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Newsticker: Corona und die Kirche, 21. Juni

Bischöfe gegen "Ausbeutung und faule Tricks" in Fleischindustrie

Die ganze Welt ist von der Corona-Pandemie betroffen. Auch das kirchliche Leben ist eingeschränkt: Gottesdienste und andere Veranstaltungen fallen aus, Christen helfen, Christen erkranken. Im katholisch.de-Newsticker gibt es ein aktuelles Bild der Lage in Deutschland und der Weltkirche.

Bonn - 21.06.2020

18 Uhr: "Tag der Autobahnkirchen" mit Andachten und Gebeten

Wegen der Corona-Pandemie haben an diesem Sonntag nur 16 der insgesamt 44 Autobahnkirchen in Deutschland am "Tag der Autobahnkirchen" teilgenommen. In den geöffneten Kirchen seien die Besucher zu Andachten und gemeinsamen Gebeten eingeladen worden, teilte die Akademie des Versicherers im Raum der Kirchen, die den jährlich stattfindenden Aktionstag initiiert, in Kassel mit. Den Besuchern seien zudem neben einer Parkscheibe als Erinnerung kostenlose Broschüren wie "Gebete und Lieder für unterwegs" oder ein mehrsprachiger Reisesegen angeboten worden.

Über eine Million Menschen nutzen nach Angaben zufolge jährlich das bundesweite Angebot der Autobahnkirchen. Von den Kirchen sind 19 evangelisch, acht katholisch und 17 ökumenisch getragen. Die älteste katholische Autobahnkirche steht seit 1958 in Adelsried, die älteste evangelische seit 1959 in Exter. Die Autobahnkirchen laden nach Angaben der Akademie dazu ein, beim Reisen zur Ruhe zu kommen, sich zu erholen und zu besinnen. Sie seien damit ein Gegenpol zum Leben auf der Überholspur. Die Menschen schätzten vor allem die Ruhe und die Anonymität. Viele von ihnen nutzten das "Anliegenbuch", um ihre Gedanken festzuhalten, viele zündeten eine Kerze an und geben eine Spende.

Die Akademie der Versicherer im Raum der Kirchen wurde 1978 gegründet. Ihr Anliegen ist es nach eigenen Angaben, christliche Werte zu fördern, indem sie sich in verschiedenen Arbeitsfeldern im Schnittpunkt von Kirche und Gesellschaft engagiert. (epd)

15 Uhr: Südafrikas Kirchen beraten Regierung im Kampf gegen Covid-19

Südafrikas Regierung setzt im Kampf gegen das Coronavirus jetzt auf die Hilfe von Kirchen und Aktivisten. Diese Kehrtwende folgt auf Kritik an dem harten Durchgreifen Pretorias und eine Zunahme von Polizeigewalt. Ein Komitee aus 41 Mitgliedern solle mit Politikern kommende Woche beraten, wie die Eindämmung ohne Zwangsmaßnahmen funktionieren könnte, berichten lokale Medien am Wochenende.

Vorstand des Beratungskomitees wird Bischof Malusi Mpumlwana, der Vorsitzende des Südafrikanischen Kirchenrats (SACC). Südafrikas katholische Kirche ist durch den Erzbischof von Johannesburg, Buti Joseph Tlhagale, vertreten. Darüber hinaus gehören jüdische, islamische und interreligiöse Vertreter dem Komitee an sowie Aktivisten, traditionelle Anführer und Gesundheitsarbeiter.

Bischof Mpumlwana zeigte sich zuversichtlich, dass die Arbeit der Gruppe zu einer effektiveren Einhaltung von Hygienemaßnahmen führen wird. "Polizisten und Soldaten werden außen vor gelassen. Die Menschen werden durch Akteure überzeugt, auf die sie hören", so der Kirchenführer im Nachrichtenportal "News24" (Samstag).

