Leere Kirchenbänke.
Newsticker: Corona und die Kirche, 29. Mai

Sternberg: Kirchen werden nach Corona Mitglieder verlieren

Die ganze Welt ist von der Corona-Pandemie betroffen. Auch das kirchliche Leben ist eingeschränkt: Gottesdienste und andere Veranstaltungen fallen aus, Christen helfen, Christen erkranken. Im katholisch.de-Newsticker gibt es ein aktuelles Bild der Lage in Deutschland und der Weltkirche.

Bonn - 29.05.2020

17:30 Uhr: Katholische Unternehmer: Kein Krisenkonzept zu Kirchenfinanzen

Der Vorsitzende des Bundes Katholischer Unternehmer (BKU), Ulrich Hemel, sieht die großen Kirchen wegen des coronabedingt erwarteten Rückgangs beim Kirchensteueraufkommen vor großen wirtschaftlichen Problemen. Auf die Kirchen kämen Einkommensverluste von mindestens 25 bis 30 Prozent zu, teilte Hemel am Freitag in Köln mit. "Das ist wirklich erheblich, da bereits die Personalkosten von Kirchen bei ungefähr 70 Prozent liegen."

Hemel ergänzte: "Es wird Heulen und Zähneknirschen geben, Verkauf und Schließung von Tagungsstätten, Krankenhäusern, Kindergärten und dergleichen - wenn es nicht ein intelligenteres Konzept gibt." Der BKU-Chef kritisierte: "Eine wirkliche Krisenstrategie ist aber nirgends erkennbar, eher ein fantasieloses 'Weiter wie bisher'." Wichtig für die Entwicklung seien "Inseln der Hoffnung" und zukunftsfähige strategische Schwerpunkte, etwa die Seelsorge als Gesprächsangebot in Innenstädten und an touristischen Orten oder die Begleitung in Krisensituationen wie der Obdachlosigkeit.

Den Versuch, Probleme durch Gemeinde-Zusammenlegungen zu lösen, nannte Hemel "einen Ausdruck organisierter Fantasielosigkeit". Gemeinden seien historisch gewachsene Gebilde, die auch die Kraft zum Überleben hätten. Hemel ergänzte, er hoffe auf die oft massiv unterschätzte "Zahlungsbereitschaft, Fantasie und Kompetenz des Gottesvolks". Durch sie habe Kirche auch in schwierigen Zeiten Zukunft. Die entsprechenden Kräfte müssten aber erst einmal freigesetzt und freigelassen werden. (KNA)

16:30 Uhr: Immer mehr Corona-Infizierte in Bremerhavener Pfingstgemeinde

Nach dem Ausbruch des Coronavirus im Zusammenhang mit einem Gottesdienst einer freikirchlichen Pfingstgemeinde in Bremerhaven steigt die Zahl der positiv getesteten Personen. Bisher seien 44 Infektionen im Umfeld der Gemeinde nachgewiesen worden, sagte am Freitag der Leiter des Corona-Krisenstabes in Bremerhaven, Ronny Möckel. "Wir rechnen grundsätzlich mit weiter steigenden Zahlen", sagte der Chef des Bremerhavener Gesundheitsamtes. Am Gottesdienst hätten etwa 150 Besucher teilgenommen, darunter auch Gäste, die später positiv getestet worden seien.

Zur Gemeinde gehören 800 bis 1.000 Mitglieder aus Bremerhaven und aus dem Umland im Landkreis Cuxhaven. "Mit der Leitung der Religionsgemeinschaft besteht Kontakt hinsichtlich der Aufklärung", sagte Möckel. Ob die Infektionen direkt auf den Gottesdienst zurückzuführen sind und ob im Gottesdienst Fehler hinsichtlich des Infektionsschutzes gemacht wurden, muss seinen Worten zufolge noch geklärt werden. Alle Zusammenkünfte in der Gemeinde seien nun für zwei Wochen untersagt.

"Wir arbeiten zunächst mit Hochdruck an den Ermittlungen, was weitere Kontaktpersonen angeht", sagte Möckel. Es gebe eine umfangreiche Liste. Ein erster Infektionsfall wurde am 23. Mai festgestellt. Die Betroffenen sind zwischen zwölf und 80 Jahre alt.

"Was mich positiv stimmt: Der Altersdurchschnitt ist relativ niedrig", sagte Möckel. Zwei Infizierte seien im Krankenhaus, darunter eine Schwangere. Sowohl positiv Getestete wie Kontaktpersonen kämen aus Bremerhaven und dem Umland. Insgesamt befänden sich derzeit allein in Bremerhaven im Zusammenhang mit dem Sars-Cov2-Ausbruch in der Gemeinde mehr als 100 Menschen in Quarantäne. Um weitere Ansteckungen zu identifizieren, werde großzügig getestet, "über die Symptom- und Stadtgrenze hinaus", ergänzte Möckel.

Im Zusammenhang mit einem Gottesdienst verzeichnet Bremerhaven nach Frankfurt den zweiten Coronavirus-Ausbruch in Deutschland. In einer Frankfurter Baptistengemeinde sind inzwischen 200 Personen im Umfeld der Gemeinde positiv getestet worden. Am vergangenen Wochenende war bekanntgeworden, dass es dort aufgrund eines Gottesdienstes am 10. Mai zur massenhaften Verbreitung des Virus in der selbstständigen Evangeliums-Christen-Gemeinde kam. Die Teilnehmer trugen keinen Mund-Nasen-Schutz und sangen während der Feier. (epd)

16:15 Uhr: Livestream-Gottesdienste im Bistum Limburg noch bis 5. Juli

Die Livestream-Gottesdienste des Bistums Limburg im Internet werden nach Angaben der Diözese bis 5. Juli fortgeführt. "Die Nachfrage ist weiterhin sehr hoch und wir erhalten nach wie vor viele positive Rückmeldungen", erklärte Bistumssprecher Stephan Schnelle am Freitag. Dies sei auch ein Beitrag zum Schutz besonders gefährdeter Menschen vor dem Coronavirus.

