Eine Frau hat ihre Atemschutzmaske auf dem Hinterkopf mit der Aufschrift Corona Lüge
Newsticker: Corona und die Kirche, 31. Mai

"Krude Thesen und Forderungen": Kirche ist besorgt über Corona-Demos

Die ganze Welt ist von der Corona-Pandemie betroffen. Auch das kirchliche Leben ist eingeschränkt: Gottesdienste und andere Veranstaltungen fallen aus, Christen helfen, Christen erkranken. Im katholisch.de-Newsticker gibt es ein aktuelles Bild der Lage in Deutschland und der Weltkirche.

Bonn - 31.05.2020

16 Uhr: Pro-Generalsekretär der Bischofssynode will pastorale Reformen

Der maltesische Bischof Mario Grech (63), Pro-Generalskretär der vatikanischen Bischofssynode, hält pastorale Reformen nach der Corona-Krise für unausweichlich. "Es wäre Selbstmord, danach wieder zu denselben Modellen wie vorher zurückzukehren", sagte er laut einem Bericht des Portals "Vatican News" (Wochenende). Die Pandemie habe sämtliche gesellschaftlichen Grundlagen erschüttert, die man bisher für unerschütterlich gehalten habe. Daraus müsse auch die Kirche Konsequenzen ziehen, forderte der Geistliche.

Er plädierte dafür, den Wert der "Hauskirche" neu zu entdecken. Dafür habe es in den Monaten der Ausgangssperre wichtige Impulse gegeben. Grech beklagte, dass das "Charisma der Familie als Hauskirche" durch jahrhundertelangen Klerikalismus zermürbt worden sei. Dabei könne die Familie – wie einst – "eine Quelle des christlichen Lebens sein". Aufgabe der Kirche sei es nun, dafür die nötigen Strukturen zu schaffen.

Der Bischof warb zudem für mehr Synodalität. Es sei ein "Geschenk", dass der Papst eine entsprechende Initiative für mehr Dialog in allen wichtigen kirchlichen Fragen angestoßen habe. Dieser Prozess sei überaus bedeutsam, betonte Grech.

Bei der nächsten Bischofssynode in Rom will Franziskus mit den Bischöfen über mehr Miteinander in der Kirche beraten. Wie der Vatikan im März mitteilte, lautet das Thema des für Oktober 2022 geplanten Treffens: "Für eine synodale Kirche: Gemeinschaft, Partizipation und Mission". Grech war vor einigen Monaten zum Stellvertreter von Synoden-Generalsekretär Kardinal Lorenzo Baldisseri (79) ernannt worden und wird bei der Konferenz eine wichtige Rolle spielen. (KNA)

13.50 Uhr: Kirche und Politik besorgt über Corona-Demos

Am Pfingstwochenende haben sich Politik und Kirche besorgt zu Demonstrationen gegen Corona-Beschränkungen geäußert. Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, sagte, über viele Wochen habe man in Deutschland und vielen anderen Ländern "in einer Art Schockstarre" gelebt. Mit den Lockerungen hätten nun auch Proteste zugenommen. Er verurteilte "teils krude Thesen und Forderungen", die "leider sogar in hohen kirchlichen Kreisen Widerhall gefunden" hätten.

Osnabrücks Bischof Franz-Josef Bode warnte ebenfalls vor Verschwörungstheorien und einem wachsenden Antisemitismus. Gegen solch ein "zersetzendes Virus der sozialen Klimavergiftung" könne der Glaube ein wirksamer Antikörper sein, so Bode.

Kritische Worte fand auch der Freiburger Erzbischof Stephan Burger: "Kaum beginnen wir, über Lockerungen und Entlastungen nachzudenken, Luft zu holen in der Pandemie, werden gleich Verschwörungstheorien befördert und erwogen, die manche wieder neu in Angst und Schrecken versetzen." Statt sich über gemeinsame "Aktionen zu freuen, die uns für ein paar Wochen beflügelt und geeint haben, geht es gleich wieder um die Risse und Spalten, die sich in unserem gesellschaftlichen wie kirchlichen Gefüge zeigen", sagte der Bischof.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann betonte: "Wir leben in einem freien Land, da kann jeder seine Meinung äußern, selbst wenn sie unsinnig ist und Verschwörungsmythen transportiert", sagte der Grünen-Politiker der Funke-Mediengruppe. "Die Gefahr sehe ich eher darin, dass Rechtsradikale solche Demonstrationen unterwandern. Das besorgt mich doch ganz erheblich." (cbr/KNA)