Während der zweimonatigen Ausgangssperre ab März mehrten sich in Südafrika die Fälle von Polizeigewalt. Zwölf Menschen sollen durch Ordnungskräfte getötet worden sein. Aktivisten und die katholischen Bischöfe kritisierten die Corona-Maßnahmen der Regierung teilweise als "vernunftlos", darunter ein Verkaufsverbot warmer Mahlzeiten und Zigaretten. (KNA)

12:50 Uhr: Rom sagt Veranstaltungen zum Stadtfest Peter und Paul ab

Roms Stadtverwaltung hat wegen der Corona-Pandemie einige traditionelle Sommerveranstaltungen abgesagt. Wie die Zeitung "Il Messaggero" (Onlineausgabe) am Sonntag berichtete, sind davon bereits am kommenden Wochenende Feierlichkeiten zu Ehren der Stadtpatrone Peter und Paul betroffen, deren Namenstag am 29. Juni ist. Zu den traditionellen Veranstaltungen gehört unter anderem ein fast ein Kilometer langer Markt mit Straßenständen.

Ebenfalls abgesagt ist das Sommerfest am Tiberufer zwischen Engelsburg und der Tiberinsel. Dort hatten in den vergangenen Jahren gut 500 Betreiber über zwei Monate hinweg ihre Imbiss- und Verkaufsstände, Restaurants und Bars aufgebaut. Zudem gab es eine Reihe kultureller Veranstaltungen, darunter Filmvorführungen und Buchpräsentationen. Die Gefahr großer Menschenansammlungen und damit eines stark erhöhten Ansteckungsrisikos mit dem Coronavirus sei noch zu groß, hieß es. Nachdem an den vergangenen beiden Wochenende die beliebten Stadtviertel Trastevere und das Zentrum um den Campo dei Fiori abends wieder überlaufen waren, will die Verwaltung bis auf weiteres den Verkehr dort wieder drosseln. (KNA)

12:30 Uhr: Papst erinnert an Umweltschutz und Flüchtlinge

Papst Franziskus hat mit dem Ende der Pandemie-Einschränkungen zu sorgsamem Umweltschutz aufgerufen. Der Lockdown habe "Umweltverschmutzung verringert und die Schönheit vieler verkehrs- und lärmfreier Orte wiederentdecken lassen", sagte er beim Mittagsgebet am Sonntag auf dem Petersplatz. Mit der Wiederaufnahme wirtschaftlicher Aktivitäten, sollten die Menschen "mehr Verantwortung für die Sorge um das gemeinsame Haus übernehmen". Dabei lobte das Kirchenoberhaupt die zahlreichen Basisinitiativen, die es weltweit für die Beziehung zwischen Mensch und Umwelt gebe. Sie sollten das Bewusstsein aller Bürger für "dieses wesentliche Gemeinwohl" fördern.

Franziskus erinnerte auch an den notwendigen Schutz von Flüchtlingen in der Corona-Pandemie. Die durch das Coronavirus verursachte Krise habe deutlich gemacht, "dass auch Flüchtlinge den notwendigen Schutz erhalten müssen, um ihre Würde und Sicherheit zu gewährleisten", so der Papst. Der Pontifex forderte das "gemeinsame Engagement aller für den wirksamen Schutz aller Menschen", "insbesondere jener, die wegen ernster Gefahr für sie oder ihre Familien zur Flucht gezwungen wurden". Anlass des päpstlichen Appells ist der Weltflüchtlingstag der Vereinten Nationen am Samstag (20. Juni). (mpl/KNA)

11:30 Uhr: Berliner Dom wieder für Besucher geöffnet

Nach rund drei Monaten coronabedingter Schließung ist der evangelische Berliner Dom wieder für Gottesdienste und Besichtigungen geöffnet. "Wir freuen uns, dass der Dom nun wieder als lebendiger Ort sowohl Berlinerinnen und Berlinern als auch allen anderen Interessierten offensteht", erklärte der Vorsitzende des Domkirchenkollegiums, Stephan Harmening. Der nach Gemeindeangaben erste öffentliche Gottesdienst, zu dem auch Menschen ohne Gemeindezugehörigkeit zugelassen waren, wurde am Sonntag im Dom gefeiert.

Wegen der Bestimmungen des Berliner Senats und interner Gegebenheiten dürften jedoch derzeit nur höchstens 176 Menschen unter Beachtung der geltenden Schutz- und Hygienebestimmungen anwesend sein, hieß es. Alle anderen Interessierten könnten die Gottesdienste und Vespern nach wie vor im Livestream im Internet verfolgen.