Die gestreamten Gottesdienste werden dienstags und freitags um 18.00 Uhr sowie sonntags um 10.00 Uhr über den Facebook- und Youtube-Kanal des Bistums übertragen. Online gezeigt würden auch der Gottesdienst an Fronleichnam am 11. Juni, ein Wortgottesdienst am 20. Juni mit Paaren, die ihre Silberne Hochzeit feiern, und die Aussendung neuer pastoraler Mitarbeiter am 4. Juli.

Das Bistum hatte in den vergangenen Wochen, in denen keine oder nur eingeschränkt öffentliche Gottesdienste gefeiert werden konnten, täglich Gottesdienste vom Limburger Domberg auf Youtube und Facebook live gestreamt. Tausende Menschen hätten die Liturgien an den Bildschirmen mitgefeiert, hieß es. Livestreams soll es nun noch bis 5. Juli geben, dem Sonntag vor Beginn der Sommerferien in Hessen und Rheinland-Pfalz. (KNA)

16 Uhr: Vatikanische Gärten beherbergen Sommercamp für Kinder

Trotz der Corona-Pandemie öffnet der Vatikan seine Gärten für ein Sommercamp. Den Juli über können Kinder und Jugendliche rund um den Alterssitz des emeritierten Papstes Benedikt XVI. betreuten Aktivitäten und Sportarten nachgehen, schwimmen und auf Hüpfburgen toben. Die Initiative "Estate Ragazzi in Vaticano" richtet sich an Kinder von Vatikan-Angestellten.

Die Einladung des Vatikanstaates datiert auf den 12. März und rechnete zu diesem Zeitpunkt mit einem Ende der Corona-Krise. Auch in Italien sind in diesem Jahr organisierte Freizeiten für Kinder und Jugendliche möglich, jedoch unter strengen Infektionsschutzauflagen. Das Familienministerium veröffentlichte am 16. Mai dazu Richtlinien. Der Vatikan ist an italienisches Recht nicht gebunden.

Das vatikanische Sommerprogramm richtet sich an bis zu 150 junge Teilnehmer in drei Altersklassen von 5 bis 14 Jahren. Gestaltet wird das ganztägige Betreuungs- und Animationsangebot von Mitgliedern des Salesianerordens, der auf Jugendarbeit spezialisiert ist. Geplant sind Mannschaftsspiele und eine Kinderolympiade am Hubschrauberlandeplatz, Kreativ-Workshops in der Audienzhalle, geführte Streifzüge und Lernspiele in den Gärten sowie Aktivitäten in den vatikanischen Sportanlagen.

Auch in der Vergangenheit bot das vatikanische Governatorat eine sommerliche Kinderbetreuung für Beschäftigte an, allerdings in Einrichtungen außerhalb des Vatikanstaates. Wegen der Corona-Krise sind Räumlichkeiten im Vatikan wie die päpstliche Audienzhalle oder die Vatikanischen Museen derzeit weniger ausgelastet.

Die Zahl der Kinder von Laienmitarbeitern des Heiligen Stuhls und des Vatikanstaates dürfte bei mehreren hundert liegen. Ein Angestellter und Familienvater sagte, die Vorstellung eines Sommercamps in den Vatikanischen Gärten sei eher für Erwachsene attraktiv. Ungeachtet der gepflegten Parkanlage habe das Areal innerhalb der Mauern für Kinder "ein bisschen was Gefängnishaftes". (KNA)

14:45 Uhr: EU-Bischöfe: Corona-Wiederaufbau in "erneuerter Solidarität"

Die EU-Bischofskommission COMECE fordert einen erneuerten Geist von Einheit und Solidarität in Europa angesichts der Corona-Pandemie. "Ein ehrgeiziger Wiederaufbauplan wäre ein sichtbares Zeichen dafür, dass die EU und ihre Mitgliedstaaten wieder auf dem Weg der Solidarität sind", heißt es in einer Brüsseler Erklärung der COMECE-Sozialkommission.

Die Frage sozialer, ökologischer und gestalterischer Gerechtigkeit müsse beim Wiederaufbau im Mittelpunkt stehen, so der Vorsitzende der Sozialkommission, Weihbischof Antoine Herouard aus Lille. Ein Wiederaufbaufonds für die bedürftigen Mitgliedstaaten wäre auch für jene vielen EU-Bürger von Bedeutung, die sich von egozentrischen Maßnahmen einiger Länder zu Beginn der Pandemie enttäuscht fühlten, schreiben die EU-Bischöfe.

Die COMECE fordert die EU und die nationalen Behörden auf, die Diskussion über den Plan im Sinne des Gemeinwohls zu gestalten, um eine "gemeinsame Erholung zu erreichen" in einem "erneuerten Geist der Solidarität". (KNA)

14:40 Uhr: Bedford-Strohm nennt Kirchensteuerausfälle drastisch

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat die wegen der Corona-Pandemie erwarteten Ausfälle bei der Kirchensteuer als drastisch bezeichnet. Im SWR-"Interview der Woche" (Samstag) sagte Bedford-Strohm zugleich, seit Jahren werde an Konzepten für eine Kirche der Zukunft gearbeitet, die zu geringeren finanziellen Möglichkeiten passe.

Die Infektionsfälle nach einem Gottesdienst in einer hessischen Baptistengemeinde zeigen laut Bedford-Strohm, dass die beiden großen Kirchen mit ihren strengen Corona-Regeln richtig lägen. Dort seien von Anfang an alle Schutzregeln befolgt worden.