12.30 Uhr: Bischof Voderholzer bringt 2.000 Gebetsanliegen zu Fuß nach Altötting

Regensburgs Bischof Rudolf Voderholzer hat am Samstag trotz Corona die Tradition der Fußwallfahrt von Regensburg nach Altötting aufrechterhalten. Eigentlich hätte der 111 Kilometer lange Pilgermarsch schon am Donnerstag beginnen sollen, insgesamt wären wohl rund 8.000 Pilger dabei gewesen, wie das Bistum auf seiner Internetseite schreibt. Die Pandemie verhinderte dies demnach. Ganz ausgefallen sei der Brauch aber nicht: Voderholzer sei mit dem Pilgerführer Bernhard Meiler zumindest die letzten Kilometer bis zum Ziel gegangen. Der Bischof habe 2.000 Gebetsanliegen von Gläubigen in die Altöttinger Gnadenkapelle zur Schwarzen Madonna gebracht.

In der 190-jährigen Geschichte der Wallfahrt ist diese bislang noch niemals ausgefallen, wie es weiter hieß. Gleichwohl habe sie schon Krisen erlebt: "Während des Zweiten Weltkriegs und der nationalsozialistischen Terrordiktatur war das Pilgern untersagt. Allerdings waren doch einige wenige Gläubige auf dem Weg. Wären sie entdeckt worden, hätten sie sich schnell zerstreuen können", so das Bistum.

Die Regensburger Fußwallfahrt nach Altötting – dem größten deutschen Marienwallfahrtsort – findet seit 1830 jährlich statt. Sie beginnt stets am Donnerstag vor Pfingsten, erstreckt sich über eine Länge von 111 Kilometern und dauert drei Tage. Vergangenes Jahr nahmen rund 7.000 Menschen an dem Ereignis teil. (KNA)

10.15 Uhr: Papst: Nichts wird nach der Pandemie so sein wie vorher

Der Papst hat in einer Videobotschaft dazu aufgerufen, die Corona-Pandemie als Wende zum Besseren zu nutzen. "Alles wird danach anders sein", sagte er in einer am späten Samstagabend veröffentlichten Videobotschaft. Er richtete sich an die Teilnehmer einer weltweiten Online-Pfingstwache, zu der die Koordinierungsstelle Charis (Catholic Charismatic Renewal International Service) aufgerufen hatte.

Die vor genau einem Jahr vom Vatikan gegründete Arbeitsstelle ist für die katholischen charismatischen Gruppen zuständig. Ihnen gehören nach Kirchenangaben rund 120 Millionen Gläubige an. In ihrer Frömmigkeit und ihrem Engagement hebt die Bewegung den Heiligen Geist hervor. Sie ist gekennzeichnet durch ein intensives und frei gestaltetes Gebets- und Gottesdienstleben sowie durch soziales Engagement.

"Der von Jesus versprochene Heilige Geist kommt, um jeden von uns zu erneuern, zu verwandeln und zu heilen", so das Kirchenoberhaupt in seiner Botschaft. Das sei heutzutage notwendiger denn je. "Die Welt leidet, ist verwundet." Umso wichtiger sei es, entschlossen und mutig hinauszugehen und das Evangelium zu verkünden.

Die Menschen müssten endlich erkennen, dass sie alle Teil derselben Gemeinschaft seien. "Niemand rettet sich allein", betonte Franziskus in dem Videoclip. Nun sei es an der Zeit, gemeinsam und mit Gottes Hilfe "eine neue Realität" zu schaffen. Man könne nicht einfach zur gewohnten Tagesordnung übergehen. Wenn es nicht gelinge, eine gerechtere, christlichere Gesellschaft auf den Weg zu bringen, wäre alles Leid der vergangenen Wochen umsonst gewesen.