Die Predigtkirche und die Tauf- und Traukappelle sind den Angaben zufolge auch wieder für Besichtigungen geöffnet. Eintrittskarten seien nur vor Ort erhältlich, hieß es. Im vergangenen Jahr zählte der Dom rund 765.000 Besucher, drei Viertel davon aus dem Ausland. Das 1905 eingeweihte monumentale Gebäude ist nach Gemeindeangaben die protestantische Berliner Antwort von Kaiser Wilhelm II. auf den katholischen Petersdom im Vatikan in Rom. Das im Zweiten Weltkrieg stark zerstörte Bauwerk mit mehr als 1.500 Sitzplätzen für Gottesdienstbesucher wurde in der DDR ab 1975 wieder aufgebaut. Nach der Wiedervereinigung wurde die Predigtstätte 1993 neu eröffnet. (epd)

10:30 Uhr: Bischöfe gegen "Ausbeutung und faule Tricks" in Fleischindustrie

Angesichts massenhafter Corona-Infektionen in mehreren Schlachthöfen kritisiert die bischöfliche Arbeitsgruppe Menschenhandel "sklavereiähnliche Praktiken" in der Fleischbranche. "Die ausbeuterischen Beschäftigungsverhältnisse in der Fleischindustrie sind ein Skandal", betonte der Leiter des Gremiums, der Kölner Weihbischof Ansgar Puff, am Wochenende auf der Internetseite der Deutschen Bischofskonferenz. Mitten in Deutschland würden Menschen aus Osteuropa "als billige Arbeitskräfte missbraucht und in menschenunwürdigen Behausungen untergebracht".

Weiter heißt es in der Erklärung des Weihbischofs: "Faulen Tricks zur Umgehung des Mindestlohns, mangelnden Arbeitsschutzmaßnahmen und überfüllten Unterkünften muss nun dringend politisch ein Riegel vorgeschoben werden." Jeder, dem an Menschenwürde und Solidarität gelegen sei, müsse sich fragen lassen, ob sein Konsum das Ergebnis von Ausbeutung sei, fügte Puff hinzu. "Uns muss bewusst sein, dass unser Konsumverhalten Einfluss auf Arbeitsbedingungen und Löhne hat", so der stellvertretende Vorsitzende der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz weiter.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) schrieb am Wochenende auf Twitter: "Wir werden #Tierhaltung umbauen, den Landwirten helfen." Notwendig seien "faire Arbeitsbedingungen, faire Preise, die den Wert wiedergeben". Zuvor hatte sie erklärt, das Thema Schlachthöfe gehöre eingebettet "in die Nutztierstrategie – es geht um Qualität vom Stall bis an die Theke".

Puff äußerte in der Erklärung, zwar hätten immer wieder Stimmen auf "die desaströsen Bedingungen" hingewiesen und es habe auch Reaktionen des Gesetzgebers gegeben. Doch vor den Corona-Fällen in den Schlachthöfen habe das Thema in der breiten Öffentlichkeit kaum jemanden interessiert. "Es war für viele einfach zu bequem, die Augen zu verschließen", unterstrich der Weihbischof. Daher habe es am gesellschaftlichen Willen gefehlt, "ein auf Ausbeutung basierendes Geschäftsmodell wirksam zu durchbrechen". Papst Franziskus habe Wirtschaftsformen, die den Menschen letztlich zum Gebrauchsgegenstand herabstuften, immer wieder als unchristlich gebrandmarkt. (KNA)

10 Uhr: Papst empfängt Ärzte und Pfleger aus Krisenregion Lombardei

Der Papst hat am Samstag eine Delegation von Ärzten und Pflegern aus der Corona-Krisenregion Lombardei empfangen. Sie hätten mit ihrem aufopferungsvollen Kampf gegen die Pandemie "ein Wunder begonnen", lobte Franziskus während der Audienz. Die Lombardei in Norditalien ist besonders von den Auswirkungen der Pandemie betroffen.