Kritik der thüringischen Ex-Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht am Verhalten der Kirchen während der Pandemie nannte Bedford-Strohm "unfair." Seelsorger hätten sich aufgerieben, um Menschen so gut wie möglich zu begleiten. (KNA)

14:15 Uhr: Overbeck und Vizepräses würdigen Solidarität in Corona-Krise

Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck und der Vizepräses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Christoph Pistorius, haben die Solidarität in der Corona-Krise gewürdigt. Die Pandemie habe "viele Selbstverständlichkeiten und das normale Leben radikal verändert", heißt es in einer am Freitag in Auszügen veröffentlichten gemeinsamen Pfingstbotschaft. Trotz aller Sorgen sähen aber viele Menschen, was sie tun können: "Bei anderen Menschen zu sein, in ihren Nöten zu helfen und das Gemeinwohl im Blick zu haben."

Pfingsten ist nach den Worten der leitenden Geistlichen das Fest, dass die Christen trotz aller Spaltungen verbinde. "Gottes Geist eint und bindet uns Christen alle miteinander, gerade auch da, wo wir in unterschiedlichen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften zu Hause sind", so Overbeck. "Wir Christen haben den gemeinsamen Auftrag, für das Gemeinwohl aller einzutreten - niemand soll zugrunde gehen", so Pistorius. (KNA)

13:35 Uhr: Gebetshaus: 150.000 Teilnehmer bei internationalem Gebet

Rund 150.000 Menschen haben nach Veranstalterangaben an der als Hoffnungszeichen in der Corona-Krise gedachten Gebetsinitiative "Gemeinsam vor Pfingsten" teilgenommen. Die Beteiligten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz hätten am Donnerstagabend um Gottes guten Geist, Mut statt Angst sowie Verständigung statt Verwirrung gebetet, teilte das Augsburger Gebetshaus unter der Leitung des katholischen Theologen Johannes Hartl am Freitag mit. Hartl war demnach einer der Moderatoren des Gemeinschaftsgebets. Bei der Aktion seien Gebete von Christen diverser Konfessionen von 30 Orten aus medial übertragen worden.

Gebetet wurde in einigen der wichtigsten Gotteshäuser Zentraleuropas, wie es hieß: etwa im Bamberger Dom, der Dresdner Frauenkirche, im Zürcher Großmünster und in der Wiener Votivkirche. Auch Initiativ-Stätten wie die "Urban Life Church" in Ludwigsburg sowie Online-Gruppen hätten mitgemacht. Laut Gebetshaus ging es bei "Gemeinsam vor Pfingsten" um den "verbindenden und stärkenden Glauben an Jesus Christus, wie er in der heutigen Zeit gelebt wird und sich gleichzeitig auf eine 2.000 Jahre alte Tradition aufbaut". Die Initiatoren ergänzten, die Wurzeln Europas seien auf den christlichen Glauben zurückzuführen, die es gemeinsam neu zu entdecken gelte. Die Einheit der Christen sei von den Teilnehmern immer wieder betont worden.

Zum Trägerkreis der Initiative zählen den Angaben zufolge etwa der katholische Fuldaer Bischof Michael Gerber, die evangelische Regionalbischöfin von Bayreuth, Dorothea Greiner, der rumänisch-orthodoxe Metropolit für Deutschland, Serafim Joanta, der katholische Bischof von Innsbruck in Österreich, Hermann Glettler, sowie Urban Federer, Abt des Benediktinerklosters Einsiedeln in der Schweiz. Die Aktion war laut Mitteilung eine Fortsetzung von "Deutschland betet gemeinsam". Diese ökumenische Internet-Aktion unter Hartls Leitung hatte im April laut Organisatoren mehr als 500.000 Menschen mobilisiert. (KNA)

13:30 Uhr: Corona-Infizierte nach Gottesdienst in Bremerhavener Pfingstgemeinde

Nach dem Ausbruch des Coronavirus im Zuge eines Gottesdienstes einer freikirchlichen Pfingstgemeinde in Bremerhaven sind nach Angaben der Behörden bisher 20 Personen positiv getestet worden. Es könnten noch mehr dazukommen, sagte Bremerhavens Magistratssprecher Volker Heigenmooser am Freitag dem epd. Bisher seien 43 Kontaktpersonen ermittelt worden und in Quarantäne. Sie kommen den Angaben zufolge aus Bremerhaven und dem umliegenden Landkreis Cuxhaven. Am Gottesdienst hätten etwa 150 Besucher teilgenommen, darunter auch Gäste, die später positiv getestet worden seien, sagte Heigenmooser.

Sogenannte Containment-Scouts des Gesundheitsamtes versuchen weiterhin, Kontakt- und Infektionswege aufzudecken. Der Corona-Krisenstab in Bremerhaven will im Laufe des Tages über den aktuellen Stand des Infektionsgeschehens in der Gemeinde und im Umfeld der Pfingstler informieren. In einer Frankfurter Baptistengemeinde sind inzwischen 200 Personen im Umfeld der Gemeinde positiv getestet worden. Neun an Covid-19 Erkrankte würden in Krankenhäusern behandelt, eine Person auf der Intensivstation, teilte das Gesundheitsamt Frankfurt am Main mit. (epd)

13:20 Uhr: Bischof Neymeyr: Corona-Gottesdienste eröffnen neue Erfahrungen

Der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr sieht die von Abstands- und Hygieneregeln geprägten Gottesdienste auch positiv. "Corona-Gottesdienste sind nicht feierlich", räumt Neymeyr in einer am Freitag vorab veröffentlichten Pfingstpredigt ein. "Es ist aber auch eine ganz neue Erfahrung, dass Sorgen, die unsere Gesellschaft und die Menschen bewegen, nicht in den Fürbitten zur Sprache kommen, sondern den ganzen Gottesdienst prägen", betont der Bischof des Bistums Erfurt.

Er verwies auf "die erkrankten Menschen und ihre Angehörigen, an die Bewohnerinnen und Bewohner in den Altenheimen und das Pflegepersonal, an die Menschen, die um ihre wirtschaftliche Existenz fürchten und an die Familien, die an den Rand ihrer Möglichkeiten gekommen sind".

