder Kirchen betreten und beten.

Der Regierungschef dankte der orthodoxen Kirche für ihre Zusammenarbeit und ihr Verständnis für die notwendigen Einschränkungen gerade zu Ostern. Künftig könnten Gottesdienste nur unter strengen Auflagen gefeiert werden, die gemeinsam mit den Bischöfen und Wissenschaftlern abgestimmt würden.

In Griechenland gab es laut Behördenangaben (Dienstag) bislang 138 Corona-Tote und knapp 2.600 bestätigte Infektionen. (KNA)

11:20 Uhr: Spanien genehmigt ab 11. Mai Gottesdienste unter Auflagen

Im Zuge der Lockerungen der Corona-Ausgangssperren können in Spanien ab dem 11. Mai wieder Gottesdienste stattfinden. Das kündigte Ministerpräsident Pedro Sanchez am Dienstag in einer Fernsehansprache an. Er stellte allerdings klar, dass nur eine begrenzte Zahl an Teilnehmern erlaubt werde und ein Mindestsicherheitsabstand gelte.

Sanchez teilte die schrittweise Lockerung des Alarmzustands und der strikten Ausgangssperren in vier Phasen ein, um bis Ende Juni zu einer "neuen Normalität" zurückkehren zu können. In der zweiten Phase, die ab dem 11. Mai starten soll, sind wieder Gottesdienste erlaubt, wobei aber nur 30 Prozent der Platzkapazitäten benutzt werden dürfen. In der dritten Phase, die zwei Wochen später beginnt, können die Kirchen bereits 50 Prozent der Plätze füllen. Bis zum 11. Mai sind alle religiösen Zeremonien in Spanien weiterhin untersagt. Bisher finden in vielen Gemeinden Gottesdienste ohne Teilnehmer statt, die live in sozialen Medien und im Fernsehen übertragen werden.

Sanchez ergänzte, dass der Fahrplan der Lockerungsmaßnahmen allerdings nicht zeitlich fix sei. Alles hänge vom weiteren Verlauf der Pandemie ab. Dabei könnte die Wiederaufnahme von Gottesdiensten in Spanien auch regional zeitversetzt stattfinden, da die Covid-19 Infektionszahlen je nach Region sehr schwanken und die Regionen unterschiedlich schnell die verschiedenen Lockerungsphasen erreichen könnten. Somit dürften Gottesdienste auf einigen spanischen Ferieninseln wie Mallorca oder Gran Canaria früher erlaubt werden als in schwer von der Pandemie betroffenen Regionen wie Madrid oder Katalonien. "Wir müssen geduldig sein, für unsere Behörden beten und mit ihnen zusammenarbeiten, um Neuinfektionen zu vermeiden, insbesondere um die am stärksten gefährdeten Personen zu schützen", hatte der Vorsitzende der spanischen Bischofskonferenz, Barcelonas Kardinal Juan Jose Omella, am Sonntag gesagt. Er setzt sich seit längerem in Gesprächen mit der spanischen Zentralregierung für die langsame und schrittweise Wiedereröffnung von Gottesdiensten für die Gläubigen ein. (KNA)

10:30 Uhr: Papst mahnt Europas Einheit und ehrlichen Umgang mit Fehlern an

Papst Franziskus hat vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie die Einheit Europas und der Europäischen Union angemahnt. Alle müssten gemeinsam als Geschwister vorangehen, sagte er in seiner Messe am Mittwoch im Vatikan. Anlass war der Gedenktag der italienischen Mystikerin und Theologin Katharina von Siena (1347-1380), die in der katholischen Kirche als Schutzpatronin Europas verehrt wird.

In seiner Predigt ermutigte der Papst dazu, Fehler einfach und konkret zu benennen. Konkretheit führe zur Demut, sagte er. Wer nur allgemein von Defiziten aller rede, betrüge sich selbst. Notwendig sei "die Freiheit, die Dinge zu sagen, wie sie sind", betonte Franziskus. (KNA)

10 Uhr: Theologe Kranemann kritisiert "Eucharistie-Fixiertheit"

Der katholische Theologe Benedikt Kranemann hat im Zuge der Wiederzulassung von Gottesdiensten eine "Eucharistie-Fixiertheit" beklagt. "Alternative Formen wie digitale Wortgottesdienste, Hausgottesdienste, Verknüpfungen von Musik und Gebet, Anregungen fürs persönliche Gebet - in den vergangenen Wochen sind viele kreative Formate entwickelt und erprobt worden, die dürfen mit der Lockerung des öffentlichen Gottesdienstverbots nicht wieder unter den Tisch fallen", forderte der an der Universität Erfurt lehrende Liturgiewissenschaftler am Mittwoch. Die Diskussion darüber, wie solche Alternativen zu stärken seien und Pluralität zu etablieren sei, werde viel zu wenig geführt. "Der Drang bei Kirchenverantwortlichen ist sehr stark, möglichst schnell zur Eucharistie zurückzukehren."