Die großen Prüfungen der Menschheitsgeschichte, und dazu zähle die Corona-Pandemie, hätten stets zum Besseren oder zum Schlechteren geführt. Nie sei am Ende alles genauso gewesen wie zuvor. "Wie wollt Ihr aus der Sache herauskommen: als bessere oder als schlechtere Menschen?", fragte der Papst. Er mahnte die Gläubigen, sich zu Pfingsten für den Heiligen Geist zu öffnen, damit sich die Herzen zum Besseren wenden mögen. (KNA)

10.10 Uhr: Bundesländer wollen keine erweiterten Sonntagsöffnungen

Die Bundesländer planen derzeit keine erweiterten Sonntagsöffnungen von Geschäften zum Ankurbeln der Konjunktur nach der Corona-Krise. Wie eine Umfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) in den zuständigen Ministerien ergab, gibt es nirgendwo konkrete Pläne dazu. Einzig Niedersachsen zeigte sich offen.

Grundsätzlich seien Sonntagsöffnungen ein geeignetes Instrument, den stationären Einzelhandel zu stärken, sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums in Hannover. Dazu werde aber eine breite gesellschaftliche Diskussion gebraucht, ergänzte sie.

Zunächst wurden aber in Niedersachsen wie in vielen anderen Bundesländern auch die am Anfang der Corona-Pandemie geltenden Ausnahmen für Sonntagsöffnungen wieder zurückgenommen, teilweise schon um Ostern. In Bayern habe es keinen einzigen Antrag von Händlern für flexiblere Öffnungszeiten gegeben, sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums in München. Auch in Berlin wurde von der Möglichkeit, Geschäfte sonntags von 12 bis 18 Uhr zu öffnen, kaum Gebrauch gemacht, wie die dortige Senatsverwaltung mitteilte.

Die Bundesländer haben unterschiedliche Regelungen für verkaufsoffene Sonntage. Wegen des Sonntagsschutzes sind solche verkaufsoffenen Tage begrenzt. Eine Ausweitung wird unter anderem von Baden-Württemberg, Bayern und Thüringen strikt abgelehnt.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte zur Ankurbelung der Konjunktur nach der Corona-Krise erweiterte Ladenöffnungszeiten vorgeschlagen. In der ZDF-Sendung "Berlin direkt" sagte er, er könne sich "etwas mehr verkaufsoffene Sonntage, etwas mehr Flexibilität bei den Ladenöffnungszeiten" vorstellen. "Das hat noch niemandem geschadet", sagte Altmaier. Es gebe den Menschen "mehr Freiheit". (epd)

10 Uhr: Caritas-Präsident fordert deutliche Hartz-IV-Aufstockung

Der Präsident des Deutschen Caritasverbandes, Peter Neher, fordert angesichts der Corona-Krise eine schnelle und deutliche Aufstockung des Hartz-IV-Regelsatzes. "Der Hartz-IV-Satz ist grundsätzlich zu niedrig. Unsere Berechnungen haben ergeben, dass er zwischen 70 und 80 Euro höher sein müsste, hier muss dringend aufgestockt werden. Die Krise verschärft die Situation noch,", sagte Neher der Funke-Mediengruppe (Sonntag).

Einen wie von Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) vorgeschlagenen Familienbonus lehnt Neher dagegen ab. "Es ist wichtig, dass der Staat nicht mit der Gießkanne Gelder verteilt, denn es ist immer noch das Geld der Bürger und das muss sinnvoll und gezielt eingesetzt werden. Aber Einzelne, die das Geld bitter nötig haben, könnten einen solchen Zuschlag gut gebrauchen", sagte der Caritas-Präsident. Er warnte davor, dass sich durch die Krise die sozialen Ungleichheiten weiter verschärfen. So hätten arme Familien, die staatliche Unterstützung beziehen, kaum Geld für Schutzmasken und Desinfektionsmittel.

In der Pflege dringt Neher auf eine bessere Vergütung. Statt einer Bonuszahlung brauche es eine "angemessene Bezahlung", die über "adäquate Tarife" erfolgen müsse. "Eine einmalige Sonderzahlung kann doch nicht die Lösung sein", sagte er. Auch würde die Bonuszahlung einzelne Bereiche wie etwa die Pflege von Menschen mit Behinderungen ausklammern.