Neymeyr wendet sich gegen den Vorwurf, es sei unsolidarisch, wenn Gottesdienste erlaubt würden und dies für kulturelle Veranstaltung nicht der Fall sei. Er betonte, dass Religionsfreiheit wie auch Meinungs- und Versammlungsfreiheit Verfassungsgüter seien, "die nur soweit beschnitten werden dürfen, wie es unbedingt nötig ist". So hätten katholische Christen einen kirchenrechtlichen Anspruch auf Empfang der Sakramente. "Deswegen kann auch unter den Bedingungen der Infektionsschutzmaßnahmen nicht darauf verzichtet werden." (KNA)

12:40 Uhr: Osteuropa-Hilfswerk Renovabis bittet zu Pfingsten um Spenden

Ein feierlicher Gottesdienst im Freiburger Münster beschließt am Pfingstsonntag die Renovabis-Spendenaktion. Der Gottesdienst mit Erzbischof Stephan Burger wird ab 10.00 Uhr auch über die Internetseite der Diözese - www.ebfr.de - übertragen. Zu Pfingsten wird bundesweit in allen katholischen Gottesdiensten um Spenden für Renovabis geworben.

Das Hilfswerk engagiert sich in kirchlichen und humanitären Projekten in Mittel-, Ost- und Südeuropa. Die Solidarität mit den Menschen in Osteuropa dürfe auch in Corona-Zeiten nicht vergessen werden, betonte Renovabis-Geschäftsführer Markus Ingenlath.

Die diesjährigen "Renovabis-Solidaritätswochen" stehen unter dem Leitwort "Selig, die Frieden stiften". Beispielland ist die Ukraine. Seit dem Ausbruch der Pandemie verzeichnet das Hilfswerk aus vielen seiner 29 Partnerländern eine wachsende Nachfrage nach Unterstützung. Weil die katholischen Pfingstgottesdienste mit den Spendenkollekten nur eingeschränkt gefeiert werden können, bittet das Hilfswerk auch um Online-Spenden. (KNA)

12 Uhr: Öffentliche Gottesdienste im Erzbistum Luxemburg wieder möglich

Im Erzbistum Luxemburg sind ab sofort wieder öffentliche Gottesdienste unter Auflagen möglich. Das Schutzkonzept gegen Corona sieht zwei Meter Abstand zwischen den Besuchern, markierte Plätze und eine vorherige telefonische Anmeldung zum Gottesdienst vor, wie das Erzbistum auf seiner Website mitteilt.

An den Eingängen müssen Desinfektionsmittel bereitgestellt und Türgriffe vor und nach einer Messe desinfiziert werden. Beim Betreten und Verlassen der Kirche sowie nach Möglichkeit auch während des Gottesdienstes müssen Besucher eine Maske tragen. Menschen mit Corona-Symptome sind von einer Teilnahme ausgeschlossen.

Prozessionen zu Fronleichnam oder Pfingsten sind im Erzbistum Luxemburg nicht erlaubt. Über Prozessionen zu Mariä Himmelfahrt (15. August) soll später entschieden werden. Taufen und Trauungen sollen bis auf Ausnahmen erst ab Mitte September gefeiert werden. Begräbnismessen sind bei Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln möglich. Weihwasserbecken bleiben leer; auch der Friedensgruß mit Händedruck entfällt. (KNA)

11:45 Uhr: Caritas: Corona-Warn-App braucht gesetzliche Grundlage

Der Deutsche Caritasverband fordert eine gesetzliche Grundlage als Voraussetzung für die Einführung einer Corona-Warn-App. "Arbeitsrechtliche Fragen, Fragen des Quarantäne-Anspruchs, der Lohnfortzahlung und Anforderungen der Datensicherheit und Datensouveränität sind nur mit einer gesetzlichen Klärung zu beantworten", erklärte Caritas-Präsident Peter Neher am Freitag in Berlin: "Unsere 25.000 Einrichtungen und Dienste und unsere 650.000 Mitarbeitende, von denen nicht wenige einem hohen Infektionsrisiko im beruflichen Kontext ausgesetzt sind, brauchen diese Klarheit."

Eine Sprecherin des Bundesarbeitsministeriums erklärte dazu, ein solches Gesetz sei nicht geplant. Regierungssprecher Steffen Seibert betonte, die Nutzung der App werde auf Freiwilligkeit beruhen, "niemand wird dazu gezwungen". Die Daten seien zudem anonymisiert. Die Verhängung eine möglichen Quarantäne werde weiterhin durch das Gesundheitsamt getroffen. Belgien und die Schweiz planen dagegen eine gesetzliche Grundlage

Neher erklärte weiter, unter den genannten Voraussetzungen begrüße der katholische Sozialverband die Einführung. Die App könne dann helfen, Infektionsketten nachzuverfolgen, und einen wertvollen Beitrag dazu leisten, eine zweite Welle der Pandemie zu verhindern. Die bisher schon getroffenen Entscheidungen für eine dezentrale Lösung, für eine Opensource-Software und für eine freiwillige Nutzung seien richtig und stärkten das Vertrauen in das Instrument. (KNA)

11:30 Uhr: Wegen Corona entfallen Fronleichnams-Prozessionen in NRW

Die traditionellen Prozessionen an Fronleichnam fallen wegen der Corona-Krise in nordrhein-westfälischen Gemeinden weitgehend aus. Das ergibt eine Umfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) unter den fünf NRW-Bistümern. Das Bistum Aachen hat Prozessionen für seine Gemeinden abgesagt. Das Erzbistum Köln schließt diese "nicht kategorisch aus"; zu dem mit den örtlichen Behörden abzustimmenden Sicherheitskonzept gehörten aber der Mindestsabstand und die Kontrolle einer maximalen Teilnehmerzahl. Das Erzbistum Paderborn und die Diözese Münster raten ihren Pfarreien zum Verzicht auf den Brauch. Das Bistum Essen überlässt die Entscheidung den Verantwortlichen vor Ort, geht aber davon aus, dass Prozessionen nicht stattfinden.