Zugleich betonte er: "Es geht natürlich nicht darum, etwas gegen Eucharistie zu sagen, sondern um die Frage: Was ermöglicht in der aktuellen Situation eine möglichst große Mitfeier?" Er sehe in den Schutzkonzepten und Leitlinien der Bistümer durchaus den Versuch, in der Corona-Krise einen gangbaren Weg zu finden, so Kranemann. Problematisch sei aber die geringe Zahl der Teilnehmenden an den nun wieder unter Auflagen zugelassenen Gottesdiensten und die Auswahl, wer teilnehmen dürfe. "Auch Charakteristika der Eucharistiefeier, wie eine möglichst aktive Einbindung der Gläubigen und Elemente der Gemeinschaftlichkeit, sind kaum möglich, und das macht es aus theologischer Sicht problematisch." Er verwies etwa auf das Wegfallen von Gesang, Friedensgruß oder dem sogenannten Kommunion-Dialog beim Empfang der Hostie.

"Es ist in der Tat eine unbequeme Situation", so Kranemann, "aber die Möglichkeit, sich jetzt der Diskussion nach alternativen und digitalen Gottesdienstformen stellen zu müssen, die sollte man nicht verspielen." Gleichzeitig stelle die Digitalisierung die Theologie auch vor neue Herausforderungen: "Einfaches Beispiel: Wenn ein Priester das Evangelium vom Tablet abliest und das womöglich auch noch küsst, dann funktioniert meines Erachtens der Ritus nicht mehr." Es stellten sich auch neue Fragen nach Präsenz, etwa ob Sakramente wie die Beichte auch via Videochat möglich sein können. "Da sind wir sehr schnell bei grundlegenden theologischen Fragen, die neu diskutiert werden müssen und für die es Qualitätsstandards braucht", betonte Kranemann. (KNA)

9:30 Uhr: Tschechischer Bischof verlässt Klinik nach Covid-19-Erkrankung

Dem an Covid-19 erkrankten emeritierten Prager Weihbischof Karel Herbst (76) geht es deutlich besser. Nach Angaben der Tschechischen Bischofskonferenz wurde er am Dienstag aus einer Prager Klinik entlassen. Der Bischof war einen Monat lang im Krankenhaus behandelt worden, nachdem Ende März seine Infektion mit dem Coronavirus festgestellt worden war.

Der Ordensmann der Salesianer war von 2002 bis zu seiner vorzeitigen Emeritierung 2016 Weihbischof in Prag. Der Prager Kardinal Dominik Duka (77), die beiden Weihbischöfe Vaclav Maly (69) und Zdenek Wasserbauer (53) sowie weitere Kontaktpersonen hatten sich wegen Herbsts Infektion vorübergehend in Quarantäne begeben. (KNA)

9 Uhr: Gottesdienste: Bistum Fulda braucht Zeit

Öffentliche Gottesdienste sind in Hessen ab dem 1. Mai grundsätzlich wieder möglich. Das gab die Landesregierung am Dienstag bekannt. Das Bistum Fulda braucht nach eigenen Angaben allerdings noch Zeit und hält eine Umsetzung vor dem 4. Mai nicht für realisierbar. In den aktualisierten Regelungen der Landesregierung zur Corona-Krise hieß es am Dienstag, dass sich ab Freitag Glaubensgemeinschaften in Hessen wieder versammeln dürften. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) sagte in Wiesbaden: "Wir sind froh, dass wir einen praktikablen Konsens mit den Vertretern der Glaubensgemeinschaften gefunden haben und die Gläubigen wieder zusammenkommen können. Gerade in dieser Zeit kann ein starker Glaube Halt geben".

Der Bischof des Bistums Fulda, Michael Gerber, begrüßte die in Aussicht gestellten Lockerungen. Nun müsse ein Schutzkonzept entwickelt werden, das an die jeweilige Situation vor Ort angepasst werden könne. "Angesichts der knappen Zeit auch wegen des Maifeiertages und der aufwendigen Vorbereitung ist eine Umsetzung vor Montag, 4. Mai, nicht realisierbar", erklärte Gerber. Er hat eine Arbeitsgruppe beauftragt, "genaue Regelungen für die Öffnung der Gemeindegottesdienste" zu erstellen.

Es gehe nicht nur um praktische Regelungen, so der Bischof. Wesentlich sei, "wie können wir Gottesdienste feiern in einer Haltung der Solidarität zwischen jenen, die jetzt wieder in die Kirchen kommen, und denjenigen, die das nicht können?" Dies müsse gut vorbereitet sein. Das Streamingangebot der Sonntagsmesse werde vorerst weitergeführt, hieß es. Zu Gottesdiensten im Freien und zu Prozessionen würden "zu gegebener Zeit" Vorgaben bekanntgemacht. Dabei sei allerdings davon auszugehen, dass Prozessionen "in der üblichen Form" bis auf Weiteres nicht stattfinden könnten. (tmg/KNA)

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