Was das dortige Gesundheitspersonal in den vergangenen Monaten geleistet habe, sei ein "sichtbares Zeichen herzerwärmender Menschlichkeit", so der Papst. Viele Patienten hätten das Gefühl, "Engel" an ihrer Seite zu haben. Das sei ebenso den Krankenhausseelsorgern zu verdanken, die inmitten all der Not die Nähe Gottes bezeugten

In seiner Ansprache, bei der auch Regionalpräsident Attilio Fontana (Lega) zugegen war, mahnte das Kirchenoberhaupt, die richtigen Lehren aus der Krise zu ziehen. Eine solche Notlage könne man nicht allein, sondern nur zusammen und mit der Gnade Gottes meistern. Wenn die Gesellschaft dies verinnerliche, sei es möglich, gestärkt aus alledem hervorzugehen. Fontana lud Franziskus zu einem Besuch in die Lombardei ein, "um den Familien der Opfer und den vielen Kranken, die gelitten haben, Trost zu spenden". Eine Visite des Papstes wäre "für uns alle ein Licht gegen die Dunkelheit, die uns in diesen Monaten eingehüllt hat", so der Politiker.

Von den 20 Regionen Italiens zahlte die Lombardei nach amtlichen Daten den höchsten Zoll an Erkrankten und Todesopfern in der Pandemie. Mehr als 16.000 Menschen starben dort, fast die Hälfte der mehr als 34.000 Corona-Toten in Italien. Regionalpräsident Fontana war Ende Mai auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Varese unter Polizeischutz gestellt worden. Grund waren laut italienischen Medien Hassbotschaften und Drohungen im Internet. In Mailand tauchten zudem zwei Wandschmierereien auf, die Fontana als "Mörder" bezeichneten. (KNA)

9:15 Uhr: Zeitung: Maskenpflicht in Bayerns Kirchen wird gelockert

Bayerns Staatsregierung lockert ab Montag die Maskenpflicht bei Gottesdiensten. Das berichtet der "Münchner Merkur" in seiner Wochenendausgabe. Ab dem 22. Juni müssten die Gläubigen nur noch beim Betreten und Verlassen der Kirchen einen Mund-Nase-Schutz tragen. Die Infektionsgefahr erlaube es, auf die Masken beim Sitzen in der Kirchenbank zu verzichten, sagte Staatskanzlei-Chef Florian Herrmann (CSU) der Zeitung. Auch die Beschränkung der Gottesdienste auf 60 Minuten werde aufgehoben. Die Kirchen müssten aber beim Gesang weiter für Zurückhaltung sorgen. Denn der Aerosolausstoß beim Singen sei ein wichtiger Grund für die Maskenpflicht gewesen. (KNA)

9 Uhr: Bistum: Mehrwertsteuerpflicht für Pfarreien kommt später

Wegen der Corona-Krise müssen Kirchengemeinden später als geplant Mehrwertsteuer abführen. Das Bistum Essen wies am Freitag darauf hin, dass das entsprechende Gesetz erst Anfang 2023 und nicht bereits Anfang 2021 komme. Zugleich warnte die Diözese davor, sich nun zurückzulehnen. Die Pfarreien könnten die gewonnene Zeit nutzen, etwa um neu erstellte Buchungswege auszuprobieren, "ohne dass jemand die Sorge haben muss, bei einem Fehler gleich belangt zu werden".

In Zukunft sollen Kirchengemeinden Mehrwertsteuer abführen, wenn sie zum Beispiel Essen auf einem Pfarrfest oder Artikel auf einem Adventsbasar verkaufen. Bislang sind die Pfarreien von dieser Pflicht in den meisten Fällen ausgenommen. Mit der Gesetzesänderung will Deutschland eine EU-Richtlinie zu fairem Wettbewerb umsetzen. Demnach macht es keinen Unterschied, ob zum Beispiel eine Bratwurst in einem Imbiss oder auf einem Pfarrfest verkauft wird.

Viele Pfarreien kritisieren die Einführung der Mehrwertsteuerpflicht und sprechen von einem immensen Verwaltungsaufwand. Zudem fürchten einige ehrenamtliche Kirchenvorstände, persönlich vor dem Gesetz belangt zu werden, sollte es zu Buchungsfehlern kommen. Das Bistum Essen lässt eigenen Angaben zufolge eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Steueranalysen für jede ihrer Gemeinden erstellen, damit die Pfarreien künftig ihre Geschäfte steuerlich korrekt abrechnen können. Dieser Schritt koste die Diözese rund 300.000 Euro. (KNA)

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