Dafür wird es vielerorts wohl Gottesdienste unter freiem Himmel geben. So hält der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki an Fronleichnam am 11. Juni um 10.00 Uhr eine Messe auf dem Roncalliplatz vor dem Kölner Dom. In Paderborn gibt es um 10.00 Uhr einen Gottesdienst auf dem Domplatz mit Erzbischof Hans-Josef Becker und 100 Teilnehmern. Auf dem Domplatz in Münster beginnt um 11.00 Uhr eine Feier unter freiem Himmel. Das Bistum betont, dass bei Freiluft-Gottesdiensten der Mindestabstand und die Hygieneregeln eingehalten werden müssen. Der Veranstaltungsort müsse umgrenzt sein, um die Teilnehmerzahl kontrollieren zu können. Die Diözese empfiehlt ihren Pfarreien, solche Feiern mit der Kommune abzusprechen. Dass Gottesdienste - ob unter freiem Himmel oder in der Kirche - grundsätzlich möglich sind, stellte das Erzbistum Köln klar. Anders sehe es bei den Prozessionen aus. Mindestabstand und beschränkte Zugänge könnten hier nicht garantiert werden, hieß es. Sollten sich die Corona-Auflagen bis Fronleichnam nicht ändern, müssten die Prozessionen daher entfallen.

Am zweiten Donnerstag nach Pfingsten feiert die katholische Kirche das Fest Fronleichnam. Der Name bedeutet übersetzt so viel wie "Fest des Leibes und Blutes Christi". Er leitet sich ab aus dem Althochdeutschen. Dabei steht "vron" für "Herr" und "licham" für "Leib". Mit dem Fest erinnern die Katholiken an die Gegenwart Jesu im Sakrament der Eucharistie. Die heutige Sinngebung des Festes geht vom Bild des wandernden Gottesvolkes aus, dessen Mitte Christus ist, das "Brot des Lebens". In Prozessionen tragen Geistliche Monstranzen mit der als Leib Christi verehrten Hostie durch die Straßen. Derartige Fronleichnams-Prozessionen gab es erstmals in den 1270er Jahren in Köln. (KNA)

11:15 Uhr: Bischof Fürst warnt vor Ungeist der Entsolidarisierung

Zum Pfingstfest ruft der Rottenburger Bischof Gebhard Fürst dazu auf, "den Geist der Liebe gegen den Ungeist der Entsolidarisierung" zu stellen. Trotz bedrückender Erfahrungen in den Zeiten der Pandemie greife neuer Ungeist um sich, so Fürst am Freitag. Menschen gingen auf die Straße, weil sie sich ihrer Grundrechte beraubt sähen. Sie stellten ihr Bedürfnis nach Freiheiten über den Schutz der besonders Schwachen. Das sei nicht nur unsolidarisch, "sondern geradezu egoistisch und im höchsten Maße verletzend".

Zugleich sei vielerorts ein pfingstlicher Geist spürbar. Nach Corona werde sich die Welt verändert haben, so der Bischof. Doch schon jetzt gebe es Hoffnungszeichen. Als Beispiele nannte Fürst Schüler, die freie Zeit nutzten, um für Ältere einzukaufen, und Menschen, die über Telefon oder Soziale Netzwerke miteinander Kontakt hielten.

Fürst will am Sonntag einen Gottesdienst in der Stuttgarter Domkirche gestalten. Ebenfalls am Sonntag feiert Fürst am Abend mit dem württembergischen evangelischen Landesbischof Frank Otfried July ein ökumenisches Gebet. (KNA)

11 Uhr: Overbeck: Als Kirche "demokratische Sittlichkeit" stärken

Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck hat die Einhaltung einer "demokratischen Sittlichkeit" auch in der Corona-Krise angemahnt. "Demokratie lebt von geschriebenen und von ungeschriebenen Voraussetzungen, ohne deren Einhaltung sie langfristig nicht existieren kann", sagte Overbeck in einem am Freitag in Berlin veröffentlichten Interview der CDU-nahen Konrad Adenauer-Stiftung. Dazu gehörten Fairness, Respekt gegenüber dem politischen Gegner, Mut zur Kontroverse, Gemeinsinn und Gemeinwohlorientierung. Die Kirche wolle diese "demokratische Sittlichkeit" stärken. Damit Solidarität und die Eindämmung der Pandemie gelängen, brauche es weiterhin innere Zustimmung und gegenseitiges Vertrauen zwischen den Bürgern und den politisch Handelnden, erklärte der Ruhrbischof. "Dieses Vertrauen ist der Grundpfeiler unserer liberalen Demokratie und prägt auch wesentlich das Verhältnis von Zivilgesellschaft und staatlicher Politik." Vertrauen bilde auch die Voraussetzung für ein friedliches Miteinander.

Zugleich wandte sich Overbeck erneut gegen sogenannte Hygiene-Demonstrationen: Dort fänden sich "auch Gegner unserer demokratischen Grundordnung, die unter dem Vorwand des Schutzes von Grundrechten gerade versuchen, dieses Vertrauen der Menschen zu erschüttern". "Als Kirche können und wollen wir unseren Beitrag dazu leisten, Vertrauen in die Demokratie zu stärken", versprach Overbeck. Er verwies dabei auch auf das im vergangenen Jahr von der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und vom Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) veröffentlichte gemeinsame Wort "Vertrauen in die Demokratie stärken".