Mit Blick auf den Pfingst-Feiertag warb Neher dafür, Angehörige in Alten- und Pflegeheimen zu besuchen. "Dort, wo es möglich ist, wo Schutzkonzepte vorhanden sind und Räume der Begegnung geschaffen wurden, sind Besuche zu empfehlen", sagte er. Dies sei sowohl im Interesse der Heimbewohner als auch der Angehörigen. "Denn auch für sie war es eine sehr schwere Phase", sagte der Präsident des katholischen Sozialverbandes. (KNA) 

9.40 Uhr: Umfrage: Mehrheit gegen zusätzliche verkaufsoffene Sonntage

Eine Mehrheit der Deutschen lehnt es laut einer Umfrage ab, dem Einzelhandel mit zusätzlichen Sonntagsöffnungen aus der Corona-Krise zu helfen. Rund ein gutes Drittel befürworten dagegen den Vorschlag, wie einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Beratungsagentur "Christ & Company" ergab, über die das Redaktionsnetzwerk Deutschland (Samstag) berichtet. Demnach fänden 37 Prozent der repräsentativ Befragten zusätzliche verkaufsoffene Sonntag gut, 60 Prozent halten sie für unnötig.

Unterstützt wird der Umfrage zufolge die Idee vor allem von Männern (41 Prozent Zustimmung, bei Frauen 34 Prozent) sowie von jüngeren Menschen unter 30 Jahren. Bei den 18- bis 28-Jährigen ist die Zustimmung mit 46 Prozent am größten, die Über-45-Jährigen sind zu 63 Prozent dagegen.

Zusätzliche verkaufsoffene Sonntage zum Einkaufen nutzen würden fünf Prozent der Befragten würden "in jedem Fall" und 25 Prozent "wahrscheinlich". Dem stehen gut zwei Drittel gegenüber, die auf den Einkaufsbummel am Sonntag auch bei Öffnung der Geschäfte verzichten würden: 36 Prozent würden "wahrscheinlich nicht" und 33 Prozent "bestimmt nicht" sonntags einkaufen gehen.

Forsa hatte laut den Angaben für die Erhebung vom 23. bis zum 27. Mai insgesamt 1.012 Bundesbürger befragt. (KNA)

9.30 Uhr: Papst schickt medizinische Hilfsgüter nach Sambia

Die Liste der von Papst Franziskus verschickten Hilfsgüter zur Bewältigung der Corona-Krise wird immer länger. Auch im ostafrikanischen Sambia ist nun laut einem Bericht des Portals "Vatican News" (Samstag) eine entsprechende Lieferung angekommen. Sie enthält den Angaben zufolge drei Beatmungsgeräte, Schutzmasken und mehrere medizinische Geräte. Die Ausrüstung soll an katholische Krankenhäuser des Landes verteilt werden.

"Mit diesem Geschenk möchte Franziskus einen kleinen Beitrag für jene leisten, die leiden und nicht die Mittel haben, sich selbst zu heilen", erklärte der Apostolische Nuntius in Sambia, Gianfranco Gallone. Er fügte hinzu, dass sich das Kirchenoberhaupt ebenso um die Menschen sorge, die wegen der Corona-Krise ihre Arbeit verloren und nichts mehr zu essen hätten.

Bis Ende Mai wurden in Sambia mehr als 1.000 Infektionen registriert, darunter sieben Todesfälle. Die Dunkelziffer dürfte jedoch deutlich höher liegen. Der Papst hatte in den vergangenen Wochen bereits eine ganze Reihe ähnlicher Hilfslieferungen in diverse Staaten in Auftrag gegeben - etwa nach Rumänien, Spanien und Italien. (KNA)

Ältere Meldungen

Unsere Meldungen aus den vergangenen Tagen finden Sie hier:

Themenseite: Die Kirche während der Corona-Krise

Gottesdienste werden abgesagt, Gotteshäuser geschlossen: Das Coronavirus hat auch die katholische Kirche in Deutschland und Europa erreicht. Wie geht es nun in den Bistümern weiter? Und was können die Gläubigen tun? Auf unserer Themenseite sammeln wir unsere Berichterstattung zur Pandemie.