Weiter warnte Overbeck vor einer sich in der Corona-Pandemie verschärfenden Bildungsungerechtigkeit. Familien könnten Schulschließungen je nach ökonomischem und sozialem Hintergrund besser oder schlechter kompensieren, "weshalb sich die soziale Ungleichheit in unserer Gesellschaft gerade dramatisch verschärft", so der Bischof. Auch die zeitlich begrenzte Schließung zivilgesellschaftlich und kirchlich organisierter Unterstützungssysteme treffe die sozial schwächsten Familien am härtesten. Overbeck plädierte daher dafür, sich von einer "leistungsorientierten Mittelverteilung" zu verabschieden, die als Leistungskriterium nur die Note sehe. "Um die Bildungslücke zu schließen, müssen Ressourcen jetzt verstärkt in Schulen fließen, an denen die Schülerinnen und Schüler wenig private Fördermöglichkeiten haben", forderte er. (tmg/KNA)

10:45 Uhr: Sternberg: Kirchen werden nach Corona Mitglieder verlieren

Weniger Gottesdienstbesucher und Kirchenmitglieder - diese Folgen der Corona-Pandemie erwartet der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg. "Ich bin ziemlich sicher - ohne jetzt schon Analysen vorweggreifen zu wollen - dass wahrscheinlich einige, die bisher traditionell zur Kirche gegangen sind, gemerkt haben: Das geht auch ohne", sagte Sternberg am Freitag im Podcast "Mit Herz und Haltung" der Katholischen Akademie des Bistums Dresden-Meißen. Es sei daher möglich, dass ein "gewisses Traditionschristentum" noch stärker abbrechen werde als bisher schon.

Außerdem könne er sich vorstellen, dass Menschen aus der Kirche austreten, weil angesichts finanzieller Belastungen "mancher sich noch mehr die Frage stellt, ob denn die Kirchensteuer noch ganz angemessen ist", so der Chef der katholischen Laienvertretung in Deutschland. Mit Blick auf die zu erwartenden Einnahmerückgänge der Kirchen, verschärft durch die Corona-Krise, sagte Sternberg: "Es wird in diesem Jahr einen Einbruch geben. Ganz ohne Frage. Das führt natürlich auch zu Verteilungsdiskussionen."

Es gebe aber keine pauschalen Antworten darauf, räumte der ZdK-Präsident ein. Die größten Einsparpotenziale sehe er in den Verwaltungsapparaten und zentralen Einrichtungen der Bistümer. Sternberg plädierte dafür, einen größeren Anteil der Kirchensteuern den Pfarreien und Kirchorten zur eigenverantwortlichen Verwendung zu geben. (KNA)

10:30 Uhr: Zeitung: EKD rechnet mit Kirchensteuerrückgang bis zu 30 Prozent

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) stellt sich auf einen deutlichen Rückgang der Kirchensteuer-Einnahmen ein. "Je nach Szenario und Landeskirche könnte der Korridor zwischen minus 10 und minus 30 Prozent in diesem Jahr liegen", teilte ein Sprecher der EKD den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Freitag) mit. Allerdings treffe die Situation die evangelische Kirche nicht unvorbereitet. Schon vor der Krise sei ein Synodenbeschluss erlassen worden, der eine reale Aufwandsanpassung im Haushalt um 30 Prozent bis 2030 vorsehe.

Die Grünen im Bundestag rufen angesichts der Corona-Krise dazu auf, die Religionsausübung zu stärken und besser zu schützen. "Die gesellschaftliche Relevanz der Kirchen für ihre Gläubigen und Gemeinden wird gerade in diesen Zeiten der Krise bewusst und verdeutlicht einmal mehr, dass es hier dringend eine stärkere Unterstützung und Würdigung bedarf", sagte der stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende und Religionsbeauftragte Konstantin von Notz den Funke-Zeitungen. Die derzeitigen Einschränkungen in Gottesdiensten seien allerdings "zum Schutz der Gesundheit und des Lebens" weiterhin geboten.

Der Religionsbeauftragte und Fraktionsvize der Union, Hermann Gröhe (CDU), lobte das Engagement der Kirchen in der Corona-Krise: "Ich erlebe die Kirchen während der Corona-Krise - auch in meiner Heimatstadt - als sehr präsent und engagiert", sagte Gröhe. Die Kritik seiner Parteikollegin Christine Lieberknecht (CDU), die zuletzt den Kirchen Versagen in der Krise vorgeworfen hatte, wies Gröhe zurück. "Die Kritik an einer vermeintlich fehlenden Sichtbarkeit der Kirchen kann ich daher nicht nachvollziehen", sagte der Unions-Fraktionsvize. Die Nähe zu den Menschen mache die kirchlichen Organisationen gerade in unsicheren Zeiten stark und unverzichtbar. Lars Castellucci, Religionsbeauftragter der SPD, appellierte an die Kirchen, die Krise als Chance zu begreifen. "Man kann etwa mit vereinten Kräften versuchen, alle Gemeindemitglieder telefonisch zu erreichen, oder Onlineformate ausprobieren, mit denen man dann vielleicht auch neue Zielgruppen erreicht", sagte Castellucci den Funke-Zeitungen. (KNA)

10:15 Uhr: Moraltheologe Rosenberger: Hauskirche nach der Krise stärken

Der Linzer Moraltheologe Michael Rosenberger hat angesichts der Erfahrungen in der Corona-Krise eine geänderte Prioritätensetzung in der Kirche angemahnt. Im Interview mit dem Portal www.wallfahrtsservice.de plädierte der Priester aus dem Bistum Würzburg für eine Stärkung der Hauskirche. In der Krise hätten viele Menschen selbst Verantwortung für das religiöse Programm übernommen. "Das ist ein riesiger Schub an religiöser Mündigkeit, der sich da in wenigen Wochen ereignet hat. Und er ist gut."

Hauptamtliche in den kommenden Jahren sollten Menschen für hauskirchliches Leben sensibilisieren, ermächtigen und ertüchtigen, forderte Rosenberger. Dazu gehörten Bewusstseinsbildung ebenso wie ein besseres Angebot an Material im Internet. Außerdem gelte es, Hauskirche weit zu denken. Viele hätten in der zurückliegenden Zeit mit großer Kreativität gelebt und auf dem Balkon oder im Garten Kirchenlieder gespielt und gesungen, andere in angrenzenden Gärten Gottesdienst gefeiert oder sich zu einem gemeinsamen Gebet per Videokonferenz getroffen. Dies gelte es weiterzuentwickeln. Der Theologe plädierte weiter für mehr Einsatz in der Kirchenmusik. Kirchenmusikalische Angebote lockten mehr Menschen in die Kirche als "die feierlichsten Gottesdienste der Hochfeste". Auch eine gastliche und anregende Gestaltung der Kirchengebäude sei nötig, so Rosenberger. Er frage sich, welchen Eindruck sie vermittelten, wenn Menschen dort etwa eine Kerze anzündeten. "Erweckt die Kirche den Eindruck, da habe sie jemand genau für ihn oder sie hergerichtet? Oder hat man den Eindruck, da sei seit Jahren nichts verändert worden?"

Auch Seelsorgegespräche gehören nach Rosenbergers Meinung wieder mehr in die Mitte des kirchlichen Angebots. "Das braucht einerseits Erreichbarkeit rund um die Uhr (nicht einer einzelnen Person, wohl aber einer Person aus einem großen Team!) und andererseits das vielfältige Signal, dass wir zum Reden Zeit haben." Er selbst habe in den zurückliegenden zehn Wochen so viele Seelsorgegespräche geführt wie wahrscheinlich in 33 Priesterjahren noch nie. (KNA)

10 Uhr: Käßmann erntet Empörung für "Deal" der Generationen bei Corona

Die frühere hannoversche Landesbischöfin und EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann erntet scharfen Widerspruch für Äußerungen zu einem Zurückstecken der Älteren in der Corona-Krise. Der Bremer Altbürgermeister Henning Scherf (SPD) nannte einen "Deal" der Generationen "völlig verdreht" und warnte davor, Menschen verschiedenen Alters gegeneinander auszuspielen. Das sei "auf eine schreckliche Weise befremdlich". "Wir sind alle Kinder Gottes, alle schutzbedürftig und müssen in dieser Krise alle solidarisch aufeinander aufpassen", sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd). Er schätze Käßmann als kluge Frau: "Aber in diesem Punkt hat sie sich verrannt." Die frühere Bundesministerin, FDP-Politikerin und Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Irmgard Schwaetzer, sagte dem epd, wenn Käßmann fordere, "die Alten sollen freiwillig auf Kontakte, also in der Konsequenz auch Besuche der eigenen Kinder verzichten, muss ich widersprechen: Das geht gegen die seelische Gesundheit."

Die 61 Jahre alte Käßmann hatte dem Straßenmagazin "Asphalt" gesagt: "Wenn ich wüsste, dass die Kleinen und Jüngeren wieder rauskönnen, wenn wir, die über Sechzigjährigen, die Risikogruppen, zu Hause blieben, wenn das der Deal wäre, dann würde ich mich darauf einlassen." Die Älteren hätten ein gutes Leben gelebt und seien "mehrheitlich die Luxusgeneration, die es so gut hatte wie keine Generation vorher und keine danach". Deshalb sei es angesichts der Bedrohung durch Covid-19 jetzt an ihnen, zugunsten der Kinder zu verzichten. Der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, sagte dem epd: "Mich befremdet, wie Frau Käßmann auch, dass bei allen Lockerungsdebatten die Rechte von Kindern kaum eine Rolle spielen." Es werde viel zu wenig darüber diskutiert, wie Kinder zu ihrem verbrieften Recht auf Bildung kämen und wie Chancengleichheit unter Homeschooling-Bedingungen hergestellt werden könne. "Eine zwangsweise Isolierung älterer Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen ist aber der falsche Weg", sagte Hilgers. Der Juso-Vorsitzende Kevin Kühnert sagte, der Vorschlag Käßmanns diskriminiere Ältere. Jüngere Menschen sollten nicht gegen ihre Eltern und Großeltern ausgespielt werden. Zudem vermittle der Vorstoß ein falsches Krankheitsbild, sagte der 30-Jährige dem epd, da auch junge Menschen an Covid-19 mit schweren Verläufen erkranken könnten.

Käßmann sagte am Donnerstag zu der von ihr losgetretenen Debatte: "Mein Gefühl ist, dass sich jetzt Menschen empören, die meinen, ich wollte ihre Freiheit einschränken. Menschen, die vor allem in meinem Alter sind." Ihr sei es viel mehr darum gegangen, die Situation der Kinder in den Mittelpunkt zu stellen. "Denn sie sind es, die in der Corona-Krise die massivsten Einschränkungen aushalten müssen, die am meisten leiden", sagte sie dem epd. Die Theologin betonte: "Als siebenfache Großmutter würde ich sofort für das Wohl meiner Enkelkinder einen Schritt zurücktreten, ohne mich in unzumutbarer Weise in meinen Rechten eingeschränkt zu fühlen, wenn das für sie hilfreich wäre." Auch zu der Bezeichnung "Luxusgeneration" stehe sie: "Und damit meine ich ausdrücklich die Menschen meines Alters. Die Generation der 60- bis 70-Jährigen." Es gehe nicht um geldwerten Luxus. "Sondern darum, dass sie weder den Krieg noch die harten Entbehrungen danach erleben mussten, sondern ein Leben lang in Frieden und Freiheit gelebt haben - und viele Menschen dieser Generation auch in materieller Sicherheit", erläuterte sie. (tmg/epd)

9:45 Uhr: Inzwischen 200 Corona-Infizierte in Frankfurter Baptistengemeinde

Nach dem Ausbruch des Coronavirus im Zuge eines Gottesdienstes einer Frankfurter Baptistengemeinde sind inzwischen 200 Personen im Umfeld der Gemeinde positiv getestet worden. Neun an Covid-19 Erkrankte würden in Krankenhäusern behandelt, eine Person auf der Intensivstation, teilte das Gesundheitsamt Frankfurt am Main am Donnerstag dem Evangelischen Pressedienst (epd) mit. 57 infizierte Personen lebten in Frankfurt, die übrigen in sieben umliegenden Landkreisen.

Am vergangenen Wochenende war bekanntgeworden, dass es aufgrund eines Gottesdienstes am 10. Mai zur massenhaften Verbreitung des Virus in der selbstständigen Evangeliums-Christen-Gemeinde kam, die nicht dem Dachverband der Baptisten, dem Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden, angehört. "Im Nachhinein betrachtet wäre es für uns angebracht, beim Gottesdienst Mund-Nasen-Schutz-Bedeckungen zu tragen und auf den gemeinsamen Gesang zu verzichten", räumte die Gemeinde ein. Sie äußerte sich "tief bestürzt und traurig" über die Ereignisse.

Bei der Versammlung seien getrennte Ein- und Ausgänge genutzt worden, außerdem sei der Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten worden und es habe ausreichend Desinfektionsmittel zur Verfügung gestanden, betonte die Gemeinde. Die Gesundheitsämter bemühen sich derzeit, Infektionsketten aufzuspüren. Dies sei aufwendig, weil die Gemeinde keine Adressliste der Gottesdienstbesucher geführt habe, hieß es. Wenn der Fall aufgeklärt sei, werde man sich mit der Frage beschäftigen, ob solche Listen in Hessen per Verordnung vorgeschrieben werden, hatte der hessische Sozialminister Kai Klose (Grüne) angekündigt. Die evangelische und die katholische Kirche nehmen von sich aus die Adressen auf, die dann für eine bestimmte Zeit aufbewahrt werden. (epd)

9:30 Uhr: Weltweites digitales Abendgebet gegen Corona

Die Jesuiten und die Ignatianische Gemeinschaft bieten zu Pfingsten ein weltweites digitales Abendgebet gegen Corona an. Die Gebetswache unter dem Motto "Ein Geist, eine Welt, ein Gebet" beginnt am Samstag um 20 Uhr und dauert eine gute halbe Stunde, wie der Orden am Donnerstag in München ankündigte. Sie umfasse persönliche Zeugnisse, künstlerische Darbietungen sowie symbolische und interaktive Momente. Eine Teilnahme sei über die globalen Facebook-, Twitter- und Youtube-Kanäle der Jesuiten möglich.

"Covid-19 betrifft die menschliche Gemeinschaft in ihrer Gesamtheit. Welch bessere Antwort gibt es, als gemeinsam zu beten", erklärte Jesuit James Hanvey als Sekretär der Gesellschaft für den Dienst am Glauben, der das Gebet organisiert. "Heute ist uns vielleicht mehr als je bewusst, dass wir die Gabe des Heiligen Geistes brauchen." Zur Vorbereitung können laut der Mitteilung in den sozialen Netzwerken eigene Gebete unter #IgnatianPentecost und #TogetherAMDG geteilt werden. (KNA)

9:15 Uhr: Hamburger Erzbischof stellt Online-Gottesdienste ein

Das vorerst letzt Mal überträgt Hamburgs Erzbischof Stefan Heße am Samstag einen Gottesdienst aus seiner Hauskapelle ins Internet. Er hatte dort seit 19. März täglich um 11.00 Uhr eine Messe gefeiert und sie live gestreamt. "Ich bin dankbar für diese neue Erfahrung", sagte Heße am Donnerstag in Hamburg. Trotz der medialen Distanz habe er mit vielen Menschen in Beziehung treten können. Das zeigten auch die positiven Rückmeldungen. Die Übertragungen hatten den Angaben zufolge durchschnittlich 1.000 Aufrufe pro Tag.

Im Erzbistum Hamburg dürfen seit 6. Mai unter Auflagen wieder Gottesdienste mit Besuchern gefeiert werden. Ein Mindestabstand von 1,5 Metern muss eingehalten werden, die Teilnehmerzahl ist entsprechend der Raumgröße begrenzt. Im Hamburger Mariendom können an einer Feier nicht mehr als 90 Besucher teilnehmen. Erzbischof Heße feiert am Sonntag dort den Pfingst-Gottesdienst um 10.00 Uhr. (KNA)

9 Uhr: Bistum Würzburg: Zweistelliges Millionen-Minus bei Kirchensteuer

Das Bistum Würzburg rechnet angesichts der Corona-Krise mit einem Rückgang der Kirchensteuereinnahmen in Höhe eines unteren zweistelligen Millionenbetrags. Das bestätigte am Donnerstag ein Bistumssprecher auf Nachfrage. Der Bischöfliche Finanzdirektor Sven Kunkel hatte in einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk (BR) weitere Sparmaßnahmen in der Diözesan-Verwaltung angekündigt. So sei die Renovierung des Ordinariats bereits gestoppt. Diese sei mit 18 Millionen Euro veranschlagt gewesen.

Die Diözese hatte angesichts befürchteter Rückgänge bei der Kirchensteuer Mitte Mai eine Haushaltssperre verfügt. Damals hatte Kunkel erklärt, dass die allgemeinen Sachkosten in der Verwaltung um 20 Prozent gesenkt werden sollen. Er betonte jedoch, dass karitative Leistungen und die allgemeine Seelsorge nicht betroffen seien. Auch die Personalkosten seien gesichert. (KNA)

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Themenseite: Die Kirche während der Corona-Krise

Gottesdienste werden abgesagt, Gotteshäuser geschlossen: Das Coronavirus hat auch die katholische Kirche in Deutschland und Europa erreicht. Wie geht es nun in den Bistümern weiter? Und was können die Gläubigen tun? Auf unserer Themenseite sammeln wir unsere Berichterstattung zur Pandemie.